zur Navigation springen

Fritz-Reuter-Bühne präsentiert musikalische Farce : De allerwichtigst Prow oewerhaupt

vom

Die Schweriner Fritz-Reuter-Bühne hat es nun unternommen, seinem Publikum eine Farce pur, ohne alles umhüllende Beiwerk, zu servieren: "De Chorprow" von Dietmar Bittrich, in’t Plattdütsche öwersett’t von Gerd Meier.

svz.de von
erstellt am 28.Jun.2013 | 07:06 Uhr

Schwerin | Nun also eine Farce. Also dieses wörtlich als Fleischfüllsel zu übersetzende sowohl theatralisch als auch kulinarisch zu verwendende Ding, das einerseits derbe, possenhafte, satirische Einlagen in ernsthafte Schauspiele meint, andererseits jenes bis zur Unkenntlichkeit verhackstückte Fleisch. Etwas, das für sich allein kaum vorkommt. Aber die Schweriner Fritz-Reuter-Bühne hat es nun unternommen, seinem Publikum eine Farce pur, ohne alles umhüllende Beiwerk, zu servieren: "De Chorprow" von Dietmar Bittrich, in’t Plattdütsche öwersett’t von Gerd Meier.

Und es ist schon eine höchst seltsame Chorprobe, die Ulrike Stern hier mit einer sechsköpfigen musikalisch in Hochform befindlichen Darstellerriege im Bauernhaus des Freilichtmuseums in Mueß in Szene gesetzt hat. "De wichtigst Prow oewerhaupt" soll es werden für einen Laienchor und dessen manisch ehrgeizigen Dirigenten. Soll doch beim Geburtstagskonzert für den Bürgermeister das Fernsehen dabei sein. Und nicht nur das: Als Erfolgsprämie winkt eine Reise in die Karibik...

Das beflügelt nicht nur die Sangeslust, sondern auch die Streitlust der Protagonisten. Was soll gesungen werden? Das seit Jahren Altbewährte oder ganz was Neues? Jeder kämpft gegen jeden und alle zusammen gegen den Dirigenten, der nun wiederum den Tyrannen raushängen lässt und mit allerlei Psychotricks seine widerborstige Sängerschar auf sein eigenes Opus, ein Kuckucks-Medley, einschwören will. Jens Tramsen spielt diesen Dirigenten als einen Mann hart an der Grenze zum Wahnsinn.

Dabei geben die Chorsänger ihr Bestes: Andreas Auer als Tenor Klaus, mit seinem gespreizten Gehabe wohl ein verhinderter Opernsänger, Christoph Reiche mit offenbar geschultem Bass als Heinz, Arja Sharma als Altistin Barbara mit hoffnungsloser Schwärmerei für den Maestro, Elfie Schrodt als Gisela singt Sopran und strickt unentwegt; und Christiane Möckel, die auch die musikalische Leitung der "Chorprow" inne hat, ist nicht nur als Begleiterin am E-Piano mit dabei, sondern durfte auch mit einem furiosen Klaviersolo glänzen. Im Übrigen aber wird heftig und viel gesungen - und das wieder einmal richtig gut. Der musikalische Bogen spannt sich dabei über vier Jahrhunderte. Vom Kanon "Viva, viva la musica" des Michael Praetorius aus dem 16. Jahrhundert über Eichendorff/Mendelssohns "Abschied vom Walde" (19. Jahrh.), das volkstümliche "Harr’ck ma n’ lütten Sluck" bis hin zum aus der Rum-Werbung sattsam bekannten "Summer Dreaming".

Dabei wurden schon Übungen wie ein simples do-ra-mi-fa-so-la mi-do zum gesanglichen Kunststückchen, ebenso das "simsalabimbambasaladusaladim" in unterschiedlichen Ausdrucksvarianten, bei dem auch das Publikum mittun konnte.

Letzteres hatte offenbar großes Vergnügen an dem eigenwilligen und oft verqueren Humor dieser "Chorprow". Mancher lachte lauthals, mancher schmunzelte in sich hinein. Auf jeden Fall mundete diese Farce dem Auditorium so gut, daß es mächtigen Schlussbeifall gab und der Ruf nach einer Zugabe laut wurde. Diese wurde gewährt, und sie bestand - natürlich - aus Johann Schnetzels opus 69. Was es damit auf sich hat, erfährt der geneigte Zuschauer in den nächsten Tagen und Wochen in Mueß, wenn die Niederdeutsche Staatsoperette Schwerin (formerly Fritz-Reuter-Bühne) dort wieder zur "Chorprow" einlädt.

Nächste Vorstellungen: am 29. und 30. Juni sowie vom 4. bis 7. und vom 11. bis 14. Juli um 18 Uhr im Freilichtmuseum Mueß

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen