Kunsthalle Rostock : Der (wirklich) neueste Streich der Olsenbande

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Die Kunsthalle Rostock überrascht ab heute mit einem ganz besonderen Coup: Die Olsenbande gibt sich die Ehre. Auf 500 Quadratmetern dreht sich alles um die lustigste, hintergründigste und erfolgreichste Filmreihe Dänemarks im 20. Jahrhundert. Wie würde Benny schwärmen? „Mächtig gewaltig!“

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16. August 2015, 09:00 Uhr

„Ich habe einen Plan.“ Sagte sich vor drei, vier Jahren Uwe Neumann, der Direktor der Rostocker Kunsthalle. „Ich hole die Olsenbande ins Museum.“ Als er Freunden von dieser Idee erzählte, waren die einen sofort begeistert, andere schauten zweifelnd bis ratlos. Je nachdem, ob sie diesseits oder jenseits der Mauer aufgewachsen waren. Damit stand zugleich das Konzept der Ausstellung „Mächtig gewaltig – Die Olsenbande im Museum“, die heute eröffnet wird. Wie konnte es sein, dass die 14 Filme über das sympathische Gaunertrio, das mit einem Stinkekäse, zwei Wollfusseln, drei Himbeerbrausen und einer Entenfamilie Weltbank und Riesenkonzerne um ein paar Millionen erleichtern will, in der DDR so ein Riesenerfolg waren, in der BRD aber kaum wahrgenommen wurden?

„Es geht uns nicht um Klamauk und Ostalgie“, sagt die Kunstwissenschaftlerin Antje Schunke, die die Ausstellung kuratierte. „Wir wollen ein Stück Zeitgeschichte beleuchten, das Phänomen Olsenbande, das im kulturellen Gedächtnis vieler Ostdeutscher über mehrere Generationen so einen besonderen Platz hat.“ Bis in die Alltagssprache. Zugleich können auch jene, die noch nie von Egon, Benny und Kjeld gehört haben, in die komische, gemütliche und aberwitzige Welt der dänischen Erfolgsfilme eintauchen, die von 1968 bis 1981 und dann noch einmal 1998 entstanden.

Anhand von Arbeiten des dänischen Fotografen Rolf Konow, der bei allen Dreharbeiten dabei war, mit Filmplakaten aus der DDR, Dänemark oder Polen, Leihgaben von Fans aus ganz Deutschland, aus dem Fundus des Volkstheaters, einer Vielzahl von Filmausschnitten und Hörbeispielen und Requisiten der dänischen Nordisk Film wird auf 500 Quadratmetern im Untergeschoss der Kunsthalle der Olsenbandenkosmos lebendig. Wobei sich besonders die Dänen schwertaten, Objekte auszuleihen. Die Olsenbande ist dort nationales Kulturgut. Eine Straße vor dem legendären Gefängnis Albertslund, in dem Egon Film für Film seine Pläne ausheckt, wurde nach dem Tod von Ove Sprogøe auf Betreiben der Häftlinge Egon Olsenes Vej (Egon-Olsen-Weg) getauft. Immerhin hat die Nordisk dann doch den originalen Tresor von Franz Jäger, Berlin, herausgerückt. Aus Holz.

Zu Beginn des Rundgangs können sich die Besucher an den 14 Anfängen der Olsenfilme erfreuen, alle ähnlich mit den fahnenschwingenden Komplizen des nur 1,50 Meter großen Bandenchefs – und doch in Kleinigkeiten variiert. Eines der Erfolgsrezepte der Serie. Immer hat Egon einen Plan, immer wird er bei einem Bierchen in Kjelds Wohnung besprochen, immer findet Benny ihn „mächtig gewaltig“, immer soll den Mächtigen genommen werden, und immer scheitern die drei Kleinkriminellen in der seltsamen Kleidung mächtig an irgendeiner Kleinigkeit. Die Silhouetten der drei Freunde zum Dixilandmarsch, den jedes Kind kannte, der Tresor von Franz Jäger, Kjelds Arztkoffer mit Handschuhen, Talkum und Stethoskop, Egons Zigarrenstummel – all das verdichtete sich nach und nach zu jenem Phänomen Olsenbande, das Kult, Kindheit und Sommerkino zugleich war.

Ein weiterer Clou der Schau – übrigens sinnigerweise mit deutschen und dänischen Erläuterungen – ist eine Hörstation, an der synchronisierte Szenen zu hören sind – dänische, west- und ostdeutsche. Schnell wird ein weitere Grund für den Erfolg in der DDR klar. Außerdem wurden in der BRD die ersten beiden Filme als „Die Panzerknackerbande“ zu einem Film geschnitten und Figuren wie Yvonne entfernt, so dass die Zuschauer ratlos mit unzusammenhängenden Szenen allein gelassen wurden.

Der Schriftsteller Uwe Tellkamp sieht in den Olsenbande-Filmen auch „Fenster in die verbotene Welt jenseits der Mauer“.

Vielleicht konnten die Filme auch auf weitere Gemeinsamkeiten zwischen der Olsenbande und dem gelernten DDR-Bürger bauen. Beide hingen ihren Träumen von einer unerreichbaren, großen weiten Welt nach. Beide lebten immer ein wenig am Rande der Legalität – beim „Organisieren“, Tauschen, „Besorgen“. Wie sich kleine Leute eben so durchschlagen. In diesem Sinne waren wir alle ein bisschen Olsenbande.

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