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Choreograf Andreas Paesler erschafft beim "Freischütz" Monster : Der Herr der Unterwelt-Kreaturen

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Wenige Tage vor der Premiere kann Anderas Paesler entspannt auf die Bühne blicken. Sie ist leer, nur Technicker werkeln kurz vor der Probe. Vor seinem geistigen Auge läuft schon all das ab, was seine Truppe geprobt hat.

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erstellt am 28.Jun.2011 | 07:02 Uhr

Schwerin | Wenn im Dunkel der Nacht sich die beiden Jäger Max und Kaspar in der Wolfsschlucht treffen, wenn schaurige Gestalten der Wilden Jagd aus der Unterwelt hervorbrechen und schließlich Samiel erscheint, dann ist das nicht nur eine Schlüsselszene der Handlung in "Der Freischütz", sondern auch einer der optischen Höhepunkte in der diesjährigen Schlossfestspiel-Oper. Und Resultat wochenlanger, harter Arbeit auch des Choreografen.

Rückblick: Wie ein Feldherr blickt Andreas Paesler wenige Tage vor der Premiere vom Rand der Freilichtbühne herab. "Von hier oben sieht das fantastisch aus", sagt er. Dabei blickt er aber nicht auf seine Schlachtreihe, sondern auf die Bühne des "Freischütz". Paeseler ist der Choreograf, gehört neben Regisseur Frank Bernd Gottschalk, Generalmusikdirektor Matthias Foremny, Bühnenbildner Lutz Kreisel, Chor-Chef Ulrich Barthel und Kostümbildbnerin Bettina Lauer zu dem Leitungsteam, das dafür sorgt, dass sich die zahllosen Mosaikstückchen einer Inszenierung auch passgenau zu einem überwältigenden Gesamtbild fügen. Und da bei einer Opern-Air-Oper viele Statisten dabei sind, hat der Choreograf viel zu tun.

Das ist genau nach dem Geschmack von Andreas Paesler, einst Tänzer, heute freischaffender Regisseur und Choreograf und den Schlossfestspiel-Fans seit seiner Mitarbeit an "Carmen" bekannt. "Ich mag es monumental. Ab 70 Leuten fängt es an, Spaß zu machen." Zum Beispiel in der Wolfsschlucht. Die Szene mit den Monstern und Mutanten der Wilden Jagd wie aus den Gemälden von Hieronymus Bosch ist eines der Paradestücke. Aber nicht Tanz-Profis, sondern - von den Gesangssolisten abgesehen - Laien bringen es zustande. "Wir arbeiten zwar mit gezielt gecasteten Statisten, aber eben doch mit Statisten", sagt Paesler. Schon im Herbst beginne die Auswahl, , sagt der Choreograf. Wochenlanges Probieren auf der Probenbühne und dann auf der richtigen, 400 Quadratmeter großen Freilichtbühne geht der Premiere voraus. Schließlich soll es weder nach einem Gewimmel, noch nach allzu elaborierter Arbeit aussehen. "Wichtig ist aber, dass man eben nicht die ganze Zeit das Gefühl hat, dass da ein Choreograf am Werk war", erklärt Paesler. Und er sei ja auch nicht allein am Werk. Natürlich habe er eng mit Kostümbildnerin Bettina Lauer zusammengearbeitet. "Bei den Schlossfestspielen gibt es ein Teamwork, wie es wirklich selten geworden ist", sagt Paesler. Nur so könne ein großes Ganzes entstehen.

Wenige Tage vor der Premiere kann Anderas Paesler entspannt auf die Bühne blicken. Sie ist leer, nur Technicker werkeln kurz vor der Probe. Aber vor dem geistigen Auge des Choreografen läuft schon all das ab, was seine Truppe wochenlang geprobt hat. Der Blick wird fantastisch werden. Aber es gibt eben nicht nur den einen Blick. Je nach Perspektive wirken die Bewegungen der Protagonisten anders, entstehen neue Bilder für das Auge. Paesler: "Eigentlich müsste man sich das Stück viermal ansehen und sich jedes Mal anders setzen."

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