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Eine Ära geht zu Ende

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erstellt am 02.Dez.2011 | 08:12 Uhr

Berlin | Ohne Übertreibung: Thomas Gottschalks letzte "Wetten, dass..?"-Show heute wird in die Fernsehgeschichte eingehen. Seit langem ist er der Kaiser der TV-Unterhaltung; gerade erst wurde er im Ersten Programm der ARD zum beliebtesten Showmaster gekürt. Gottschalk hat den Erfolg und den Rang der letzten großen Samstagabend-Unterhaltung gegen alle Stürme gehalten. "Wetten, dass..?" und er sind ohnehin eins, aber die Abschiedsshow wird natürlich eine einzige Hommage an Thomas Gottschalk.

Wie das Ende der Live-Sendung heute aussehen wird, ist ein großes Geheimnis: Wie soll der Sender sein schon zum Denkmal gewordenes "bestes Pferd im Stall" nach fast 25 Jahren und 151 Sendungen gebührend verabschieden?

Zumindest die Gäste stehen fest: Auf der Wettcouch erwartet er Jessica Biel und Til Schweiger, Iris Berben, Günther Jauch, Karl Lagerfeld und Dirk Nowitzki und für musikalische Auftritte sorgen Meat Loaf und Lenny Kravitz.

Gottschalk informierte den Intendanten Markus Schächter und Programmdirektor Thomas Bellut vor Weihnachten 2010 - wenige Wochen nach dem schrecklichen Unfall des Wettkandidaten Samuel Koch - über seinen Entschluss.

Gottschalk wäre nicht Gottschalk, würde er nicht Bezeugungen tiefster Verehrung mit einem flotten Spruch den Ernst austreiben und große Gefühle weglachen. Er konnte und hat sich auch immer vor allem anderen auf seine Spontaneität verlassen. Das allein erklärt jedoch nicht, warum er über alle Maßen vom Publikum geliebt, bewundert, ja vergöttert wird. Daran konnte auch nicht die Filmsatire "Late Show" von Helmut Dietl etwas ändern. Drehpartner Harald Schmidt sagte damals (1999) über Gottschalk: "Ich habe früher lange darüber gerätselt, wie er das macht, weil ich auch so reich werden wollte wie er. Aber diese Gnade der Ausstrahlung ist weder erklärbar noch zu kopieren."

In Senf gebadet

"Sonnyboy" Gottschalk sagte einmal: "Ich habe immer gespürt, dass ich gemocht werde." Das war seine Waffe gegen die Kritiker in den Medien, die Anstoß nahmen an oberflächlichem Geplauder oder seiner körperlichen Annäherung an weibliche Gäste. Aber wenn Gottschalk seine unnachahmlichen Pointen abfeuerte und für Sternstunden mit Robbie Williams oder Michael Jackson sorgte, dann kriegte er sie alle.

ZDF-Intendant Schächter wurde zum Gottschalk-Fan, als Maria Schell als Wetteinsatz anbot, mit Placido Domingo zu singen, daraufhin Fluglärm von draußen erscholl und Gottschalk sagte: "Das ist Placido Domingo auf der Flucht."

Gottschalk selbst scheute keine Herausforderung, wenn es um seine Wettschulden ging. Er ließ sich von unten bis oben in Senf tauchen, betätigte sich als Handwerker bei einer Familie, sprang in Boxershorts vom 7,5-Meter-Brett im Münchner Olympiabad, sang in Mozarts "Zauberflöte" im Chor der Komischen Oper Berlin, verbrachte eine Nacht in einer Zelle des Bremer Gefängnisses und besuchte im Weihnachtsmann-Kostüm ein Wiener Bordell. Er hätte auch im Bundestag geredet, wenn ihn dessen damaliger Präsident Wolfgang Thierse nicht gebremst hätte.

Prophetisch klingt immer noch, wie sich Gottschalk schon im Jahr 1996 in die Fernsehgeschichte einordnete: "Ich bin das erste Kind des Farb- und das letzte des öffentlich-rechtlichen Fernsehens. Eine Figur wie mich wird es im TV-Geschäft nicht mehr so leicht geben." Wer wollte ihm da widersprechen?

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