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Theater Parchim : Der Preis der Freiheit

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Mit „Malala – Mädchen mit Buch“ kommt in Parchim ein Stück auf die Bühne, das auch in der Flüchtlingsdebatte Antworten geben kann

svz.de von
erstellt am 03.Okt.2015 | 16:00 Uhr

„Was kostet die Freiheit?“ Auf einem Zettel an der Pinnwand sticht diese Frage sofort ins Auge. Darunter steht als Antwort: „Vielleicht ein Leben.“

Was ist überhaupt Freiheit? Wie wertvoll ist sie dem Einzelnen – so viel , dass er dafür seine Heimat verlässt, alles Liebgewordene zurücklässt? Mit „Malala – Mädchen mit Buch“ bringt das Landestheater Parchim heute ein Stück auf die Bühne, das diese Fragen aufwirft – und Stoff für Diskussionen über mögliche Antworten bietet.

„Wenn man dieses Stück gesehen hat, reflektiert man sehr viel mehr, wie verdammt gut es uns eigentlich geht“, erklärte Dramaturgin Katja Mickan am Mittwochabend beim traditionellen Lehrerstammtisch vor der Premiere. Ihre Hoffnung sei, dass es die Zuschauer ermutige, gerade auch in der aktuellen Flüchtlingsdebatte selbst klar Position zu beziehen und „sich zu widersetzen, wenn Unfug geredet wird“.

„Wenn die Älteren schweigen, müssen die Kinder ihre Stimme erheben“, forderte auch Malala Yousafzai . Das pakistanische Mädchen hat gefragt, angeklagt – und dabei sein Leben riskiert. Malala war 15, als Taliban ihren Schulbus anhielten und aus nächster Nähe auf sie feuerten – weil sie sich dafür eingesetzt hatte, dass auch Mädchen die Schule besuchen dürfen. Bereits als Elfjährige hatte sie unter falschem Namen begonnen, in einem Internet-Blog über das Taliban-Regime in ihrer Heimat zu berichten. 2011 flog ihr Pseudonym auf, als sie für den Internationalen Kinder-Friedenspreis nominiert wurde. Ein Jahr später folgte das Attentat. Doch Malala, die seitdem in Großbritannien lebt, ließ sich nicht beirren und setzte ihren Kampf für gleichberechtigte Bildungschancen für Mädchen fort. 2014 bekam sie dafür den Friedensnobelpreis – als mit Abstand jüngste Preisträgerin in seiner Geschichte.

All diese Fakten sind bekannt. Nick Woods dokumentarisches Einpersonenstück „Malala – Mädchen mit Buch“, das Regisseur Thilo Schlüßler für das Parchimer Theater bearbeitet hat, geht aber weiter. Eine junge Autorin (Wiebke Roloff) versucht darin, die Beweggründe für Malalas Denken und Handeln zu verstehen. Dafür recherchiert sie im Internet, befragt Menschen, die verschiedenen Religionen angehören – und sie hinterfragt sich selbst: „Ich bin wirklich für Vielfalt. Aber wäre die Welt nicht viel einfacher, wenn alle so denken würden wie ich?“ Filme und Fotos – auch von den Gräueltaten, die die Taliban in Malalas Heimat verübten – verleihen dem Stück Authentizität. Wiebke Rohloff schlüpft auf der Bühne ständig in andere Rollen: Mal ist sie die Autorin, mal Malala, sie wird zur Mitschülerin, zum Attentäter, zur Sozialarbeiterin, zu einem syrischen Mädchen, das nach der Flucht aus der Heimat heute in Deutschland lebt.

Woods Stück sei sehr stark aus Sicht der britischen Medien geschrieben, so Regisseur Thilo Schlüßler. „Wir haben uns bemüht, ein paar aktuelle Kontroversen einzubauen“ – das syrische Flüchtlingskind zum Beispiel, aber auch unbemannte Drohnen, die von Rammstein aus gesteuert werden.

Für die Lehrer, die selbst aus Lübz und Perleberg zur Voraufführung gekommen waren, ist das Stück offenbar eine gute Vorlage für die Arbeit mit ihren Schülern. „Ich denke, Sie werden mit diesem Stück Ängste nehmen – auch die Angst vor dem Fremden“, meinte Karin Bremer-Rau. Katrin Hahlbeck fand besonders gut, dass in dem Stück „ganz viel über die Lebensweise in Pakistan gezeigt wurde“. Und Diana Schlüter-Beck findet das Stück einfach „cool“ – auch wenn sie einen für sie zentralen Satz von Malala vermisst hat: „Ein Kind, ein Lehrer, ein Buch und ein Stift können die Welt verändern.“ Genau das sollte die Erkenntnis sein, mit der die Schüler aus dem Theater gehen.

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