Premiere der Fritz-Reuter-Bühne : „Der Roderich, der Roderich…“

Matthias Koziorowski, Christoph Reiche, Elfie Schrodt und Rebekka Reister
Matthias Koziorowski, Christoph Reiche, Elfie Schrodt und Rebekka Reister

Premiere der Fritz-Reuter-Bühne mit der Operette „Der Vetter aus Dingsda“ am Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin

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16. November 2015, 12:00 Uhr

Sie hat es schon wieder getan: Die Niederdeutsche Staatsoperette Schwerin – dem Publikum besser bekannt als Fritz-Reuter Bühne – präsentierte im Großen Haus des Schweriner Staatstheaters erneut ein musikalisches Lustspiel der größeren Art, in diesem Falle den fast 100 Jahre alten Operettenknaller „Der Vetter aus Dingsda“ mit der Musik von Eduard Künneke. Am Freitag war Premiere.

Wie schon bei den vorherigen Produktionen dieser Art, z. B. dem „Feuerwerk“, holten sich die Schweriner auch für den „Vetter aus Dingsda“ Verstärkung : vier junge Sänger/Darsteller mit Operetten- und Musicalerfahrung. Das so vergrößerte Ensemble harmonierte, als hätte man schon ewig zusammen agiert, darstellerisch und durchaus auch gesanglich auf Augenhöhe.

Regisseur Jörg Schade setzte bei seiner Inszenierung nicht in erster Linie auf den nicht mehr ganz taufrischen und trotz allen Intrigen- und Verwirrspiels recht vorhersagbaren Plot des „Vetters“ von 1921, sondern auf seine Darsteller. Er bevölkert das von Michael Goden geschaffene attraktive Bühnenbild (ein Gartenrestaurant) mit lauter unüberhörbar norddeutschen Individuen, die alle so ihre Macken und Meisen haben und diese in den Kostümen von Giselher Pilz auch ausspielen dürfen, richtigen Typen eben. Und die drehen so richtig auf: witzig, spritzig, hoch- und plattdeutsch und unübersehbar mit Lust und Wonne. Es wird gespielt, gesungen und getanzt. Dafür, dass Letzteres klappte, hatte als Choreograph Sergej Gordienko gesorgt.
Gleich zu Beginn gab’s den ersten Szenenapplaus für Tausendsassa Christoph Reiche als Onkel Josse und Elfie Schrodt als dessen Gattin Wilhelmine für ihre im Duett gesungene und getanzte Behauptung, dass man ja „so vornehm“ sei.“ So angewärmt, spendierte das Premierenpublikum Gleiches auch für sämtliche Ensemb-lenummern wie z. B. den „Roderich“ oder „Sieben Jahre in Batavia“ und auch für die Solonummern wie das elegische Lied der Julia (Rebekka Reister) an den „Strahlenden Mond“, mit dem diese ihren seit sieben Jahren ins ferne „Dingsda“ entschwebten Geliebten Roderich anschmachtet, oder den „armen Wandergesell“ von Matthias Koziorowskis falschem Roderich. Ein komödiantisches Glanzstückchen auch das Duett von Patrizia Margagliotta als Hannchen mit Jens Tramsen als tölpelhaftem Landratssohn Egon, der hier schmerzvoll erfahren muss, dass an ihm aber überhaupt „nichts dran“ ist, was eine Frau inte-ressieren könnte. Andreas Auer als Kellner, distinguiert und schlitzohrig gleichermaßen, und Tina Landgraf als Hausmädchen Leni zelebrieren dezent das, was man eine Beziehung mit Potenzial nennen könnte.

Dem zum guten Schluss auftauchenden echten Roderich (Peer Roggendorf) war eine gesanglich wie tänzerisch fulminante Liebesszene mit Hannchen vergönnt. Denn schlussendlich findet – so sagt’s das Libretto – dann doch jeder Topf sein Deckelchen. Bis auf den Egon, aber der soll dann ja für „Sieben Jahre nach Batavia“. Und genau dieses Lied ist es denn auch, das sich das Premierenpublikum durch lang anhaltenden Beifall als Zugabe ertrotzte.
Aber noch ein Wort zur Musik, denn was wäre schon eine Operette ohne Musik? Die fünfköpfige Dingsda-Kapelle „Solt un Päper“ unter Leitung von Thomas Möckel begleitete nicht nur hochpräzise die Solisten, sondern spielte den Künneke im Quintett-Arrangement so quicklebendig und mitreißend, dass das Publikum ein kurzweiliges musikalisches Bühnenspektakel erleben konnte. Was will man mehr?
 


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