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Echt oder nicht echt?

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erstellt am 10.Jun.2010 | 08:15 Uhr

Schwerin | Postume Güsse von Barlach-Plastiken tauchen derzeit vermehrt im Kunsthandel auf. Von echten Arbeiten des Meisters aus Güstrow sind sie nur von Fachleuten zu unterscheiden. Ebenso ergeht es Plastiken Hans Arps oder Modiglianis. Regelmäßig erschüttern Skandale um fälschlicherweise als echt deklarierte Meisterwerke den Kunstbetrieb. Dass in der derzeit laufenden Frida Kahlo-Retrospektive in Berlin nur authentische Werke zu sehen sein sollen, grenzt fast an ein Wunder. Denn in Mexiko versuchen ganze Fälscherbanden, am Kunstmarkt-Boom um Frida Kahlo mitzuverdienen. In der Altstadt von Hanoi gibt es Straßen, in denen begabte Maler die Meisterwerke der Kunstgeschichte kopieren. Ein paar Sonnenblumen von van Gogh gefällig? Kein Problem. Können Sie übermorgen abholen.

Was heute fast unverfroren erscheint, war früher allgemeine Praxis. Die Geschichte des Fälschens ist so alt wie die Geschichte der Kunst selbst. Meisterliches Kopieren war als Kunst anerkannt. Kein Geringerer als Michelangelo begründete seinen Ruhm auch auf dieser Gabe.

Wie unterscheidet sich Original von der Kopie?

Vom Fälschen in der Kunst spricht man erst seit dem 19. Jahrhundert, mit Beginn eines modernen, bürgerlichen Kunstverständnisses, das Kunst nicht zuletzt als Wertanlage erkannte. Mit dem Marktwert von Kunst bekamen natürlich auch Begriffe wie Original und Kopie einen neuen Stellenwert. Wer viel Geld für ein Gemälde ausgegeben hatte, wollte sich natürlich nicht mit einer Kopie zufrieden geben - und war sie auch noch so gut gemacht.

Während früher handwerkliche Fähigkeiten im Vordergrund standen, rückte nun die Bedeutung des Urhebers und seines geistigen Eigentums in den Vordergrund. Die Frage "Was ist echte Kunst?" wurde zu einem Streitfall für Juristen, für Kunstwissenschaftler und die Künstler selbst.

Genau diesen Fragen um den "ästhetischen Status" von Original, Kopie und Fälschung" geht am Sonntag eine öffentliche Tagung im Staatlichen Museum Schwerin nach. Unter dem Titel "Echte Kunst?" werden renommierte Kunstwissenschaftler und Philosophen in Vorträgen diskutieren, warum wir eigentlich immer das Original besitzen oder betrachten wollen. Würde eine perfekte Nachbildung nicht genauso unseren Ansprüchen genügen? Zumal Otto-Normal-Museumsbesucher kaum eine Kopie vom Original unterscheiden kann. Abgesehen davon: Was sind überhaupt die wesentlichen Eigenschaften eines Kunstwerks, die es von seiner Kopie oder Fälschung unterscheiden? Was hat es, was selbst die beste Kopie nicht besitzt?

Die Tagung in Schwerin ist Teil einer Veranstaltungsreihe der Kulturstiftung des Bundes, die 2009/10 in Nürnberg begann, in Hannover fortgesetzt wurde und nach Schwerin 2011 in München und Bonn abgeschlossen wird.

Das Staatliche Museum mit seiner Sammlung europäischer Kunst des 16. Jahrhunderts bis in die Gegenwart bietet reiche Bezüge für die Diskussion von Fragen um die Echtheit von Kunst - nicht zuletzt auch im Zusammenhang mit der einzigartigen Sammlung von Werken Marcel Duchamps, der den "Kult der Echtheit" kritisierte und mit vielen seiner Arbeiten den traditionellen Originalitätsbegriff aufhob.

Tagung "Echte Kunst? Zum ästhetischen Status von Original, Kopie und Fälschung"

Staatliches Museum Schwerin, Sonntag, 13. Juni 2010, 10 bis 18.45 Uhr

Eintritt frei

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