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Hans Fallada : „Ein Autor und sein Verleger“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Fallada-Tage in Carwitz beleuchten Dichter-Verleger-Verhältnis

Das Verhältnis des Schriftstellers Hans Fallada (1893-1947) zu seinem Verleger Ernst Rowohlt (1887-1960) wird bei den 25. Hans-Fallada-Tagen in Carwitz (Mecklenburgische Seenplatte) näher beleuchtet. Wie der Leiter des Fallada-Museums Stefan Knüppel sagte, stellt die Stralsunderin Sabine Koburger zum Auftakt am 24. Juli erstmals ihre mehr als 600 Seiten starke Dissertation „Ein Autor und sein Verleger“ dazu vor. Weitere Höhepunkte der Fallada-Tage seien Lesungen mit den Autoren Thomas Melle, Horst Bosetzky und Verleger Elmar Faber. Erstmals soll es ein Rockkonzert mit Bertolt-Brecht-Programm der Band Emma geben. In Carwitz bei Feldberg lebte Fallada von 1933 bis 1945.

Für ihre Doktorarbeit wertete Koburger unter anderem den umfangreichen Briefwechsel zwischen dem Dichter und seinem Verleger aus, sagte Knüppel. Zudem rekonstruiert die pensionierte Deutschlehrerin, wie Fallada und Rowohlt damals Marketing organisierten. Das Verhältnis der beiden, aus dem eine Freundschaft erwuchs, war nach Angaben des Münchner Belleville Verlages besonderen Belastungsproben ausgesetzt, wozu Falladas Suchtprobleme, Wirtschaftsprobleme des Verlages in der Zwischenkriegszeit und das Aufkommen des Nationalsozialismus gehörten.

Der in Berlin lebende Melle werde aus seinem sozialkritischen Roman „3000 Euro“ lesen, erklärte Knüppel. Mit dem Buch war der mehrfach ausgezeichnete Autor auch auf die Shortlist zum Deutschen Buchpreis 2014 gelangt. „Melles Schreibweise erinnert an die Erzählkunst Falladas“, sagte Knüppel. Der Berliner Autor und Soziologe Bosetzky stellt seinen dokumentarischen Roman „Der Teufel von Köpenick“ vor.

Dabei habe Bosetzky den authentischen Fall eines geistig Behinderten aufgegriffen, der 1943 als angeblicher Frauenmörder unschuldig in die Fänge der NS-Justiz gerät. Faber, der lange Jahre im Aufbau-Verlag arbeitete, lese aus „Verloren im Paradies – Ein Verlegerleben“.

In Carwitz wird traditionell um den 21. Juli - dem Fallada-Geburtstag - an dessen Wirken erinnert. Der Dichter, der bürgerlich Rudolf Ditzen hieß, wird zu den wichtigsten sozialkritischen Autoren seiner Zeit gezählt. In Carwitz, wo er von 1933 bis 1945 mit Familie lebte, erinnert ein Museum daran. Als Falladas Hauptwerke gelten „Kleiner Mann - was nun?“, „Jeder stirbt für sich allein“ und die „Geschichten aus der Murkelei“. Er starb 1947 in Berlin.

Bis Sonntag sind auch eine Filmnacht, ein literarischer Spaziergang und eine Festveranstaltung für den jüdischen Komponisten und Leiter der Königlichen Hochschule für Musik Berlin, Robert Kahn (1865-1951), geplant. Kahn lebte, bis er 1939 wegen der Nationalsozialisten nach England flüchtete, lange Jahre in Feldberg. Die Fallada-Gesellschaft wächst nach eigenen Angaben seit zehn Jahren und hat 250 Mitglieder.

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