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Premiere : Der Albtraum einer Nixe

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Im Mecklenburgischen Staatstheater hat am Freitag Antonin Dvoráks Oper „Rusalka“ Premiere

svz.de von
erstellt am 15.Okt.2014 | 12:00 Uhr

Eine Nixe verliebt sich in einen Prinz, der in ihrem See badet. Sie will nun Mensch werden. Der Wassermann verbietet es, eine Hexe verhilft ihr dazu unter der Bedingung, dass sie stumm bleibt in der Welt. Das kann nicht gut gehen.

Den Undine-Mythos haben die Erzähler Friedrich de la Motte Fouqué und Hans-Christian Andersen verarbeitet, auch der Dramatiker Gerhart Hauptmann, ebenso die Komponisten Lortzing und Hoffmann. Und Antonin Dvoráks lyrische Fassung heißt „Rusalka“.

Am Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin hat diese romantische Oper am 17. Oktober Premiere. Inszeniert hat sie Hendrik Müller, der erfolgreich am Theater an der Wien, an der Neuköllner Oper Berlin und der Oper Frankfurt/Main gearbeitet hat.

Ort und Zeit für „Rusalka“ sind Märchenland, Märchenzeit. Was einen Regisseur in Salzburg nicht hinderte, die Geschichte im Edelbordell anzusiedeln. Wo und wie spielt Rusalka bei Müller? „Sie spielt rätselhaft, poetisch, surreal“, sagt der Regisseur und bekennt sich zum Märchen.

Ein Probeneindruck bestätigt es: Rusalka blickt sehnsüchtig durchs Fenster ihrer Kammer, in der Gras wie an einem Seeufer wächst, wo ein halbnackter Mann im Spiegel geistert und Elfen spuken. Müller sieht in Dvoráks Werk „die düsterste Version dieses Stoffes, die am wenigsten Hoffnung bietet“. Er nennt sie im Zusammenhang mit der Entstehungszeit, in der die Psychoanalyse entdeckt wurde, „eine Verhandlung von menschlichen Extrem-situationen par excellence. Das taugt nicht dazu, es konkret zu verorten, es gibt keine individuierten Charaktere, nicht umsonst fehlen hier Namen, es gibt nur Figurenbezeichnungen.“

Die äußere Handlung ist arm, umso reicher die Stimmungen, wie geht ein Regisseur damit um? „Die inneren Vorgänge“, erklärt Müller, „sind mehr als Stimmungen, sie sind von brodelnder Dramatik. Das Stück hat eine Albtraumstruktur, es passieren übernatürliche Dinge, die ihre Erdung in der Realität finden.“ Auch ein Seelendrama? „Ja“, meint der Interpret, „aber wichtiger noch ist die Suche Rusalkas nach Selbstbestimmung, nach Befreiung von der Fremdbestimmung. Rusalka wie der Prinz haben Idealvorstellungen. Sie müssen scheitern.“

Verlangt Dvoráks Musik szenische Poesie? „Absolut“, kommt die Antwort ohne Zögern, „aber darunter versteht jeder etwas anderes. Meine Poesie ist die des Traums, des Aufeinandertreffens von eigentlich nicht zueinander gehörenden Elementen. Surreal begegnen sich Mensch und Natur. Das zeigt die Ausstattung von Alexandre Corazzola.“ Nebenbei merkt Müller an: „Schwerins Sänger müssen sich nicht verstecken.“

Weckt diese Oper Sehnsucht nach Romantik? Müller entgegnet: „Für mich ist sie trotz oder wegen der Naturmethaphorik ein Werk der Moderne. Es geht musikalisch über die Romantik oft hinaus, harmonisch hin an die Grenze zur Moderne.“ Läuft es auf den berühmten „Tristan“-Akkord zu? Müllers treffende Antwort: „Das Stück endet mit dem Liebestod.“



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