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Die Jury hatte feuchte Augen

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Neubrandenburg | Es war der Film auf der DVD Nummer 244, nach dem Jurymitglied Jörg Foth erst einmal tief Luft holen musste. 243 Streifen hatte die Jury des Filmfestivals "dokART" in schon gesichtet, längere und kürzere. Dann startete der kurze Film "Dancing Auschwitz", der berührende Siegestanz des heute 89-jährigen Auschwitz-Überlebenden Adolek Kohn vor der Kulisse des Konzentrationslagers. Die mit fünf Experten besetzte Jury entschied in seltener Einmütigkeit, diesen Streifen als Wettbewerbsbeitrag für die 19. dokART zuzulassen, die im Oktober zeitgleich in Neubrandenburg und Szczecin stattfinde.

"Diese fünf Minuten und 24 Sekunden hauten einen um", gesteht Foth, selbst Filmemacher und seit vielen Jahren Mitglied der Auswahlkommission für das deutsch-polnische Dokumentarfilmfest. "Da war zunächst die Reihe von jungen Personen, die ihre Tücher vom Kopf nahmen vor einem Schauplatz, der stille Erinnerung gemahnt. Dann setzte die Musik ein, die Personen begannen zu tanzen. Da begann in mir ein Wechselbad der Gefühle - bis zu feuchten Augen des Triumphs." Der Film beginne eigentlich unscheinbar, wie ein Familienvideo vom Wochenende, sagt Foth. "Er verliert aber schnell seine Privatheit und wird zu einem Sieg des Überlebenden des Holocaust und der nachfolgenden Generationen." Foth nahm Kontakt auf zur Produzentin Jane Korman. Sie ist die Tochter von Kohn und war mit ihm und den Enkeln aus Australien nach Europa geflogen, um den Film zu drehen.

Erst nach dem Einreichen als Festivalbeitrag stellt Jane Korman das Video auf Youtube, es wurde zum Hit. Es gab Kritik, die Ehre der Toten werde verletzt, aber viel mehr Zustimmung. Und es gab auch die harten Bandagen des Plattenkonzerns Universal Music Studio von Gloria Gaynor, zu deren Hit "I will survive" Kohn und seine Enkel tanzen. Der Liedtitel sei die Botschaft, die der Film habe, sagte Jane Korman später. Die üblichen Bilder, die spätere Generationen über den Holocaust sähen, stumpften ab. "Ich wollte etwas schaffen, um sie wieder zu sensibilisieren, um zum Nachdenken anzuregen", sagte Korman. Jörg Foth überbrachte die Botschaft an die australisch-israelische Regisseurin Jane Korman, dass ihr Film es in den Wettbewerb geschafft hatte. Sie habe sich sehr gefreut, sagt er.

Es sei der erste Film, den sie überhaupt jemals für ein Festival eingereicht habe, sagt Jane Korman. Auf die dokART sei sie im Internet gestoßen und habe sich beworben, weil es ein deutsch-polnisches Festival sei. "Ich glaube, dass der Film besonders wichtig ist für Deutsche und Polen, für ihre Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft", sagt Korman, die im Oktober mit ihrer Tocher Yasmin, die beim Dreh mitgetanzt hat, nach Neubrandenburg kommen will.

Auf der dokumentART läuft "Dancing Auschwitz" im Wettbewerbsblock drei am 10. Oktober um 20 Uhr, mit oder ohne Musik, wenn bis dahin der Streit mit Gaynors Plattenkonzern noch nicht beigelegt sein sollte.

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erstellt am 21.Sep.2010 | 08:07 Uhr

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