Ein Team, ein Film

<fettakgl>Erfolgreiches Duo: Skady Lis </fettakgl>(li.) und Minu Barati, die 'Ausgerechnet Sibirien' produziert haben. <foto>Mathias Bothor / Majestic</foto>
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Erfolgreiches Duo: Skady Lis (li.) und Minu Barati, die "Ausgerechnet Sibirien" produziert haben. Mathias Bothor / Majestic

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01. Juni 2012, 10:17 Uhr

Schwerin | Auf dem Filmkunstfest MV in Schwerin lief "Ausgerechnet Sibirien" als Eröffnungsfilm, jetzt kommt das schräge Road Movie um einen pedantischen deutschen Versandlogistiker (Joachim Krol), der auf Dienstreise in der sibirischen Tundra zu sich selbst und der Liebe findet, in Schwerin und Mecklenburg-Vorpommern regulär ins Kino.

Für Skady Lis schließt sich damit ein Kreis. Die 33-Jährige hat den Film gemeinsam mit Minu Barati produziert - und ist gebürtige Schwerinerin. "Ja, ich bin in Friedrichsthal aufgewachsen", sagt die Filmemacherin, die heute in Berlin lebt. Und ein bisschen sei sie damals auch im Capitol aufgewachsen, denn Kino - das war von Kindesbeinen an ihre große Leidenschaft. Beim Schülerfernsehen habe sie ihre ersten Schritte gemacht, erzählt Lis, und das Erstellen der monatlichen 30-minütigen Sendungen sei eine hervorragende Schule gewesen. "Hinterher wusste ich, wie man schneidet, wie man mit einer Kamera umgeht." Später machte sie eine Ausbildung beim Landesfilmzentrum in Schwerin und studierte an der Hochschule für Film und Fernsehen Babelsberg.

Die Komödie "Ausgerechnet Sibirien" mit Joachim Król in der Hauptrolle ist das jüngste Werk von Ralf Huettner, Deutscher Filmpreisträger von 2011. Joachim Król spielt den pedantischen Modeversandhaus-Logistiker Matthias Bleuel, dem bei seiner Geschäftsreise in Sibirien nicht nur Begegnungen mit wodkagetränkter Gastfreundschaft und charmantem Schlendrian widerfahren - sondern auch das Liebes-Abenteuer seines Lebens. Denn der daheim frisch verlassene Bleuel hegt eine heimliche Leidenschaft für Schamanismus und Mystik. Als er auf einem sibirischen Markt die schorische Kehlkopfsängerin und Sajana kennenlernt, ist es um ihn geschehen. Bleuel und sein - heimlich schwuler - Dolmetscher Artjom (Vladimir Burlakow) reisen der Schamanentochter hinterher.

Es war der sechste große Spielfilm, für dessen Produktion Skady Lis mit verantwortlich zeichnete. Mittlerweile hat sie ihre eigene Firma: Getaway Pictures. Fünf Monate dauerten die Dreharbeiten in Russland. "Das ist natürlich wahnsinnig weit weg, deshalb haben wir uns entschieden, dabei zu sein", sagt die Produzentin. Wir - also auch Minu Barati und deren Firma Jooyaa Filmproduktion. "Ausgerechnet Sibirien" ist ihr erstes großes Projekt. Wie ist die Zusammenarbeit geregelt, wenn es zwei Produzentinnen gibt? "Grundsätzlich ist es natürlich so, dass man alle wichtigen Entscheidungen gemeinsam trifft", sagt Skady Lis. Ansonsten habe man sich prima ergänzt: Barati schrieb mit Michael Ebmeyer das Drehbuch, das auf Ebmeyers Roman "Der Neuling" basiert, sie selbst kümmerte sich um den juristisch-finanziellen Teil. Und das sei keine Kleinigkeit gewesen, sagt Lis und lacht: "Die Verträge waren immer dreisprachig, deutsch, englisch und russisch. Das Budget lag bei 3,3 Millionen Euro, davon 20 Prozent russische Gelder - da muss man einiges überwachen. Und ich kann ihnen sagen: In Russland ein Bankkonto zu eröffnen, ist sehr lustig." Immerhin: Das eingerostete Schulrussisch ließ sich mit Audiolektionen beim Joggen aufpolieren "und ich war schon bei X-Filme für internationale Produktionen zuständig und kannte in Russland schon eine gute Service-Produktionsfirma".

Die tausendundeinen großen und kleinen Dinge, die erledigt werden müssen, bevor Regisseur, Kameramann und Schauspieler loslegen können - die seien ihr Geschäft, sagt Skady Lis: "Auf den Regiestuhl habe ich nie geschielt - mir lag immer die Organisation mehr."

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