Mauerfall-Themenabend : Die Nacht der Entscheidungen

Am Grenzübergang „Bornholmer Straße“ steht Oberstleutnant Jäger (Charly Hübner) vor einer schweren Entscheidung (am Mittwoch um 20.15 Uhr im Ersten).
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Am Grenzübergang „Bornholmer Straße“ steht Oberstleutnant Jäger (Charly Hübner) vor einer schweren Entscheidung (am Mittwoch um 20.15 Uhr im Ersten).

ARD mit Themenabend zum Mauerfall-Jubiläum – Charly Hübner spielt im TV-Drama „Bornholmer Straße“ den Grenzöffner

Im Grund beruhte die Mitteilung auf einem Missverständnis. Als Günter Schabowski am 9. November 1989 die Presseerklärung verlas, war er nicht genau informiert. Auf die Nachfrage eines Journalisten, wann denn die neue Reiseregelung in Kraft trete, antwortete er: „Das trifft nach meiner Kenntnis – das ist sofort, unverzüglich...“

Einige neugierige Ostberliner machten sich spät abends auf den Weg zum Grenzübergang. Der Rest ist Geschichte. 25 Jahre nach dem Mauerfall erscheint das Geschehen von damals immer noch wie ein Wunder.

Die ARD widmet dem 25. Jahrestag des Mauerfalls heute abends einen Themenabend: Um 20.15 Uhr wird der Film „Bornholmer Straße“ gesendet, danach beweist die Dokumentation „Die Nacht des Mauerfalls“, wie die „ganz normalen Ost-berliner“ sich verhielten. Sie wollten in jener Nacht nur mal eben schauen, wie es auf der anderen Seite aussieht. Ein Bürgerrechtler, den die Grenzer als einen der Ersten durchließen, erzählt, wie sein Personalausweis „ungültig gestempelt“ wurde, um ihn auszubürgern.

Aber die Geschichte des Mannes, der an der Bornholmer Straße den Schlagbaum öffnete, wurde noch nicht erzählt. Harald Jäger heißt er im wirklichen Leben – er war Oberstleutnant und hatte am 9. November 1989 eine Entscheidung getroffen.

Der Film „Bornholmer Straße“, eine Tragikomödie, zeichnet liebevoll und mit skurrilem Humor die Nöte des Grenzsoldaten Jäger nach. Ein Mann, der in „seiner Grenze“ einen Sinn sah, der sie bewacht hat, damit sein Land, die DDR, nicht „ausgeblutet“ wird.

Regisseur Christian Schwochow hat das Drehbuch, das seine Eltern Heide und Rainer Schwochow geschrieben haben, klug umgesetzt. Er bleibt seinen Figuren stets treu und inszenierte mit Witz und Sinn für die Widersprüche jener Stunden.

Der Film beginnt damit, dass Harald Schäfer, Leiter des Grenzübergangs Bornholmer Straße, in der Kantine durch eine Fernsehübertragung von der Reisereglung erfährt. Schäfer ist befremdet, er fragt sich, was aus Schabowskis Mitteilung folgt. Als diensthabender Oberleutnant braucht Schäfer Anweisungen für die weiteren Grenzkontrollen.

Doch während sich immer mehr Ausreisewillige vor dem Schlagbaum sammeln, tauchen sämtliche Vorgesetzte Schäfers und sogar die zuständigen Ministerien ab. Schäfer erhält keine Antworten. Die Situation macht ihm Angst. Als die Stimmung am Schlagbaum in einen Gewaltausbruch zu eskalieren droht, befiehlt Schäfer auf eigene Faust, den Grenzübergang zu öffnen.

Charly Hübner spielt den Oberstleutnant. Der Schauspieler, 1972 in Neustrelitz geboren, war lange Zeit einer der stillen deutschen Stars, doch die Rolle des Kriminalhauptkommissars Buckow im „Polizeiruf 110“ hat ihm zu einem Imagewechsel verholfen, immer öfter wird er mit dem Raubein Schimanski verglichen. Hübner verkörpert Buckow mit sympathischer Grobheit. „Irgendwie hat es mich gefreut, dass die Leute sich vor allem an Buckow reiben. Ich finde es super, wenn sie ihn als Kotzbrocken empfinden. Bei meiner Mutter haben sich andererseits schon Leute beschwert, dass Kommissarin König immer so streng mit ihm ist“, erzählt Hübner.

Nun spielt er einen Grenzsoldaten. Er erinnert sich, dass er vom Mauerfall erst am nächsten Tag gehört hatte. „Es wurde spät, und wir haben den Fall der Mauer schlichtweg versoffen“, sagte Hübner. Grund war eine Faschingsparty, die er mit Freunden für den 11. November geplant hatte. Am 9. November war Generalprobe, bei der reichlich Bier konsumiert wurde.

Mit der Wiedervereinigung hatte der Schauspieler zunächst Schwierigkeiten. „Der 3. Oktober war für mich kein Tag der Freude. Ich fand, das war zu früh.“ Er habe damals von einem „dritten Weg“ geträumt, von wahrer Demokratie und Gerechtigkeit.



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