zur Navigation springen

Buggenhagen : Das Kunstschloss am Peenestrom

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Till-Richter-Museum in Buggenhagen feiert einjährigen Geburtstag / Privater Sammler zeigt junge Künstler

Es sind Gesichter von Toten. Monumental, von nahem nur durch die Zusammenfügung einzelner Punkte zu erahnen. Die Bildpunkte hat der mexikanische Grafiker Miguel Aragón mit der Bohrmaschine gesetzt. An manchen Stellen zerfällt das Papier der Matrix fast, weil die Löcher dicht an dicht gebohrt sind. „Body Count“ nennt Aragón sein Werk, mit dem er den Opfern des Drogenkriegs in seiner Heimat ein Antlitz geben will.

Die Schau ist nur eine von gleich drei neu eröffneten Ausstellungen im Till-Richter-Museum im Schloss von Buggenhagen bei Wolgast, gelegen auf einer Landausbuchtung am Peenestrom. An diesem Sonntag gibt es das Museum dort seit genau einem Jahr. „Die Bohrmaschine ist hier nicht nur als künstlerisches Mittel bedeutsam“, erläutert Museumsdirektor Till Richter. Immer häufiger würden die Drogenkartelle die Geräte der Handwerker auch als Folterwerkzeuge nutzen.

Der Grafiker, der inzwischen am Staten Island College in New York als Professor unterrichtet, stammt aus der mexikanischen Grenzstadt Ciudad Juárez. Drei Monate lang hat er im vorpommerschen Buggenhagen eine ganze Serie von Bildnissen geschaffen.

Im Museum von Buggenhagen sind auch Arbeiten der texanischen Künstlerin Katherine Bash und Camera-Paintings des Neubrandenburger Fotografen Bernd Lasdin zu sehen. „Hier kann man Künstler entdecken, deren Werke in 20 bis 30 Jahren in den großen Museen der Welt zu sehen sein werden“, prophezeit der Kunsthistoriker und Kritiker Richter. Wie andere Sammler hofft er da-rauf, Künstler ganz am Anfang der Karriere zu entdecken, noch bevor die Preise ihrer Arbeiten in die Höhe schnellen.

In seinem Museum will Richter nicht nur seine eigene Sammlung präsentieren, sondern seine Liebe zur zeitgenössischen Kunst anderen vermitteln. Das in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erbaute klassizistische Herrenhaus Buggenhagen sei dafür der perfekte Ort, auch wenn es abseits der Touristenrouten liege, meint Richter. Neben großen Sälen, in denen auch monumentale Gemälde ausreichend Platz haben, gibt es viele Kabinette für kleinformatige Arbeiten. In Ateliers können Künstler in Residenz auf Einladung des Hausherrn ungestört arbeiten. Finanziert hat Richter den Museumsaufbau bislang komplett aus eigener Tasche. Obwohl im ersten Jahr gerade 1500 Besucher den Weg ins Museum fanden, ist Richter nicht unzufrieden. Schließlich habe er noch nicht groß Werbung gemacht. Für das zweite Jahr hofft er auf eine Verdopplung der Gästezahl. Dann könne das Museum seine Kosten wieder einspielen. Für Programme wie die Künstler in Residenz und für andere Aktionen will Richter sich jetzt auch um Sponsoren und Fördergelder bemühen.

Im Künstlerbund MV werden solche privaten Initiativen begrüßt. „In staatlichen Museen werden vor allem historische Gemälde gezeigt. Privat betriebene Galerien, Museen Kunstscheunen oder Kunsthallen geben auch zeitgenössischer Kunst einen Raum. Sie greifen damit aktiv gestaltend ein“, sagt Antje Schunke, Projektleiterin des Künstlerbundes, der landesweit rund 300 Mitglieder zählt.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen