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Das 50. Album zum Jubiläum: Frank Schöbel : Der ewig junge Frank wird 70

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Andere in seinem Alter sind längst in Rente, kümmern sich um die Enkel oder die Blumenbeete. Für Frank Schöbel aber kommt Ruhestand nicht infrage. Seit 50 Jahren ist die Bühne sein Zuhause - und das soll auch so bleiben.

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erstellt am 10.Dez.2012 | 05:33 Uhr

Berlin | Andere in seinem Alter sind längst in Rente, kümmern sich in Ruhe um die Enkel oder die Blumenbeete. Für Frank Schöbel aber kommt Ruhestand nicht infrage. Seit 50 Jahren ist die Bühne sein Zuhause - und das soll auch so bleiben. "Ich will einfach weitermachen", sagte der ewig jung wirkende Sänger im September nach der Verleihung der "Goldenen Henne" für sein Lebenswerk. Heute wird Schöbel 70 Jahre alt. Zu seinem Geburtstag gönnt er sich eine neuntägige Bühnenpause - bevor es mit der Tour "Fröhliche Weihnachten mit Frank" weitergeht. Im Januar dann beginnt die "Chris & Frank"-Abschiedstour "Hautnah" - mit Chris Doerk.

Ob "Mädchen, du bist schön" oder "Wir brauchen keine Lügen mehr": Der Jubilar komponierte binnen fünf Jahrzehnten rund 300 Titel, sang selbst mehr als 550. Und 14 davon wurden in der DDR Hit des Jahres. Er war einer der bekanntesten und erfolgreichsten Sänger der DDR. Starallüren hat Schöbel nicht: Vor dem Presse-Foto-Termin verschwindet er als sein eigener Maskenbildner kurz auf dem Kneipen-WC, nach dem Interview bedankt er sich bei den Journalisten für die Geduld. Für die Fans ist der kumpelhafte Promi einfach Frank. Nach jedem Auftritt nimmt er sich Zeit zum Händeschütteln und für Autogramme.

Der Sänger mit den blonden Locken, der viel jünger aussieht als er ist, geht regelmäßig zwischen Rostock und Zwickau auf Tour - seit einiger Zeit wieder zusammen mit seiner "Ex" Chris Doerk. Zum Jubiläum erschien sein 50. Album. "Ich bin ein Mann, der jetzt lebt, heute und morgen, und der Rest wird kommen", lautet die Devise des bodenständigen Musikers.

In seiner Freizeit spielt Musik eher keine Rolle, im Radio schaltet er lieber Infokanäle ein. "Musik höre ich nur, wenn ich eine Platte mache", sagt Schöbel. Der Grund für diese Enthaltsamkeit: "Nur dadurch kann ich meine alten Lieder immer wieder so singen, als ob ich sie gerade erfunden hab." Als Ausgleich zum Stress der vielen "Muggen" (Auftritte) geht der Sänger ins Fitnesscenter und in die Sauna.

Obwohl Schöbel - am 11. Dezember 1942 in Leipzig geboren - eine Opernsängerin zur Mutter hatte, war Musiker ursprünglich nicht sein Berufswunsch. "Ich wollte eigentlich Meteorologe werden", erzählt er. Aber als er sich als 16-Jähriger um eine Ausbildung bewerben wollte, war er noch zu jung dafür. Ein neuer Berufswunsch musste her: Kameramechaniker. Nach Abschluss der Mechanikerlehre hielt es Schöbel nur einen halben Monat aus. Dann beschloss er, doch lieber zu singen.

Vor 50 Jahren, im Gründungsjahr der Rolling Stones, fing für ihn beim Leipziger "Tanzorchester der Sonderklasse Heinz Müller" die Karriere an. 1964 nahm Frank Schöbel dann seinen ersten Song auf: "Hey, hey Klaus, es sieht nach Schnee aus". Später bezeichnete er ihn als "grauenvolle Nummer", doch damit schaffte es der Sachse auf Anhieb in die DDR-Hitparade.

Zum Star wurde Frank Schöbel schließlich zusammen mit seiner damaligen Frau und Bühnenpartnerin Chris Doerk. Das umschwärmte Paar traf mit humorvollen, frechen Schlagern den Nerv des Publikums und verkaufte Millionen Schallplatten. Nach sieben Jahren zerbrach die Ehe, und damit endeten auch die gemeinsamen Auftritte. Um Chris Doerk wurde es still, für Schöbel ging es solo weiter, mit einem Hit nach dem anderen. Evergreens von "Wie ein Stern" bis "Gold in Deinen Augen" schafften es Anfang der 70er-Jahre auch in die westdeutschen Hitparaden. Mit dem Mauerfall ebbte dann das Interesse im Westen Deutschlands ab, wo DDR-Musik bis heute ein Nischendasein fristet.

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