200. Geburtstag : Ein Sammler macht alles richtig

Das Porträt zeigt Schack im Alter von 60 Jahren, gemalt wurde es 1875 von Franz von Lenbach.  Repro: Neue Pinakothek München, Sammlung Schack
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Das Porträt zeigt Schack im Alter von 60 Jahren, gemalt wurde es 1875 von Franz von Lenbach. Repro: Neue Pinakothek München, Sammlung Schack

Von Mecklenburg nach München und zurück: Zum 200. Geburtstag des facettenreichen Adolf Friedrich Graf von Schack

svz.de von
31. Juli 2015, 12:00 Uhr

Nein, ein Brüsewitzer war er nicht, obwohl viele Biographien und Kataloge lange Zeit behaupteten und noch behaupten, er sei dort geboren. Tatsächlich aber kam Adolf Friedrich Graf von Schack in der Schweriner Lindenstraße zur Welt: „Geboren wurde ich zu Schwerin in Mecklenburg im Jahre der Schlacht von Waterloo am 2. August, verbrachte jedoch meine Kindheit und meine ersten Knabenjahre auf dem unfern gelegenen Gute Brüsewitz. Ein großer grünender Park und zwei, von Eichen- und Buchenwald umgebene Seen machten diesen Landsitz zu einem sehr angenehmen Aufenthalt“, schrieb der Sohn des angesehenen und wohlhabenden Juristen Christoph von Schack und dessen Frau Wilhelmine, geborene Kossel, im ersten Band seiner dreibändigen Erinnerungen und Aufzeichnungen „Ein halbes Jahrhundert“.

Zwar fand Schack zu Lebzeiten durchaus Anerkennung als Literaturhistoriker und Übersetzer aus allen westeuropäischen Sprachen sowie aus dem Griechischen, Persischen, Arabischen und Sanskrit, eher nicht aber als Literat – mit Ausnahmen: So lobte zum Beispiel Friedrich Wilhelm Rogge Schacks Werk in höchsten Tönen. Und in einem auf der fünften Jahresversammlung des Mecklenburgischen Zweigvereins für das höhere Mädchenschulwesen am 1. und 2. Oktober in Neubrandenburg gehaltenen Vortrag zum Thema „Warum dürfen Gedichte von Adolf Friedrich von Schack in den Lesebüchern für die Oberstufe der höheren Mädchenschule nicht fehlen?“ erklärte die Schweriner Pädagogin und Schriftstellerin Johanna Willborn (1838 bis 1908): „Das deutsche Lesebuch begleitet uns durchs ganze Schulleben und weit über dasselbe hinaus. Und weil das so ist, und immermehr und mehr erkannt wird, bemühen sich die Anordner unserer Lesebücher, die Auswahl so sorgsam zu treffen, damit diejenigen, welche längst der Schule entwachsen sind, freudig zu diesem ersten Erschließen des Schönen, Guten und Starken zurückkehren, denn nur durch diesen Gefährten unserer Kindheit und ersten Jugend werden wir fähig, uns selbst fortzubilden.

Und einer der herrlichsten Bildner der nachklassischen Zeit ist Adolf Friedrich von Schack, der gewaltige Dichter von Gottes Gnaden. Schack darf in keinem Lesebuch für die Oberstufen fehlen, es muß ihm ein bedeutender Raum gegeben werden in einem Buche, daß unsere jungen Mädchen zu allem Schönen und Guten bilden und sie stark machen soll, die Vergangenheit und die große Gegenwart des deutschen Volkes zu verstehen, zu lieben und sich derselben wert zu zeigen.“ Heute kennt wohl kaum noch jemand den Schriftsteller Schack. Erhalten geblieben ist sein Name vor allem in Liedern, die beispielsweise keine Geringeren als Richard Strauß und Johannes Brahms auf Gedichte von ihm komponiert haben – und in einem berühmten Museum in München.

Seine größte und die Zeiten überdauernde Leistung war und ist die Gründung der Schack-Galerie in München, wo er seit 1856 auf Einladung von König Maximilian II. von Bayern lebte. Seine privat aufgebaute und finanzierte Sammlung bietet das Erlebnis einer einzigartigen Bildersammlung des 19. Jahrhunderts mit ausschließlich deutscher Malerei der Spätromantik von Moritz von Schwind bis Anselm Feuerbach. Der Besucher begegnet dort zahlreichen berühmten Werken dieser Zeit wie Arnold Böcklins „Villa am Meer“ und dem „Hirtenknaben“ von Franz von Lenbach. Der Sammler Schack hatte sein Augenmerk vor allem auf junge, damals noch nicht etablierte Künstler gerichtet. Aus heutiger Sicht ist die Sammlung Schack ein Glücksfall nicht nur für München, hatte er doch beim Sammeln und Vererben alles richtig gemacht. Und seit dem 100. Geburtstag des 1909 eigens für sie errichteten Galeriegebäudes wird dieser Glücksfall an der Prinzregentenstraße in einer neuen Präsentation gezeigt, die die Malerei des 19. Jahrhunderts auf farbigen Wänden zum Leuchten bringt. Nachdem damals die Räume im Erd- und I. Obergeschoss renoviert wurden und ein neuer Saal für die Kopiensammlung eingerichtet wurde, werden derzeit die Räume im II. Obergeschoss und das Dach saniert. Nach der Fertigstellung im Herbst werden in den neuen Räumen die spanischen und italienischen Landschaften aus der Sammlung Schacks wieder gezeigt. Damit wird sich dann im Jahr des 200. Geburtstages des Sammlungsgründers die gesamte Galerie im frisch renovierten Zustand präsentieren, hören wir aus München.

Testamentarisch hatte die Universitätsbibliothek Rostock in Schacks Todesjahr 1894 Teile seiner Bibliothek mit 3071 Bänden Orientalia und neuerer italienischer, französischer, englischer und spanischer Literatur erhalten. Auch das Schweriner Gymnasium soll Bücher bekommen haben. Und im Landeshauptarchiv Schwerin in der Graf-Schack-Allee 2 – die übrigens erst seit 1947 so heißt – wird viel Material zu Schack aufbewahrt, darunter 304 Künstlerbriefe unter anderen von Böcklin und von Feuerbach, von Lenbach, Schwind und Spitzweg.

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