Die große Trickkiste der DDR

Fast tausend Trickfilme verwaltet André Eckardt als Geschäftsführer des Deutschen Institutes für Animationsfilm (DIAF)  in Dresden. Dazu kommen noch zahllose Originalfiguren und Requisiten der Sendungen, die noch heute Kult sind. dpa
Fast tausend Trickfilme verwaltet André Eckardt als Geschäftsführer des Deutschen Institutes für Animationsfilm (DIAF) in Dresden. Dazu kommen noch zahllose Originalfiguren und Requisiten der Sendungen, die noch heute Kult sind. dpa

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15. Mai 2012, 06:46 Uhr

Dresden | 11 Grad Celsius und 40 Prozent Luftfeuchtigkeit - das Klima im Archiv des Deutschen Institutes für Animationsfilm (DIAF) in Dresden wirkt auf den ersten Blick kühl. Hier lagern unter konservatorisch guten Bedingungen rund 2000 Filmkopien, Requisiten, Entwürfe und Puppen, von denen viele in Ostdeutschland Kultstatus besaßen. Zum Beispiel Teddy Brumm und der legendäre Theo, der Mann für alle Fälle im Arbeitsschutz, sowie viele Märchenfiguren aus dem Abendgruß des Sandmännchens. Beim Film hat die DDR meisterlich getrickst. Die Produktionen aus dem Defa-Studio für Trickfilme in Dresden waren weltweit begehrt.

Mehr als 20 Jahre danach fristen viele der damaligen Bildschirm-Helden ein museales Dasein. Das 1993 gegründete DIAF hat ihnen im Keller der Technischen Sammlungen Dresden Obdach gewährt. Weiter oben widmen sich Dauer- und Sonderausstellungen den DDR-Hinterlassenschaften des Animationsfilms sowie anderen ausgewählten Themen. Derzeit ist jede Menge Knete zu sehen - eine internationale Schau zur zeitgenössischen Kunst der Knetanimation. Doch der Fokus reicht weiter. Seine zentrale Aufgabe sieht das Institut in der Pflege und Förderung des deutschen Animationsfilmes - in Ost und West.

Inzwischen landen immer mehr Nachlässe aus dem Westen in Dresden. Selbst ein Werbefilm der West-CDU aus den 1950er-Jahren ist im Bestand. Kürzlich erhielt das Institut etwa 500 Originalzeichnungen aus Filmen von Andreas Hykade - mehrfacher Gewinner des Deutschen Kurzfilmpreises. Der Hauptteil stammt jedoch aus dem früheren Defa-Studio für Trickfilme Dresden. "Die Geschlossenheit der Sammlung macht sie einmalig", sagt Mitarbeiterin Ines Seifert. Oben in der Ausstellung hat sie ältere Besucher mit ihren Enkeln beobachtet. Mit dem Sandmann oder auch dem Gesundheitsmännchen Kundi wurden im Osten Generationen groß.

"Wir möchten hier kein Defa-Mausoleum errichten", stellt DIAF- Geschäftsführer André Eckardt klar und verweist auf eine geplante Ausstellung zum Zeichentrickfilm in den 1930er- und 1940er-Jahren. Für das kürzlich in Stuttgart gelaufene Internationale Trickfilm-Festival hat das Institut Material von Filmemachern geliefert. Früher galt München als Zentrum des westdeutschen Animationsfilmes. Heute sieht Eckardt im Dreieck Berlin/Potsdam- Hamburg-Stuttgart das deutsche Hollywood für diese Sparte. Dresden stelle quasi das Archiv.

Eckardt nimmt in der Branche eine Rückbesinnung wahr. Während in den 1990er-Jahren die reine Computeranimation als Modell für die Zukunft galt, kommt es heute zu Mischformen mit klassischen Tricktechniken. Manche Regisseure bauen ihre Figuren zunächst im Original, um ihnen dann am PC digital Leben einzuhauchen. "Die wollen die Puppen erstmal in der Hand haben, wissen, wie sie von hinten aussehen, bevor es an die 3-D-Animation geht", erzählt Ines Seifert. Selbst im Zeitalter von Ice Age, Shrek und Nemo haben klassische Animationsfilme ihren Reiz offenbar nicht verloren.

"Früher wurden die Geschichten ganz anders erzählt, viel langsamer und ruhiger. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die Kinder heute mit diesem Modus gut zurechtkommen und die Filme keinesfalls langweilig finden", sagt Eckardt. Dass Animationsfilmer in Ost und West schon vor 1990 gedanklich die Mauern fallen ließen, gehört zu den schönen Fußnoten der Filmgeschichte. Studenten aus Kassel schauten im Dresdner DEFA-Studio - mit 250 Mitarbeitern damals zeitweilig Europas größter Trickfilm- Produzent - bereits zu DDR-Zeiten vorbei. Als 1992 die letzte Klappe für das Studio fiel, halfen auch viele Kollegen aus dem Westen, die Bestände für die Nachwelt zu sichern. Denn manche Puppen und Requisiten waren vorschnell im Müllcontainer gelandet.

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