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Ein bewegtes Künstlerleben

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Als ich Fritz Eisel vor wenigen Wochen in Langen Brütz besuchte, stand Abschied im Raum, hatte ihn der Krebs bereits fest an das Bett gefesselt. Aber er ließ keine Traurigkeit aufkommen, sondern bescherte uns eine heiter- besinnliche Stunde, die die berührende Zerbrechlichkeit seiner einst so stattlichen Gestalt fast vergessen ließ. Frau Christa, Gefährtin seines bewegten Künstlerlebens, stand ihm auch an diesem Tag zur Seite. So kannten ihn viele, und so blieb er sich bis zuletzt treu: Er war ein interessierter, streitbarer, nicht immer bequemer Zeitgenosse mit humanistischer Gesinnung, ein Künstler mit Charakter. Am 19. September ist er gestorben. Die Seebestattung findet im engsten Kreis der Familie statt.

Wer zählt die Bilder in den Wohnzimmern, wer kennt seine zahlreichen Werke in Museen und Institutionen? Dem unermüdlichen Maler war die künstlerische Auseinandersetzung, der immer wieder erregende Schaffensprozess im Umgang mit Linien und Farben, Lebensnotwendigkeit. So entstand ein malerisches Werk, das sowohl figürliche Arbeiten als auch Stillleben und vor allem Landschaften umfasst. Immer wieder faszinieren die ästhetische Ausgewogenheit von Farben und Formen, die Einfachheit, Fritz Eisels malerische Kultur.

Nach gründlicher Ausbildung in Weimar, Dresden und Leningrad, war der am 27. März 1929 in Lauterbach/ Hessen geborene Fritz Eisel seit 1957 als freiberuflicher Maler tätig. Seiner Berufung als Dozent an die Hochschule für Bildende Künste Dresden im Jahre 1970 folgte 1973 die Professur und von 1975- 1979 das Rektorat. Zahlreiche Reisen ins Ausland, besonders nach Vietnam, in die Mongolei oder Indien schärften seinen Blick für Landschaften und Menschen fremder Kulturen. Auszeichnungen und Ausstellungen zeugen von der hohen Wertschätzung, die er genoss. 1982 zog sich Fritz Eisel nach Langen Brütz in die Nähe von Schwerin zurück. Es war die Weite der Landschaft, die freie Sicht, die es ihm angetan hatten. Gerne gab er Erfahrungen an Schüler weiter, so an der Fachschule für Angewandte Kunst in Heiligendamm. Seine wohl letzte große Ausstellung hatte er 1989 im Staatlichen Museum Schwerin. Dort befindet sich eine Reihe seiner Werke. In den Jahren nach 1990 wurde es stiller um den agilen Maler, obwohl der aufmerksame Kunstinteressierte seinen Arbeiten in unterschiedlichsten Galerien begegnen konnte. Lebenserfahrungen und vielleicht auch Enttäuschungen ließen ihn den offiziellen Kunstbetrieb meiden. Mit ungebrochener schöpferischer Kraft führte er dennoch sein Werk weiter, inspiriert durch die ihn umgebende Landschaft und ihre Menschen. Bei aller Bindung an seine Wahlheimat Mecklenburg hat sich Fritz Eisel nie als regionaler Künstler verstanden, sondern als Maler der Gegenwart. Mit seinem Tod haben wir einen besonders reichen Klang in der ästhetischen Welt der Farben verloren.

Lisa Jürß war Stellvertretende Direktorin des Staatlichen Museums Schwerin und lange Jahre mit Fritz Eisel verbunden.

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erstellt am 24.Sep.2010 | 12:07 Uhr

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