Gutshäuser in MV : Ein Schloss für jedermann

Das Schlosshotel Groß Plasten wurde vor genau 20 Jahren eröffnet.  Fotos: dörte Rahming
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Das Schlosshotel Groß Plasten wurde vor genau 20 Jahren eröffnet.

„Nostalgie trifft Moderne“ ist das Motto in Groß Plasten.

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05. Juli 2015, 09:00 Uhr

Ein grünes Rondell mit Springbrunnen, dahinter ein kleines, feines Schloss, und dahinter wiederum ein wunderschöner Park inklusive See und Kräutergarten – das ist das Schlosshotel Groß Plasten bei Waren/Müritz. Das Foyer ist geprägt von dunklem Holz und einem glänzenden Kronleuchter. Doch das vornehme Ambiente trügt - hier ist jedermann willkommen. „Die Gäste mögen diesen nostalgischen Charme“, sagt Hoteldirektor Sascha Ehlert. „Und wir möchten, dass jeder ohne Hemmschwelle den Schritt zu uns ins Schloss wagt.“

Das heutige Schlosshotel hat 1752 als Gutshaus angefangen. Erst hundert Jahre später kam der seitliche Anbau hinzu, als der damalige Besitzer ein Fräulein Haniel heiratete. Die entstammte einer westdeutschen Industriellen-Familie mit viel Geld – so konnte die Erweiterung bezahlt werden. Und auch die Kirche, die wegen eines Streits mit den Nachbarn aus Klein Plasten nötig wurde. Die Fischer von dort sollten nämlich nicht mehr den angrenzenden See nutzen. Im Gegenzug verwehrten diese den Konkurrenten den Zugang zur Kirche. Also wurde eine eigene Kapelle gebaut – die erste in Mecklenburg-Vorpommern, die mit einer Kuppel im Renaissance-Stil errichtet wurde. Dort steht bis heute ein Instrument des bekannten Orgelbauers Wilhelm Sauer aus Friedland. Und es gibt immer noch gute Kontakte zwischen Schloss und Kirche. „Einer der Kirchenschlüssel wird nach wie vor hier im Schloss aufbewahrt, sodass wir immer direkten Zugang haben“, erzählt Ehlert. „Jeder Gast kann hinübergehen in die Kapelle und den Schlüssel danach wieder abgeben.“ Der Streit mit den Klein Plastenern ist natürlich längst beigelegt – sie dürfen wieder im See fischen.

Die 32 Zimmer im Herrenhaus sind nostalgisch eingerichtet – wie man es sich vorstellt mit Himmelbetten, Kronleuchtern und schweren Teppichen. Sie tragen Namen wie „Casanova“, „Madame Pompadour“ oder „Napoleon“. „Auch junge Gäste nehmen solche Zimmer gern. In ihrer Vorstellung gehört diese Ausstattung zu einem Schloss – das wollen sie an einem romantischen Wochenende auch erleben.“ Aber sie bestellen abends an der Bar auch gern mal einen Burger. Da trifft sich die Nostalgie dann mit dem Zeitgeist. Küche, Wintergarten und Wellnessbereich des Hotels sind modern, und auch der Service entspricht den Wünschen heutiger Gäste. „Oft kommen Radler oder Hundefreunde“, sagt der Direktor.

„Nicht zu vergessen die Hochzeitspaare: Wir sind eine Außenstelle des Standesamtes Waren, man kann sich hier trauen lassen. Seit kurzem sind wir als gay-friendly gelistet und hatten auch schon eine gleichgeschlechtliche Hochzeit hier.“ In der Woche ist es recht ruhig im Haus. „Dabei sind dann die Preise günstiger und eignen sich vielleicht für ein paar Tage Resturlaub.“ Seit einigen Jahren wohnen Gäste des Schlosshotels auch im sogenannten Kutscherhaus. Die 22 Zimmer sind im spanischen Landhausstil eingerichtet, manche haben eine Badewanne mit Blick auf den See. Beim Essen setzt der Küchenchef von Groß Plasten auf Frische. Wer um das Haus herum geht, findet einen Garten mit Gemüse und Kräutern, aus dem der Koch sich einen Teil seiner Zutaten holt. „Das ist wirklich etwas Besonderes, was sonst kaum jemand anbietet“, schwärmt Hotelchef Ehlert.

Wer im Schloss nicht wohnen, sondern arbeiten möchte: Qualifizierte Mitarbeiter werden immer gebraucht. Das Unternehmen stellt sogar Wohnmöglichkeiten zur Verfügung. Ebenfalls gesucht: ein Künstler, der seine Werke hier ausstellen möchte, indem er Gänge und Säle dekoriert. „Am besten wären Gemälde, die hierher passen, zum Beispiel Bilder von Wasser und Land“, sagt Ehlert. 

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