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Eva-Maria Hagen wird 80 : Die Brigitte Bardot der DDR

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Am Sonntag wird die Schauspielerin, Sängerin, Malerin und Autorin, Mutter von Nina und Oma von Cosma-Shiva, 80 Jahre alt

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erstellt am 19.Okt.2014 | 09:30 Uhr

„Wir haben uns alle sehr lieb“, antwortet Eva-Maria Hagen auf die Frage, wie sie die Künstler-Familie Hagen beschreiben würde, „auch wenn wir alle sehr unterschiedlich sind“: Tochter Nina (59) gilt als Ikone der Punk-Bewegung, machte als Sängerin und TV-Jurorin Schlagzeilen. Enkelin Cosma-Shiva (33) ist Schauspielerin und Galeristin. Und auch Mutter und Oma Eva-Maria, die am Sonntag ihren 80. Geburtstag feiert, blickt auf eine bewegte Karriere zurück.

An ihrem runden Geburtstag wollen alle Hagens im Literaturhaus-Café an der Alster zusammenkommen. „Mein größter Wunsch ist, dass alles harmonisch abläuft“, sagte die Jubilarin, die mit ihrer Tochter und ihrer Enkelin gerade den neuen „Biene Maja“-Film synchronisiert hat.

Freunde aus Berlin werden vorbeikommen, vielleicht auch Marie Biermann, die Tochter von Wolf Biermann, mit der sie gemeinsame Liederabende veranstaltet hat. „Mir liegt sehr am Herzen, diesen umfangreichen Liederschatz, den ich mir während meiner Laufbahn einverleibt habe, der jungen Generation ans Herz zu legen“, sagt die zierliche Frau mit den weichen Gesichtszügen.

Aufgewachsen in Perleberg, zog es Eva-Maria Hagen bald in die Großstadt und ans Theater – bereits mit 17 Jahren debütierte sie am Berliner Ensemble unter der Regie von Bertolt Brecht. Ein Jahr zuvor hatte sie die Maschinenschlosserlehre abgebrochen und ein Schauspielstudium begonnen.Die DEFA-Filmkomödie „Vergesst mir meine Traudel nicht“ (1957) machte die Künstlerin populär – inzwischen Mutter von Tochter Nina aus der Ehe mit dem Schriftsteller Hans Oliva-Hagen. Bis 1965 wirkte Eva-Maria Hagen in etwa 50 TV- und Kino-Filmen mit. Von Natur aus dunkelhaarig, musste sie meist in die Rollen von busenbetonten Blondinen schlüpfen, was ihr bald den Titel „Brigitte Bardot der DDR“ einbrachte.

Die Begegnung mit dem Liedermacher Wolf Biermann 1965 veränderte ihr Leben, privat wie beruflich. „Er war einer der wichtigsten Menschen in meinem Leben.“ Als sie 1976 gegen Biermanns Ausbürgerung öffentlich protestierte, entließ man sie fristlos und belegte sie mit Berufsverbot. In ihrem Buch „Eva und der Wolf“, das 1998 erschien, publizierte sie auch Stasi-Protokolle über das Paar. „Es machte mich depressiv, als ich sah, dass Freunde, denen ich vertraut hatte, der Stasi die intimsten Dinge berichtet hatten.“ Heute beschreibt sie ihr Verhältnis als „locker“. „Wenn wir uns auch selten sehen, ist er mir im Herzen nie abhandengekommen. Außerdem singe ich oft seine Lieder, ohne die mein Leben ärmer und düsterer gewesen wäre“, sagt Hagen.

Nach der Wende drehte Hagen wieder Filme in Babelsberg in Potsdam, stand als „Medea“ oder „Mutter Courage“ auf der Bühne oder sang Brecht-Lieder. Auch im Fernsehen und im Kino sah man die vielseitige Künstlerin, zuletzt in Komödien wie „Dinosaurier – gegen uns seht ihr alt aus!“ (2009) oder Dramen wie „Lore“ (2012).

Im vergangenen Jahr sorgte die Schauspielerin für Schlagzeilen, als ihre Beziehung zum Dramatiker Peter Hacks (1928-2003) bekannt wurde – indem sie ihre Liebesbriefe unter dem Titel „Liaison amoureuse“ im Eulenspiegel Verlag veröffentlichte. Auch ihre Autobiografie „Eva jenseits vom Paradies“ (2006) über ihre jungen Jahre wurde im Rotbuch Verlag neu aufgelegt.

Ein Geschenk hat sie sich zum Geburtstag selbst gemacht:Auf der CD „Ach, lass uns wieder gut sein“ singt sie „Jiddische Lieder“, zusammen mit dem Pianisten Siegfried Gerlich.

 


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