JVA Bützow : Die letzte Klappe fällt im Knast

Drehort Bützow: Die Verantwortlichen der JVA hatte die Anfrage für die Arbeiten dort bekommen und ist froh, das Team zu sich geholt zu haben.
Foto:
1 von 2
Drehort Bützow: Die Verantwortlichen der JVA hatte die Anfrage für die Arbeiten dort bekommen und ist froh, das Team zu sich geholt zu haben.

Ungewöhnlicher Drehort: ARD-Fernsehfilm „Ein Usedom-Krimi – Mörderhus“ mit Katrin Sass wurde gestern in der JVA Bützow abgedreht

svz.de von
06. März 2014, 11:58 Uhr

Langsam geht die große eiserne Schiebetür der Justizvollzugsanstalt Bützow auf. Eine kleine Frau mit kurzen dunklen Haaren kommt aus dem Knast. Beim Näherkommen ist ein bekanntes Gesicht zu erkennen: Katrin Sass, bekannt aus Kino- und Fernsehfilmen wie „Bis daß der Tod euch scheidet“, „Bürgschaft für ein Jahr“ (Silberner Bär 1982) oder „Good Bye, Lenin!“. Zuletzt wurde die geborene Schwerinerin in der mehrfach ausgezeichneten Fernsehserie „Weissensee“ gefeiert.

In der einen Hand hat die Frau eine große Reisetasche, mit der anderen hält sie eine Zigarette. Ein Mann in Lederjacke und mit einem Blumenstrauß in der Hand geht langsam auf sie zu. Eine junge Frau steigt aus einem anderen Auto und geht ebenfalls auf das Gefängnis zu. Ein seltsames Bild, „denn eigentlich dürfen durch diese Tür keine Häftlinge gehen und von dieser Seite der Anstalt abgeholt werden“, erklärt Jens Kötz, Sprecher der JVA Bützow.

Der Mann schenkt der entlassenen Frau die Blumen und beginnt mit ihr ein Gespräch. Die jüngere Frau bleibt auf Distanz und unterhält sich mit beiden. „Halt, stopp!“, ruft jemand von hinten. Die Drei drehen sich verdutzt um. „Wir fangen nochmal an. Dieses Mal aus einem anderen Blickwinkel“, sagt Oliver Stück, einer der Produktionsassistenten in ein Walki-Talki. Die Dreh-Sequenz ist vorbei. Katrin Sass geht zurück in die Haftanstalt, die anderen beiden zu ihren Autos.

Gedreht wurde gestern auf dem Parkplatz und in der JVA Bützow ein Teil des Filmes „Ein Usedom-Krimi – Mörderhus“. „Der Film spielt hauptsächlich auf der Insel Usedom, zu einem Teil im polnischen Swinemünde. Für Bützow ist nur ein Drehtag angesetzt“, sagt Markus Kadel. Die Szenen hier sind zwar die letzten der gesamten Dreharbeiten, aber im Film stehen sie ganz am Anfang.

Die Figur der Karin Lossow, die von Katrin Sass verkörpert wird, kommt also geradewegs aus dem Gefängnis und wird von ihrer Tochter Julia, gespielt von Lisa Maria Potthoff, abgeholt. „Und genau das drehen wir heute“, erklärt Oliver Stück.

Die beklemmende Umgebung scheint auch die Stimmung von Hauptdarstellerin Katrin Sass zu trüben: „Es ist komisch, hier zu stehen und zu drehen, schließlich weiß man doch, wer zu DDR-Zeiten hier einsaß. Die Leute, die den Mund aufgemacht haben“, sagt sie kurz und knapp und eilt sofort zu einem Produktionsassistenten.

In dem Film spielt Sass eine Mörderin, die nach der Haftentlassung in ihr Haus auf die Insel Usedom zurückkehrt, ins „Mörderhus“, wie die Einheimischen sagen. Dort hatte Karin im Affekt ihren Mann erschossen – weil er sie wegen einer Jüngeren verlassen wollte. Die Insulaner und ihre Tochter Julia begegnen Karin mit Ablehnung. Julia muss als Hauptkommissarin den Tod eines ertrunkenen Mannes aufklären. Karin kennt dessen Vater und kommt auf eine sehr gefährliche Idee…

„Für die Mitarbeiter und die Häftlinge der JVA ist so ein Tag wie heute ein besonderes Erlebnis“, sagt Sprecher Kötz. Die Anstalt war bereits Drehort für den Film „Underdogs“ aus dem Jahr 2007. „Es ist für uns eine tolle Sache, wenn wir für ein solches Projekt ausgewählt werden, nicht zuletzt finanziell“, so Kötz.

Produziert wird der Film von Polyphon Film und Fernsehgesellschaft mbH im Auftrag des NDR und der ARD Degeto für Das Erste. Der Film wird voraussichtlich im Herbst 2014 im Ersten ausgestrahlt und bildet den Auftakt für eine mehrteilige Fernsehfilm-Reihe.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen