Uecker-Museumsneubau Schwerin : Die geschenkte Million

Großbaustelle Museumshof: Die ersten Wände für den Anbau stehen bereits, nächstes Jahr soll er eingeweiht werden.
Großbaustelle Museumshof: Die ersten Wände für den Anbau stehen bereits, nächstes Jahr soll er eingeweiht werden.

Förderverein „Uecker in Schwerin: Neubau“ will der modernen Kunst ein neues Zuhause schaffen

23-11371792_23-66107978_1416392486.JPG von
05. Juni 2015, 20:45 Uhr

Die erste Million ist geschafft: Vor genau einem Jahr fiel in unserer Zeitung der Startschuss für eine bislang in MV beispiellose Aktion: Kultusminister Mathias Brodkorb, Finanzministerin Heike Polzin, die Vorsitzende des Fördervereins „Uecker in Schwerin: Neubau“, Kornelia von Berswordt-Wallrabe, und unsere Zeitung riefen gemeinsam zu einer Spendensammlung auf, um moderner Kunst ein neues Zuhause zu geben. Dafür soll das Staatliche Museum in Schwerin einen Anbau bekommen. Und die Initiative, die von den ehrenamtlich engagierten Kunstliebhabern ausgeht, trägt Früchte: Denn sie machen nicht nur Druck auf die Politik, sondern sammeln überaus erfolgreich Geld für das „Museum der Moderne“. Der aktuelle Spendenstand beläuft sich auf mehr als 1,2 Millionen Euro.

Doch warum dieser Kraftaufwand? Zeitgenössische Kunst ist in den Ausstellungsräumen des Staatlichen Museums in Schwerin Mangelware. Nur wenige Werke, etwa von Werner Reiterer, Pierre Granoux oder Jan Hendrikse werden gezeigt, von DDR-Malern sind es nicht mal fünf Bilder. „Eigentlich sind wir jedoch gut bestückt mit zeitgenössischer Kunst, aber das Meiste befindet sich in den Magazinen, weil wir nicht genug Platz haben“, sagt der Museumsdirektor, Dr. Dirk Blübaum.

Das wird sich aber bald ändern. Denn hinter dem Museum wächst zwischen der Museumsvilla mit dem Kupferstichkabinett und dem Direktorenhaus der neue Anbau, das „Museum der Moderne“, wie Blübaum es nennt. Mit 800 Quadratmetern Ausstellungsfläche auf zwei Etagen und Funktionsräumen im Keller würde es die Ausstellungsbedingungen erheblich verbessern.

„Wir planen eine Dauerausstellung mit Werken der Moderne, die den Bogen von der Klassische Moderne etwa mit Duchamp und Cage bis zur zeitgenössischen Kunst des 21. Jahrhunderts schlägt“, erläutert der Direktor. Diese soll in den Theaterflügel des Neubaus einziehen. Den Seeflügel würde er gern für wechselnde Ausstellungen nutzen.

Die Eröffnungsschau indes, mit der das Gebäude nächstes Jahr eingeweiht wird, soll Günther Uecker gewidmet werden. Denn der gebürtige Mecklenburger hat eine besondere Beziehung zum Schweriner Museum. Ein Förderverein trägt seinen Namen. Und das kam so: Das Land hatte 2013 die wertvolle Drautzburg-Sammlung günstig angekauft – insgesamt 13 Uecker-Objekte. Für eine ansprechende Präsentation indes fehlten geeignete Räumlichkeiten. Doch wenn das Schweriner Museum einen Anbau hätte?

Die Vorsitzende des Vereins der Museumsfreunde, Prof. Dr. Kornelia von Berswordt, die Uecker seit 1972 kennt und schon lange für einen Museumsanbau kämpft, und Kultusminister Mathias Brodkorb setzten sich mit dem Künstler zusammen, die Ideensuche begann. Der Verein „Uecker in Schwerin: Neubau“ wurde gegründet, die SVZ kam mit ins Boot und eine ungewöhnliche Initiative startete. Mit dem Verkauf einer Sonderedition, eines Uecker-Prägedruckes, den der Künstler eigens für diese Aktion geschaffen hatte, wird seither Geld gesammelt.

Parallel dazu trieb das Land seine Bemühungen voran. „Dass wir eine Erweiterung der Ausstellungsflächen im Museum dringend brauchen, ist lange bekannt. Als sich die Chance bot, Fördermittel von der EU dafür zu bekommen, waren Finanzministerin Heike Polzin und ich uns einig, den Anbau zu realisieren, obwohl klar ist, dass dies noch nicht die große Lösung ist“, so Brodkorb.

Die Museumsfreunde wollen jetzt „noch eins draufsetzen“, sagt Prof. von Berswordt und erläutert: „Es bietet sich einfach an, den künftig umschlossenen Museumshof zu überdachen. Wir würden einen herrlichen Saal gewinnen, der für Vorträge, Veranstaltungen und zur Präsentation von Kunst ideal geeignet wäre.“ Planungsaufträge dafür gibt es aber noch nicht, hieß es aus dem Finanzministerium.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen