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Umstrittene Ausstellung in Schwerin : Dildo, Rakete und Till Lindemann

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Werke vom Rammstein-Sänger in Schwerin ausgestellt. Berliner Fresh-Eggs-Gallery ab kommenden Jahr im Marstall

Eine niedliche weiße Keramikkatze. Ihre Knopfaugen weit geöffnet. Im Mund eine Rasierklinge. Daneben ein Dildo. Kunstblut. Die aktuelle Ausstellung der Fresh-Eggs-Gallery Berlin in der Sport- und Kongresshalle in Schwerin ist nichts für schwache Nerven. Sie zeigt Skulpturen und handgeschriebene Gedichte von Till Lindemann, dem Sänger der Band Rammstein. Es gehe um Liebe, Sex, Kastrationsängste und erotische Fantasien, sagt der Gallerist Stephan Schrör. Für ihn ist die Exposition ein Experiment und Schwerin ein Abenteuer.

Es dürfte eine Ausstellung sein, wie sie viele Mecklenburger nicht gewöhnt sind. Phallussymbole – überall, Puppen in Einweggläsern, ausgestopfte Mäuse und präparierte Schlangen. Dazu erotische Illustrationen des Buches „In stillen Nächten“ vom Künstler Matthias Matthies. Und dennoch gehört die Ausstellung irgendwie genau hierher. Warum? Lindemann, Matthies und Schrör – sie alle sind in Mecklenburg-Vorpommern aufgewachsen. Hier haben sie ihre Schaffensphase begonnen. Hier begann ihre Freundschaft.

„Ich habe keine Ahnung, wie die Ausstellung ankommt und wie viele Menschen kommen werden. Es ist ein Test“, sagt Schrör. Auch deshalb gehe sie insgesamt nur drei Tage – genau bis zum Auftritt der Feuerengel am 19. Dezember, der offiziellen Coverband von Rammstein. Die Ausstellung sei quasi ein Vorgeschmack, ein Appetithappen. Denn Schrör hat Größeres vor.

Ab kommendem Jahr will er mit seiner Fresh-Eggs-Gallery für ein halbes Jahr im Marstall in Schwerin ausstellen. „Geplant ist alles. Nur der Vertrag muss noch unterschrieben werden“, erzählt er. Am 30. Januar könnte die Testrakete starten – wörtlich genommen. „Testrakete 2.0“ ist der Name der Ausstellung. In den kommenden Monaten dann dürften sich die Besucher auf Künstler aus Polen, Mexiko, Berlin und anderen Ecken der Welt freuen – und natürlich auf mehr Werke von Till Lindemann.

Bei seinen Skulpturen handelt es sich um sogenannte Ready-mades. Das sind Alltagsgegenstände, die so zusammengefügt sind, dass sie etwas Neues darstellen. „Seine Kunst bedarf keines erklärenden Moments“, meint Schrör. Die meisten von Lindemanns Werken haben keinen Titel. Der Künstler liefert keine Erklärungen. Auch Schrör hätte es lieber, wenn der Besucher die Exponate selbst ergründet, eigene Interpretationen findet – „und sei es nur, dass er ein warmes Gefühl bekommt“, meint Schrör. Er selbst hat seine eigene Sicht auf die Dinge. Die Tafeln mit Dildos statt Hirschgeweihen versteht er beispielsweise als Trophäen der Band-Groupies.

Wer nicht bis kommendes Jahr warten will, sollte sich beeilen. Schon morgen endet die Ausstellung. Insgesamt werden etwa 60 verschiedene Kunstwerke mit Preisen zwischen 150 bis 6 000 Euro gezeigt.

 

Öffnungszeiten

Sport- und Kongresshalle Schwerin:
am heutigen Freitag 10 Uhr – 18 Uhr
Samstag: 10 Uhr – 17 Uhr, ab 18  Uhr nur mit gültiger Eintrittskarte für das Konzert von Feuerengel

 

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