Staatstheater Schwerin : Ein eiskaltes Herz wird ganz warm

Im Reich der Schneekönigin
Im Reich der Schneekönigin

Wenn der Weihnachtsmann die Schneekönigin verehrt – Premiere für das Weihnachtsmärchen am Staatstheater Schwerin

svz.de von
24. November 2014, 11:51 Uhr

Ganz viel Glitzer und ein eiskaltes Herz. Eine Schneekönigin, wie sie nicht im Buche steht, verzaubert derzeit die Besucher auf der Bühne des Schweriner Staatstheaters und sorgte am Sonnabend für tosenden Applaus nach der Premiere im Großen Haus.

Schauspielerin Lucie Teisingerova scheint wie für die Rolle der Schneekönigin gemacht. Nicht nur mit ihrer Stimme sorgt die Hauptfigur des neuen Wintermärchens für den nötigen Zauber.

Gemeinsam mit ihren Dienern Trollo (Kai Windhövel) und Trolli (Amadeus Köhli) baut sie sich eine eigene Familie: Oma, Mutter, Vater und Sohn. Je nach Laune taut sie sich die gefrorenen Menschen auf und lässt sie für sich tanzen. Doch als plötzlich ihr vermeintlicher Sohn verschwindet, muss schnell Ersatz her. Die Diener sind gefragt. Die balletttänzelnden Trolle machen sich auf die Suche und werden auch schnell fündig. Der kleine Kai (Simon Jensen), der mit seiner Schwester Gerda auf die Ankunft des Weihnachtsmannes wartet, passt perfekt. Der unschuldige blonde Jüngling ist ganz nach ihrem Geschmack. Doch freiwillig werde er sicher das gemütliche irdische Leben nicht gegen einen Platz im eisigen Land der Schneekönigin eintauschen, wissen die Trolle. Mit einem Zauberspiegel wollen sie das Herz des kleinen Kai einfrieren und seinen Charakter wandeln.

Doch ihr Plan geht nicht ganz auf. Wie immer bei Inszenierungen Peter Dehlers bekommt der Weihnachtsmann einen Platz. So auch in dieser Variation der Schneekönigin. Die Trolle verzaubern aus Versehen den so genannten W-Mann, gespielt von Jochen Fahr. Ungewollt mutiert der Rauschebart zum polternden Rüpel und nimmt nicht nur weihnachtliche Traditionen aufs Korn, sondern verteilt auch Rutenschläge und dichtet bekannte Weihnachtslieder um. Den kleinen Zuschauern gefällt es. Aus den viel besungenen Blättern des Weihnachtsbaums werden kurzerhand Nadeln. Und statt Geschenke zu verteilen, hat der W-Mann nur noch ein Ziel: das Land der Schneekönigin. Er hält sich plötzlich für ihren Sohn und zieht gen Norden. Doch den alten Mann will die Königin nicht.

Die Trolle lösen auch dieses Problem und schaffen ihr Kai herbei. Per Zauberspiegel vergisst er alles bisher Geliebte, selbst seine Schwester Gerda. Allein eine herzliche Umarmung könnte ihn retten. Doch dazu müsste sie ihren Bruder erst einmal wiederfinden.

Zusammen mit dem wieder entzauberten W-Mann, Rentier Rudi und einer Handvoll räuberischer Märchenfiguren aus dem Grimmschen Fundus gelangt sie ins Land der Schneekönigin. Und wie sollte es bei einem Weihnachtsmärchen anders sein: Am Ende wird alles wieder gut.

Die böse Absicht und das kalte Herz der Schneekönigin werden vom Singen und Tanzen der Schauspieler scheinbar verdeckt. Die kleinen Zuschauer nehmen ihr die bösen Absichten nicht übel. „Am besten hat mir die Schneekönigin gefallen. Die war auch gar nicht gruselig“, sagt der fünfjährige Matthis. Bei Isabell (8) schneidet die glitzernde Dame auch sehr gut ab: „Sie ist gar nicht böse. Sie wünscht sich doch nur eine Familie. Und sie hatte ein wunderschönes Kleid an.“ Schöner kann ein Lob für die Kostümbildnerin Susanne Richter wohl nicht sein. „Besonders witzig war auch der Weihnachtsmann, der war ganz anders als sonst“, ergänzte die kleine Isabell, die sich mit ihrer Oma am Sonnabend auf den Weg ins Theater gemacht hatte.

Bei so viel winterlichem Glanz und schönen Melodien blieben die Kinderaugen trocken und die Einstimmung auf das bevorstehende Weihnachtsfest scheint geglückt. Wenngleich die ursprüngliche Schneekönigin mit allerhand Figuren aus anderen Märchen aufgepeppt wurde.

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