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Volker Altwasser : Der Krimi-Autor, der sein Alter Ego tötete

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

In „Rostock, letzte Runde“ klären Volker Altwassers Helden Mord am Pseudonym

von
erstellt am 24.Jul.2015 | 12:00 Uhr

Zwei Rostock-Krimis hat Volker Altwasser (45) bereits unter dem Pseudonym Richard Roesch geschrieben. Am 5. August erscheint sein dritter im Hinstorff-Verlag unter seinem echten Namen. Warum es nötig war, sein Alter Ego zu ermorden und warum die Kneipe Schallmauer genau der richtige Ort dafür war, verrät der Schriftsteller im Interview mit Juliane Hinz.

Sie sind zurzeit Burgschreiber von Beeskow. Das klingt altertümlich. Was macht man als Burgschreiber?

Ich bin hier schon der 23. Schreiber. Die Burg steht seit dem 11. Jahrhundert auf einer Spree-Insel. Hier kann ich ein halbes Jahr an meinen Texten arbeiten. Das Ansinnen ist es auch, die Umgebung mit Vorträgen und Lesungen kulturell zu beleben.

Woran arbeiten Sie gerade?

Ich lasse erst einmal alles auf mich einwirken und bin offen für Termine. Nebenbei arbeite ich natürlich schon wieder an einer Sache, aber Konkretes möchte ich noch nicht sagen.

Aber vielleicht können Sie verraten, ob es wieder ein Krimi wird...

Nein, diesmal wird es eine Liebesgeschichte.

Wie kommt es, dass Sie als Autor so unterschiedliche Genres bedienen? Für mich sind Ihre Krimis und Ihre Hochsee-Romane völlig verschiedene Dinge...

Ich bin immer auf der Suche nach etwas, das noch nicht erzählt wurde, und nach erzählerischen Mitteln, die noch nicht verwendet wurden. Und dann sind da die verschiedenen Metiers vom historischen Roman über das Hochsee-Epos bis zum Krimi. Es ist ein Suchen. Und ich habe diese Angst, mich zu wiederholen. Obwohl es bei mir schon auch Parallelen gibt. Den Vater-Sohn-Konflikt oder den Sohn einer alleinerziehenden Mutter.

Oder auch der Hochseefischer. Einer von ihnen ist Robert Rösch, der in „Letzte Fischer“ eine Rolle spielt. Er lässt mich unweigerlich an Richard Robert Roesch denken – Ihr Pseudonym. In Ihrem neuen Krimi „Rostock, letzte Runde“ töten Sie dieses Pseudonym. Warum?

Weil ich gemerkt habe, dass es dann doch ein bisschen überflüssig war. Erfunden hatte ich das Pseudonym nur, um im Kopf eine Grenze aufrechtzuerhalten. Aber es wurde zu schwer, schon fast ein kleiner Rucksack, und man muss ja mit leichtem Gepäck durchs Leben laufen. Außerdem hatte ich noch nie davon gehört, dass ein Autor sein Pseudonym töten und seine Helden den Mord aufklären lässt.

Ihr Krimi spielt nur an einem Ort, in der Fliegerkneipe Schallmauer, draußen tobt ein Orkan. An irgendeinem Punkt kommt also niemand mehr rein oder raus. Was hat Sie daran gereizt, Ort und Figurenkreis so zu begrenzen?

Ich habe versucht, das Agatha-Christie-Milieu wieder aufleben zu lassen. Ihre Geschichten spielen auch immer auf einem Schiff, in einer Eisenbahn auf dem Weg von A nach B oder auf einem Schloss. Das wollte ich in ein anderes Milieu versetzen, in dem sich eher die harten Menschen bewegen und nicht Grafen und Ladys. Wenn niemand mehr rauskommt, muss eine der bekannten Figuren der Mörder sein.

Sie schreiben zum Schauplatz Ihres Krimis: „Die Stadt am Wind war endgültig zum Tor zur Unterwelt geworden und die Schallmauer war die Klinke dieses Tores.“ Das ist harter Tobak. Spricht man noch mit Ihnen in der Schallmauer?

Das werden wir sehen. Aber ehrlich: Ist Rostock das Tor zur Unterwelt oder ist es nicht eher St. Pauli? Es gibt natürlich ironische Überhöhungen. Der Lektor und ich haben lange überlegt, wie weit man gehen kann. Aber ich denke, Toleranz ist auch in Rostock möglich.

Wie viel Zeit haben Sie zu Recherchezwecken in der Schallmauer verbracht?

Da bin ich jeden Donnerstag schon seit drei, vier, vielleicht sogar fünf Jahren und treffe da immer die gleichen Leute. Aber wirklich fast immer nur donnerstags, weil es so ein Stammtisch-Abend ist.

Warum haben Sie Rostock als Schauplatz gewählt?

Ich bin 2008 hier gestrandet und konnte seitdem auch sehr gut leben in Rostock in dem Sinne, dass ich in Ruhe gelassen wurde von dem ganzen Literaturbetrieb in Berlin und Leipzig. Und vor fünf Jahren gab es auch noch keinen Regionalkrimi, der in Rostock spielte. Das hat sich geändert.

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