Aktion „Humor hilft heilen“ : Er hat uns besucht

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24. Dezember 2013, 00:33 Uhr

Wenn der Bundespräsident nicht nach Sotschi fährt, sondern syrische Flüchtlinge im Lager Friedland besucht, zeigt das, wo sein Herz schlägt. Wenn Eckart von Hirschhausen mit seiner Aktion „Humor hilft heilen“ eine Krankenstation besucht, schenkt er den Kindern unerwartet fröhliche Momente. Wenn Anna ihre einsame Nachbarin besucht, empfängt diese sie mit den Worten: „mein Sonnenschein“ und beiden wird ganz warm ums Herz.

Wenn wir andere Menschen aufsuchen oder selbst Besuch bekommen, sind das Zeichen unseres Interesses, unserer Neugier, unserer Verbundenheit, unserer Wertschätzung. Kommt ein angesagter Besuch dagegen nicht zustande, sind wir enttäuscht. Wird eine Einladung ausgeschlagen, verletzt uns das. Werden wir im weihnachtlichen Besuchsmarathon der Familie übersehen, macht uns das traurig.

Weihnachten als Fest der Liebe ist auch ein Fest mit vielen Besuchen.

In der biblischen Geschichte besucht ein Engel Maria und kündigt ihr die Geburt von Jesus an. Sie kann es kaum fassen, dass Gott ihr in ihrer Niedrigkeit und völligen Unbedeutsamkeit solchen hohen Besuch zukommen lässt. Daraufhin besucht Maria ihre ebenfalls schwangere Freundin Elisabeth, um ihr Glück miteinander zu teilen. Der Chor der Engel besucht die Hirten auf dem Feld, mit denen sich sonst keiner abgibt. Und die Hirten machen sich genauso wie die Weisen aus dem Morgenland auf den Weg, um Josef und Maria mit ihrem Neugeborenen im Stall von Bethlehem zu besuchen.

Es ist viel Bewegung in der Weihnachtsgeschichte. Und der Evangelist Lukas findet für die entscheidende Bewegung in einem Lied folgende Worte: „Gott hat sein Volk besucht und dadurch erlöst. Durch die herzliche Barmherzigkeit unseres Gottes besucht uns das aufgehende Licht aus der Höhe, damit es erscheine denen, die sitzen in Finsternis und Schatten des Todes, und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens.“ ( Lukas 1, Verse 68-79)

Christen vertrauen darauf, dass Gott in Jesus von Nazareth unsere Welt und uns Menschen besucht. Die Identifikation von Gott mit Jesus bedeutet, dass im Kind in der Krippe, im Wanderprediger und im Gekreuzigten Gott selbst uns nahe kommt. Er kommt uns besuchen, weil er sich für uns interessiert, weil er neugierig ist auf uns, sich uns verbunden fühlt und uns wertschätzt. Er sagt seinen Besuch nicht ab und er übersieht uns auch nicht. Gott kommt uns besuchen, selbst wenn wir uns dafür viel zu unbedeutend und schlecht fühlen. So kann ein warmer Lichtstrahl in das Leben derer fallen, bei denen es sonst nur dunkel ist.

Diese Bewegung aufeinander zu soll weiter gehen unter uns Menschen. Das Weihnachtsgeschehen will unsere Füße auf den Weg des Friedens ausrichten. Wir selber können dann als Gestärkte andere aufsuchen oder sie einladen zu uns.

Der Wirt im Krippenspiel, der die fremden Josef und Maria einfach abweisen will, steckt zwar auch in uns. Aber die Fähigkeit, die Tür auf zu machen und dem anderen wenigstens einen einfachen Platz in unserem Leben anzubieten, zum Glück genauso.

Diese Möglichkeit immer mehr zu verwirklichen, wäre heilsam für unser Leben und unsere Gesellschaft. Es würde denen helfen, die sich mitten unter uns ausgegrenzt und ausgeschlossen fühlen und denen, die unter zunehmender Vereinsamung leiden. Wenn wir es schaffen würden, gastfreundlicher zu sein, könnten wir auch das Elend an den verschlossenen Türen Europas lindern.

Gott hat die Menschen in Bethlehem besucht und verändert. Diese Bewegung aufeinander zu geht weiter und will sich jedes Weihnachtsfest zwischen Gott und uns und zwischen allen Menschen fortsetzen.


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