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Festspiele Wismar : Er macht Wismar zur Theaterstadt

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Schauspieler Sascha Gluth steht im kommenden Jahr als Dr. Faust auf der Bühne.

svz.de von
erstellt am 11.Dez.2015 | 12:00 Uhr

Der Theaterlandschaft in Mecklenburg-Vorpommern geht es schlecht. Im ganzen Land wird gespart, traditionsreiche Häuser wie das Schweriner Staatstheater sind hoch verschuldet oder stehen kurz vor der Insolvenz. Doch genau zur selben Zeit blüht ein neues Konzept von hochwertigen Klassikinszenierungen im Bereich des Sprechtheaters auf: die Festspiele Wismar. Deren rasant wachsenden Besucherzahlen der letzten zwei Jahre beweisen: Gutes Theater möchte gesehen werden. Das Gesicht des Kulturangebots ist ohne Frage der Berliner Schauspieler Sascha Gluth.

„Wir haben es geschafft und aus dem Nichts ein Ensemble kreiert“, sagte der ehemalige Störtebeker-Darsteller und künstlerische Leiter der Festspiele Wismar gestern bei der Vorstellung des Programms für 2016. Noch vor zwei Jahren waren die Festspiele ein Experiment von Gluth, dem Regisseur Holger Mahlich und Mitinitiator Andreas Conrad. „Es war die Vision eines kleinen, feinen Klassikfestspiels“, erinnert sich Gluth. Damals spielte er den „Jedermann“ im gleichnamigen Stück von Hugo von Hofmannsthal.

Der Erfolg blieb nicht aus. Vielleicht auch wegen des ungewöhnlichen Spielorts: Das gigantische Bühnenbild von Falk von Wangelin fand unter dem atemberaubenden Kirchendach der St.-Georgen-Kirche zu Wismar seinen Platz. Im vergangenen Jahr besuchten 5  000 Zuschauer die insgesamt 15 Vorstellungen. Nun wollen die Initiatoren ihrem Publikum etwas Neues bieten: Im kommenden Jahr soll das Programm durch Goethes Meisterwerk „Faust I“ ergänzt werden. Sascha Gluth verspricht dem Publikum schon jetzt ein „lebendiges Volkstheater“: „Ich habe im Zuge der Aufführung mehrmals den Faust gelesen. Die geflügelten Worte – das ist eine ganz besondere Sprache und es gibt eine Menge komischer Szenen.“

Trotz der großen philosophischen Tiefe solle das Stück auf vergnügliche Weise erzählt werden, sagt auch Regisseur Mahlich: „Obwohl wenn das Stück 1808 beendet wurde, so ist es doch ein großes Gegenwartsstück. Es ist sehr schnell und rast unentwegt vorwärts, so das man sich fragt: Sollten wir nicht einmal inne halten? Und so ist es auch in der heutigen Zeit“, meint Mahlich. Für die Rolle des Fausts sieht er Gluth als perfekte Besetzung. Er wird an der Seite von Mario Ramos als Mephisto und Elinor Eidt als Gretchen spielen.

Mit der Übernahme der künstlerischen Leitung der Festspiele Wismar setzt Sascha Gluth sein künstlerisches Schaffen in MV fort. Der in Rostock aufgewachsene Schauspieler absolvierte seine ersten darstellerischen Schritte am Volkstheater. Gefeiert wurde Gluth vor allem als Klaus Störtebeker, den er von 2002 bis 2012 in Ralswiek spielte. Aus dieser Zeit stammt auch die künstlerische wie persönliche Freundschaft zu Holger Mahlich.

Die Premiere des „Faust I“ findet am 7. Juli 2016 in der St.-Georgen-Kirche in Wismar statt. Zehn Aufführungen sind geplant.
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