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Er war ein Künstler des Nordens

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erstellt am 30.Aug.2010 | 05:20 Uhr

Warsow/Schwerin | Er war an einem Sonntag geboren, ein Glückskind im sprichwörtlichen Sinn. So hat er es selbst auch gern gesehen. "Das Glück war auf meinem Lebensweg immer mal wieder rechtzeitig zur Stelle. Und dafür bin ich dankbar."

Nun hat die schwere Krankheit den Lebensweg abgeschnitten, der Maler und Grafiker Horst Schmedemann ist am 23. August gestorben. Malen war seine Therapie, als er in den letzten sechs Jahren gegen die Leukämie kämpfte. Kurz vor seinem 75. Geburtstag im März letzten Jahres habe ich ihn in Warsow besucht, in seinem liebevoll ausgebauten Bauernhaus, das mit seinem Rohrdach, dem stillen Garten und der Galerie unterm Dach sein Heim und sein Schaffensort war. Geredet haben wir über die neuen Bilder, die Horst Schmedemann für die geplante Ausstellung im Schweriner Dom gemalt hat. Er war glücklich über den Ausstellungsort, traurig aber auch. "Es wird wohl meine letzte Ausstellung werden", sagte er, ahnend, dass ihm nicht mehr viel Zeit bleiben würde.

Horst Schmedemann wurde am 8. April 1934 in Schwerin geboren. Sein Lehrer, der bekannte Kunstmaler Rudolf Gahlbeck, erkannte sehr frühzeitig sein enormes Talent. "Mein Zeichenlehrer entdeckte meine zeichnerische Begabung und empfahl mir den Beruf des Lithographen. Mein Lehrmeister sah voraus, dass aus dem Lithographen ein Künstler werden würde. So fing wohl alles an."

44 Jahre war er in der Druckerei der Schweriner Volkszeitung tätig, in seiner Freizeit entstanden die künstlerischen Werke. Seit 1965 beteiligte er sich an Kreis- und Bezirksausstellungen und ab 1974 sehr erfolgreich an zentralen Ausstellungen des bildnerischen Schaffens in der DDR, wo er 1982 mit der Goldmedaille geehrt wurde. Seine Arbeiten wurden auch international gezeigt, die Motive hat er immer in seiner unmittelbaren Umgebung gefunden.

Sein zeichnerisches Können offenbarte der ausgebildete Lithograph in seinen grafischen Arbeiten. Da wurden auf satirische Weise schon mal zeitgenössische Unarten aufs Korn genommen. Auch Bücher hat er illustriert. In der Radierung hat er wohl alle Techniken ausprobiert, die diese bietet. Mit dem Schweriner Grafikkollegen Karlheinz Effenberger experimentierte er und brachte es zu hoher Meisterschaft. Vom Zeichnen kam Schmedemann zu den Pastellkreiden, mit denen er Zeichnen und Malen miteinander verweben konnte. Seine enge Freundschaft zum Maler Carl Hinrichs war da wohl auch hilfreich. Im Pastell ist er zum Meister geworden.

Seine eher raren Porträts sind von verblüffender Akribie und hingebungsvoller Liebe. Auch seine Frau Margot, die ihm seit 53 Jahren die beste Kritikerin war, Tochter Anke und die Enkelin Amelie standen ihm Modell. Letztere durfte "Opas Ausstellung im Dom" mit einem Bild bereichern, das der fast Elfjährigen schon einen gekonnten Umgang mit Pinsel und Farbe bescheinigt. "Diese drei sind mir das Wichtigste", sagte Horst Schmedemann, wenn die Rede auf seine Familie kam.

Horst Schmedemann war ein Maler des Nordens. Das klare Licht, die Weite, die grauen und braunen Farben haben ihn inspiriert. "Im Süden ist es zu bunt, zu laut, zu kitschig", stellte er nach einer Reise fest. " Den Norden kann ich besser!" Die Fjorde Norwegens hat er gern gesehen und in wunderbaren Bildern hielt er seine Eindrücke fest.

Das hügelige Mecklenburger Land, der weite Himmel, die alten Bauernhäuser, wuchtige Bäume, stille Seen sind immer wiederkehrende Motive. Der Künstler fand dafür in seiner Werkstatt einen unverwechselbaren Ausdruck. "Nie habe ich mir draußen Skizzen gemacht. Es ist, als hätten meine Augen ein Foto gemacht und ich kann es in mir abrufen."

Unbekümmert von den Innovationen der modernen Bildkunst hat sich Horst Schmedemann seinen eigenen künstlerischen Weg gesucht. "Ich habe immer für mich gemalt. So, wie ich die Landschaften gesehen und erlebt habe, gestaltete ich sie in meinen Bildern."

Seine Bilder werden bleiben, dem Betrachter das Credo ihres Schöpfers übermitteln, die Freude des Malers an den Wundern des Lebens bewahren.

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