Ein echtes Schwergewicht

<strong>'Der Krebs ist weg',</strong> sagte Dieter Pfaff noch im Februar. Sein Tod kam deshalb für viele überraschend.<foto>dpa</foto>
"Der Krebs ist weg", sagte Dieter Pfaff noch im Februar. Sein Tod kam deshalb für viele überraschend.dpa

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06. März 2013, 07:01 Uhr

Er war das Schwergewicht unter den Charakterdarstellern: Der Fernsehschauspieler Dieter Pfaff ist tot. Der Titelheld der ARD-Serie "Der Dicke" starb am Dienstagmorgen zu Hause im Kreis seiner Familie in Hamburg, wie seine Agentin gestern bestätigte. Pfaff wurde 65 Jahre alt. Bei ihm war im Herbst 2012 Lungenkrebs festgestellt worden. Im Februar hatte er der "Bild am Sonntag" nach Chemotherapien und Bestrahlungen noch gesagt: "Der Krebs ist weg." Sein Tod kam deshalb für viele überraschend. "Ich habe damit überhaupt nicht gerechnet", sagte seine Agentin.

Nach ihren Angaben wollte Pfaff in wenigen Wochen Szenen für die fünfte Staffel der Reihe "Der Dicke" drehen, in der er als schlitzohriger Anwalt für Gerechtigkeit kämpfte. Zuletzt habe Pfaff für das Erste im Sommer 2012 als unkonventioneller Psychotherapeut "Bloch" vor der Kamera gestanden. Die Folge mit dem Titel "Die Lavendelkönigin" läuft am 24. April im Ersten.

In Erinnerung an den Schauspieler kündigten mehrere Sender Programmänderungen an und zeigen Wiederholungen beliebter Streifen mit Pfaff. Das Erste bringt heute Abend (21.45 Uhr) ein "Beckmann spezial" mit Ausschnitten und Gesprächen mit Pfaff aus den Jahren 2003 und 2007.

Schauspiel-Kollegin Ulrike Krumbiegel, die mit Pfaff für "Bloch" zusammenarbeitete, sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung": "Die Arbeit mit Dieter hatte etwas Familiäres: Wir führten zehn Jahre lang eine liebevolle Fernseh-Ehe." Sie habe an Pfaff bewundert, dass er sein Privatleben so stabil halten konnte, wie es nicht vielen in der Branche gelinge. Der Mime hinterlässt seine Frau und erwachsene Zwillinge.

Der ARD-Vorsitzende Lutz Marmor würdigte den Schauspieler als "wahrhaftig, beharrlich, einfühlsam und von einzigartiger Präsenz". ZDF-Fernsehspielchef Reinhold Elschot erklärte in Mainz: "Dieter Pfaff war ein Volksschauspieler erster Güte, das Publikum und wir werden ihn sehr vermissen."

Für Regisseur Michael Verhoeven (74) war Pfaff der deutsche Orson Welles. "Was mir an Welles imponiert hat, war sein ungeheuerer Humor. Und den hatte Dieter Pfaff auch. Der hatte einen großartigen Humor, war sehr charmant", sagte Verhoeven in München.

Die Dreharbeiten für die fünfte Staffel von "Der Dicke" hatten Mitte Februar begonnen - allerdings ohne Pfaff. "Der sollte im April dazukommen", sagte eine ARD-Sprecherin. Herbert Knaup übernahm in den Geschichten die Rolle eines neuen Anwalts, der in die Kanzlei von Pfaff eintritt. Nach Angaben des NDR sollen die ersten sechs Folgen wie geplant fertiggestellt werden. Wie es danach weitergeht mit der Serie, ist noch offen.

Nach einem abgebrochenen Lehramtsstudium hatte der gebürtige Dortmunder Dieter Pfaff zunächst als Dramaturg, Autor und Regisseur beim Theater gearbeitet. Als dem Sohn eines Polizeibeamten der endgültige Durchbruch gelang, war er fast 50. In seinen Rollen zeichnete er sensible Menschenporträts. Zum Publikumsliebling wurde der schwergewichtige Schauspieler auch mit der ZDF-Krimireihe "Sperling" oder als Franziskanermönch in der RTL-Serie "Bruder Esel".

1996 erhielt er für seine Rolle als Kriminaloberrat Vollmer in der Serie "Balko" den Adolf-Grimme-Preis, 1997 gewann er den Grimme-Preis noch einmal für "Bruder Esel". Pfaffs allzu früher Tod sei ein schwerer Verlust für die Schauspielbranche, sagte Ulrich Spies, Leiter des Referats Grimme-Preis.

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