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Restaurator : Ein Rahmen für den Mufflon

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Peter Jankowski kennt die Geheimnisse kostbarer Rahmen und restauriert sie seit mehr als 20 Jahren

svz.de von
erstellt am 19.Okt.2014 | 09:30 Uhr

Seit mehr als 20 Jahren restauriert der Schweriner Peter Jankowski Bilderrahmen. Im Schweriner Museum berichtete er jetzt, welche „Geheimnisse“ sich aus ihnen ablesen lassen.

Wer einen Rahmen restaurieren will, sollte wissen, aus welcher Zeit und welcher Gegend er stammen könnte. Jankowski kennt die Moden der vergangenen Jahrhunderte. Im Mittelalter herrschten noch die rahmenlosen Tafelbilder vor. In der Gotik wurden die Rahmen extra angefertigt. In der Renaissance wurden sie immer aufwändiger verziert, versilbert und vergoldet. In den Niederlanden und in Norddeutschland wurden manche Rahmen mit Schildplatt besetzt. Typisch niederländisch und norddeutsch sind auch jene breiten Rahmen, auf denen kleine feine Wellenlinien entlanglaufen.

Nachdem er vor etwa 200 Jahren über 200 Bilder aus Schwerin als Kriegsbeute mitgenommen hatte, hat Napoleon solche „gewellten“ Rahmen entfernen lassen, vermutet der Restaurator. Jedenfalls kamen sie nach Napoleons Niederlage mit goldenen Rahmen nach Mecklenburg zurück.

Im deutschen Biedermeier bestimmten kunstvolle Eckornamente die ansonsten eher schlichten Leisten. Einen Rahmen mit heller geflammter Birkenholz-Maserung erkennt der Restaurator als britisch, weil die Aufhäng-Öse gut sichtbar auf der oberen Leiste und nicht an der Rückseite angebracht ist.

Bis zur Renaissance wurden die Verzierungen in der Regel geschnitzt. Dann kamen Druckpasten auf, aus denen die Blätter, Blumen, Zweige und andere Ornamente geformt und aufs Holz aufgeleimt wurden. Auch die legendäre Pappmaché-Manufaktur in Ludwigslust fertigte im 18. Jahrhundert Verzierungen für Gemälderahmen. „Aber in der Regel bestanden die Pasten wohl aus Terpentin, Kreidepulver, Tonpulver, Leim und Pigmenten für die Färbung“, sagt der Restaurator. Die genauen Rezepte sind kaum noch bekannt. Das macht die Restaurierung schwer, wenn die Verzierungen zu zerbröseln beginnen.

Wo verschiedene Materialien zusammengefügt werden müssen, braucht es Leim. „Aus Kaninchenhaut zusammengekochter Hasenleim ist viel elastischer als Knochenleim.“ Auch altes Holz arbeitet, dehnt sich zum Beispiel bei Wärme aus – je nach Sorte unterschiedlich stark. Ist der Leim zu starr, reißt der Rahmen.

Feste Formeln hat Jankowski nicht. Er baut auf seine Erfahrung und er probiert immer noch viel aus, bevor er sich ans zu restaurierende Objekt macht.

Eine seiner bedeutendsten Arbeiten lieferte Jankowski vor einigen Jahren für das Schweriner Museum ab. Es hatte neue Rahmen für zwei der großen Tier-Gemälde von Jean-Baptiste Oudry aus der Mitte des 18. Jahrhunderts bestellt. Während das wohl bekannteste Bild des Nashorns „Clara“ im Ausland neu eingefasst wurde, nahm Jankowski mit einer speziellen Knetmasse („ungefähr so wie beim Zahnarzt“) das Muster eines herzoglichen Rahmens im Schloss Ludwigslust ab. Die Moduliermasse durfte weder die Vergoldung noch das Holz des Originals beeinträchtigen. Die so gewonnene Form füllte er mit Gips aus. Nachdem dieser ausgetrocknet und nachbearbeitet war, überzog er den Gips-„Rahmen“ mit Kautschuk-Silikon. Aus dieser 40 Zentimeter langen hohlen Form entstanden dann die Verzierungen für die vier insgesamt 16 Meter langen Rahmenleisten für Oudrys Mufflon, die Jankowski in alter Handwerker-Manier vergoldete.

Das Wichtigste für einen guten Rahmen ist laut Jankowski immer noch gut abgelagertes Holz. Dafür nimmt sich heutzutage kaum noch ein Holzhändler Zeit. Jankowski hat deshalb vor kurzem die Eichenholzvorräte einer kleinen Bootswerft aufgekauft. „Die Bäume sind 1912 geschlagen worden. Darum verziehen sich auch lange Rahmenleisten aus diesen Brettern nicht mehr viel.“

Experten wie Peter Jankowski sind für Satiness Schwindt eine willkommene Unterstützung. „Die Rahmen werden in den Museen manchmal ein bisschen vernachlässigt“, sagt die Chef-Restauratorin des Staatlichen Museums Schwerin. Denn auch an ihnen nagt der Zahn der Zeit. „Aber ein Gemälde ohne Rahmen – das geht nicht!“

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