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Der Maler und die erste Geige

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erstellt am 19.Okt.2010 | 06:22 Uhr

Schwaan | Als Kind saß die kleine Mechthild noch auf dem Schoß von Otto Bartels. Der Maler kam häufig zu Besuch, dinierte bei ihren Eltern und malte, weil er damals kein Atelier besaß, die Porträts der beiden in ihrer Wohnung. Er war ein Bekannter von Mechthilds Vaters Kurt Edgar Schlenger, der als Kammermusiker in Rostock die erste Geige spielte. Als Otto Bartels einmal die Idee kam, eine Oper zu komponieren, soll Schlenger ihm dezent abgeraten haben. Als Maler vermöge er doch viel mehr zu leisten, so der taktvolle Rat des Musikers.

Die kleine Mechthild von damals ist heute groß. Genau genommen: Sie ist über 80 und heißt nicht mehr Schlenger, sondern Mannewitz. Sie selbst ist Malerin geworden, und wie der Titel der neuen Ausstellung in der Kunstmühle Schwaan besagt: "Aufgewachsen mit Bartels". Kaufte ihr Vater doch nicht nur die eigenen Porträts, sondern noch zwei weitere Bilder von Otto, sowie neun Gemälde von dessen bekannterem Bruder Rudolf Bartels. Die Leinwände hingen früher in der elterlichen Wohnung und die meisten von ihnen hängen bis heute dort in Rostock. Museumsleiter Heiko Brunner hat sie selbst von der Wand abgehängt.

Bogen aus der Vergangenheit in die Gegenwart spannt

Es ist bereits die dritte Privatsammlung mit Malern der Künstlerkolonie Schwaan, die in der Kunstmühle zu sehen ist. Ergänzt werden die Bilder der Bartels durch 25 Arbeiten von Mechthild Mannewitz und ihrer Tochter Anna Mannewitz. Es ist eine schöne, in sich geschlossene Ausstellung, die den Bogen aus der Vergangenheit in die Gegenwart spannt. Neben den erwähnten Familienporträts der Schlengers wird mit der "Kleinen Parklandschaft" aus dem Jahr 1921 auch eine der seltenen Landschaften von Otto Bartels gezeigt. Lediglich zwei sind bekannt aus der Hand des gelernten Holzbildhauers und Stukkateurs, wie Museumschef Brunner erläutert: "Briefe belegen aber, dass er noch weitere gemalt haben muss." In der Pinselführung orientiert sich Otto hier deutlich am älteren Bruder Rudolf.

Der ist in der Ausstellung mit einigen sehr schönen Arbeiten präsent. Der frühen "Landschaft bei Oberweimar" (1901) beispielsweise, die ebenso wie sein "Geburtshaus" (1901) noch deutlich Spuren der Weimarer Malerschule verrät, wo Rudolf Bartels bei Theodor Hagen studierte. Ebenfalls wunderbar ist eines seiner ebenfalls vertretenen herrlichen "Laternenbilder", so dass zurzeit vier Gemälde aus der insgesamt acht Werke umfassenden Serie in Schwaan gezeigt werden können.

Ist der Expressionismus bei Rudolf Bartels noch zart am Aufkeimen, so zeigt er sich in den Ölgemälden der 1926 geborenen Mechthild Mannewitz in voller Blüte. Ihre "Blaue Schale und Kapuzinerkresse" von 1964 offenbart deutlich die Verwandtschaft mit Alexej von Jawlensky. Und auch ihre neueren Blumenstillleben verraten mit ihren leuchtenden Farben und zackigen Formen klar die expressionistische Traditionslinie. Es ist schon beeindruckend, wie frisch die Arbeiten dieser Grande Dame der Rostocker Malerszene in Schwaan erstrahlen.

Gedeckter sind die Bilder ihrer 1964 geborenen Tochter Anna. Düster-morbide fast mutet die im Jahr 2009 entstandene "Kirche Schlieffenberg" an, die mit ihrem Pendant von Rudolf Bartels, der "Kirche in Althof" durch eine Sichtachse verbunden ist. Ein direkter Bezug hingegen tut sich durch das 2009 entstandene Gemälde "Marie und Tochter" auf. Porträtiert ist darauf eben jene Marie Schlenger, die Otto Bartels früher schon malte. Zusammen mit ihrer Tochter Mechthild sitzt sie da und schaut dem Betrachter selbstbewusst entgegen. Anna Mannewitz malte das Bild ihrer Mutter und Großmutter nach einer alten Schwarz-Weiß-Fotografie. Der Kreis schließt sich so auf wunderbare Weise.

"Begegnungen. Aufgewachsen mit Bartels", Kunstmühle Schwaan, Mühlenstraße 12, Dienstag bis Frreitag 10 bis 17 Uhr, Sonnabend 13 bis 17 Uhr, Sonntag 11 bis 17 Uhr, bis 12. Dezember 2010

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