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"...dass ich recht gut war in dem Film"

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erstellt am 03.Mai.2010 | 06:27 Uhr

Schwerin | Das 20. Filmkunstfest Mecklenburg-Vorpommern beginnt heute in Schwerin. Bis Sonntag wird der rote Teppich für so viel Prominenz wie noch nie in der 20-jährigen Geschichte des Festivals ausgerollt.

Den Vorsitz der Spielfilmjury hat Hollywood-Kameramann Michael Ballhaus. Weitere prominente Mitglieder sind die Schauspielerin Hannelore Elsner, Drehbuchautor Wolfgang Kohlhaase und der Dramatiker Christoph Hein. Die Kurzfilm-Jury leitet der Regisseur Andreas Dresen.

Der "Goldene Ochse", der Ehrenpreis des Festivals, wird Manfred Krug für dessen Lebensleistung verliehen. Renate Kruppa sprach mit dem Schauspieler und Sänger, der eigentlich so gut wie keine Interviews mehr gibt. Eigentlich...

Sie haben einst als Defa-Schauspieler eine Vielzahl unterschiedlichster Filme gedreht. An welche Rolle erinnern Sie sich heute noch gern?

Krug: Am liebsten erinnere ich mich an "Spur der Steine", einerseits, weil der Film viel mit dem damaligen Leben in der DDR zu tun hatte, andererseits, weil er Lösungsvorschläge gegen Missstände anbot, dritterseits, weil Frank Beyer, ein großer Regisseur, der im Lauf seines Lebens immer mutiger geworden ist, bereit war, die Dresche wegzustecken, die er für diesen Film bekommen hat. Dann hat mir gefallen, dass ich recht gut war in dem Film. Aber am schönsten fand ich das große Aufjaulen der Kulturoberen und die Blamage, in die sie sich durch das Verbot reingeritten hatten.

Wie denken Sie heute über "Spur der Steine"? War das Verbot wirklich nötig?

Ich denke über den Film noch genau so, wie ich immer über ihn gedacht habe. Noch heute ist er ein guter Schluck aus der Pulle für diejenigen, meist Jüngere, die wissen wollen: "DDR? Was war das eigentlich für ein Ding?"

Über die Ausbürgerung von Wolf Biermann und Ihre Haltung dazu haben Sie ausführlich in Ihrem Buch "Abgehauen" berichtet. Wie stehen Sie heute zu Wolf Biermann?

Ich werde ihm wohl immer dankbar sein für das, was er, vielleicht ohne es zu wissen, Gutes an mir getan hat: Als die DDR zu feige war, ihn einzusperren und ihn lieber draußen vor dem Tor hat stehen lassen, das war der Augenöffner, da wusste ich, dass ich alles versuchen musste, um ebenfalls zu verschwinden. Biermann und ich haben uns ein bisschen aus den Augen verloren. Ich weiß tatsächlich nicht, was er im Moment so macht. Vielleicht macht er dasselbe wie ich: Noch ein paar Jahre entspannt leben.

Großen TV-Erfolg hatten Sie in der ARD-Krimireihe "Tatort" als Kommissar Stoever. Schauen Sie sich jetzt noch Tatort-Folgen an? Welches Kommissaren-Duo findet Gnade vor Ihren Augen?

Sie werden es nicht glauben: Ich habe richtig Schiss davor, dass andere "Tatort"-Teams besser sein könnten als wir damals waren. Deshalb gucke ich mir keine "Tatorte" mehr an.

Sie haben sich als Jazz-Sänger einen großen Fan-Kreis erobert und sich nun auch als Buchautor etabliert. "Mein schönes Leben" erzählt viel von Ihrer Kindheit, von familiären Beziehungen. Von der "Karriere im Westen" würde mancher Leser gern mehr erfahren. Gibt es da noch ein Buch dazu?

Lust habe ich keine. Aber möglich ist alles.

Zu Ihren vielen Trophäen gesellt sich nun der "Goldene Ochse", die Ehrung des Schweriner Filmkunstfestes für Ihr Lebenswerk. Können Sie sich noch über solche Auszeichnungen freuen?

Aber ja. Eine Auszeichnung ist ein Lob. Ein Lob von Menschen, die sich sehr mit mir beschäftigt haben müssen. Denn sie hatten unzählige Möglichkeiten, andere Künstler auszuzeichnen. Dieses Jahr wollten sie mich herausheben, und ich bin dankbar und glücklich. Da der Ochse aus Gold ist, kann man ihn in äußerster Not vielleicht mal zur Pfandleihe bringen.

Das Schweriner Filmfest widmet sich ganz dem deutschen Kino. Junge Regisseure und Schauspieler haben hier eine gute Chance, wahrgenommen zu werden. Wie finden Sie dieses Engagement?

Mein Gott! Die Oscar-Verleiher haben auch mal klein angefangen. Die Kultur in kniffligen Zeiten hochzuhalten, die Künste - vor allem die Filmkunst - zu fördern, auch dann noch, wenn die Kassen schon lange leer sind, das grenzt schon an Heldenhaftigkeit. Strengen Sie sich bitte an, schreiben Sie ganz liebe Sachen darüber.

Man hörte von Ihnen jüngst versöhnliche Worte über die DDR. Es habe auch Schönes gegeben. Woran denken Sie dabei?

Nur mal ein Beispiel. Das Schönste war bei uns in Niederschönhausen der ungewisse Tag, an dem in der HO-Fleischerei die Ungarische Salami angeliefert wurde. Da war ich immer dabei. Ich duzte die Verkäuferin. Rosi und ich hatten ganz früher mal was miteinander gehabt. So was gibts im Westen nu gar nicht.

Das 20. Schweriner Filmkunstfest beginnt heute Abend um 19.30 Uhr im Capitol mit der Eröffnungsgala. Anschließend wird der Film "Boxhagener Platz" von Matti Geschonneck gezeigt, die Hautdarsteller sind anwesend.

Der Ehrenpreis "Goldener Ochse" wird Manfred Krug auf der Abschlussveranstaltung am 8. Mai um 20 Uhr verliehen.

Am 7. Mai gibt Manfred Krug gemeinsam mit Uschi Brüning und Jazzin the Blues ein Konzert und liest aus seinen Erinnerungen. Anschließend läuft der Film "Auf der Sonnenseite" (DDR, 1962).

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