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Vor 40 Jahren starb Doors-Sänger Jim Morrison : Der Rockstar, der nur dichten wollte

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Jim Morrison galt als Prototyp des amerikanischen Rockstars, als er mit seiner Band The Doors im Juli 1967 mit der Single "Light My Fire" die Spitze der US-Hitliste eroberte. Es war die Zeit des Sommers der Liebe.

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erstellt am 02.Jul.2011 | 07:09 Uhr

Seine Fans nannten ihn den Lizard King: Jim Morrison galt als Prototyp des amerikanischen Rockstars, als er mit seiner Band The Doors im Juli 1967 mit der Single "Light My Fire" überraschend die Spitze der US-Hitliste eroberte. Es war die Zeit des sagenumwobenen Sommers der Liebe. Jeder zweite Schlager jener Zeit feierte damals die Kraft der Liebe durch Blumen im Haar. Jim Morrison Bariton dagegen klang anders. Er thematisierte in seinen Texten die dunklen Seiten der menschlichen Existenz.

Am Strand von Venice in Los Angeles hatte Morrison in einer schicksalhaften Begegnung im Sommer 1965 dem Musiker Ray Manzarek einige seiner Gedichte gezeigt. Der Keyboarder erkannte sofort das Potenzial des gut aussehenden Filmstudenten. Gemeinsam gründeten sie die Rockband The Doors und fanden mit Robbie Krieger (Gitarre) und John Densmore (Drums) musikalische Partner, die auf Augenhöhe agieren konnten. Auf einen Bassisten verzichtete die Band. Eine weise und stilprägende Entscheidung. Der Sound der Doors wurde dadurch einmalig.

Auch Morrisons Texte waren gehörig aus der Spur, standen in der Tradition französischer Symbolisten wie Rimbaud und Verlaine, trugen zuweilen den Geist der Beat-Poeten Allen Ginsberg und Jack Kerouac in sich. Der griechische Mythos vom König Ödipus, der versehentlich seinen Vater erschlug und ahnungslos mit seiner Mutter Kinder zeugte, regte Jim Morrison zum stärksten Song des Doors-Debüt-Albums an. "The End" wurde wegen seiner teilweise obszönen Textanteile kontrovers diskutiert. Das hielt den Regisseur Francis Ford Copolla nicht davon ab, das Lied 12 Jahre später als zentrales Motiv in seinem Film "Apocalypse Now" einzubauen.

Die Doors hatten das richtige Programm zur rechten Zeit: In Motorradstiefeln, abgewetzter Lederhose und langärmeligem Hemd agierte Morrison auf der Bühne wie ein Derwisch. Er tobte und schrie, immer öfter am Rande des Abgrunds. Seine Band stärkte ihm stets den Rücken. Bald war die Gruppe auch in Europa und dem Rest der Welt eine Größe.

Doch mit dem Erfolg kamen die Probleme: Morrison mochte kein Rock-Idol sein. Er wollte in Ruhe seine Gedichte schreiben. So griff er immer öfter zu Alkohol und noch härteren Drogen. Im März 1969 kam es auf der Bühne des Dinner Key Auditoriums in Miami zum Eklat. Morrison kam volltrunken auf die Bühne, beschimpfte das Publikum und soll sich entblößt haben. Auch wenn dies seine Band-Mitglieder stets bestritten, der Staat Florida verurteilte den Sänger zu sechs Monaten Zwangsarbeit.

Es war der Anfang vom Ende einer nur vier Jahre dauernder Karriere. Der Sänger flüchtete zu seiner Freundin nach Paris, führte dort das Leben eines Poeten und Tagträumers. Am Morgen des 3. Juli 1971 starb Jim Morrison. Als offizielle Todesursache verzeichnete der gerichtsärztliche Bericht Herzstillstand. Die genauen Umstände von Morrisons Tod sind nie mit letzter Sicherheit ermittelt worden.

Sein künstlerisches Erbe ist unumstritten. Neben den sechs zu seinen Lebzeiten eingespielten Langspielplatten zeugen eine Vielzahl von Live-Mitschnitten von der Kunst des Lizard King. Nach wie vor verkaufen The Doors allein in den USA Jahr für Jahr mehr als eine Million Tonträger.

Auch in Deutschland verspricht sich der Handel so einiges vom runden Jubiläum: Der Katrin Kramer Verlag veröffentlicht den Morrison-Text "Ein Amerikanisches Gebet / an american prayer" (ISBN3-87956-173-7) zum ersten Mal in einer vollständigen amerikanisch-deutschen Ausgabe.

Mit der 6-CD-Box "The Doors - A Collection" bringt Warner ab 8. Juli alle sechs Studioalben, die in der Originalbesetzung zwischen 1967 und 1970 veröffentlicht wurden, zum Schäppchenpreis in die Läden.

Oliver Stones Spielfilm "The Doors" (Arthaus) wird ab 3. Juli in einer 2-DVD-Special Edition mit neu restauriertem Bild und Ton sowie umfangreichem Bonusmaterial, u. a. mit den beiden neuen Dokumentationen "Back to the Roots" und "Jim Morrison - Ein Poet in Paris" erscheinen.

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