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Kultur : Campieren für die Kunst

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Junge Norddeutsche Philharmoniker übernachten zwei Wochen in Rostocker Gymnasium. An den Abenden brillieren sie mit ihrem musikalischen Können

svz.de von
erstellt am 07.Aug.2014 | 12:00 Uhr

Bei den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern präsentieren nicht nur die großen Künstler der klassischen Musik ihre außergewöhnliche Begabung. Auch Nachwuchsmusiker können bei den Konzerten zeigen, dass sie mit den hochkarätigen Künstlern durchaus mithalten. So auch die 100 Nachwuchsmusiker der Jungen Norddeutschen Philharmonie (jnp).

Um sich perfekt aufeinander einzuspielen haben die 18- bis 26-Jährigen Instrumentalisten aus ganz Norddeutschland zwei Wochen lang im Innerstädtischen Gymnasium Rostock campiert. Dort haben sie dreimal am Tag je drei Stunden geprobt, sich abgestimmt und in den Pausen das Ferienlager-Flair auf dem Campus genossen. „Etwa 80 Prozent sind Musikstudenten aus Rostock, Lübeck oder Hamburg, aber es sind auch einige talentierte Laien dabei“, sagt Esther Killisch Vorstandsmitglied der jnp. Die meisten haben sich erst beim Sommercamp in Rostock kennengelernt und vorher noch nicht zusammen im Orchester gespielt. Der Weg, zu einem Klangkörper zu verschmelzen, war daher lang. „Die Musiker müssen auf ihre Lautstärke achten, auf ihre Mitspieler hören und zu einem Klang führen. Das ist wie ein Dialog“, erklärt Killisch.

In Niendorf auf Poel, in Woldzegarten und zuletzt gestern in Rostock haben sie die 1. Sinfonie Gustav Mahlers dargeboten und gleich mit einer besonderen Spielweise das Publikum zum Staunen gebracht. „Im vierten Akt standen alle Hornisten auf, um noch lauter zu werden und ihrem Spiel mehr Bedeutung zu verleihen“, sagt der Hornist, Jannik Neß. Das sei relativ unüblich.

Für die Arbeit im Orchester ist auch das soziale Miteinander von großer Bedeutung. „Es muss einfach menschlich passen“, sagt das Vorstandsmitglied. Beim Sommercamp sind die jungen Leute 24 Stunden am Tag zusammen. Dabei lernen sie, in der Gemeinschaft miteinander auszukommen und sich im Alltag zu organisieren. Damit der Tag reibungslos verläuft und alle satt werden, gibt es einen genau durchgetakteten Plan. Für jede Aufgabe wurden Teams beauftragt.

8.30 Uhr beginnt der Küchendienst mit den Vorbereitungen, damit eine halbe Stunde später alle ihr Frühstück bekommen. Anschließend wird geprobt. In den Pausen wird aufgeräumt, geputzt und vom ernannten Küchenchef eine Einkaufsliste für die kommenden Tage erstellt. „Wir haben auch ein Team, das die Pfandflaschen überall aufsammelt und eins, das den Innenhof in Ordnung hält“, sagt Killisch. Ganz wichtig sei der Kaffeedienst. Damit sind vier Musiker beauftragt, die den ganzen Tag dafür sorgen, dass das Lebenselixier nicht versiegt.

Bei all den Proben und den Pflichtaufgaben soll aber auch der Spaß, der zu einem typischen Feriencamp gehört, nicht zu kurz kommen.

„Der bunte Abend ist jedes Jahr ein Muss“, sagt Jan Geisler Koordinator der Freunde und Förderer der jnp. Seit drei Jahren campieren die Musiker in dem Rostocker Gymnasium. An dem bunten Abend führen alle, die Lust haben, ein witziges Spontantheater vor. „Es gibt ein fünfköpfiges Flaschenkonzert und zwei Cellisten, die gemeinsam auf einem Cello spielen“, ergänzt er. Auch eine Fußballmeisterschaft, bestehend aus acht Mannschaften, veranstalteten die Musiker während ihres Sommercamps. „Den Mitgliedern geht es darum, nach den anstrengenden Proben und Konzerten aufatmen zu können“, so Geisler. Nur einen einzigen Tag hatten die jungen Orchesterspieler komplett frei, um sich von den Strapazen zu erholen. Da ging es für die meisten direkt an den Warnemünder Strand, während die anderen einfach auf ihren Matratzen oder in Hängematten ausschliefen.

Schon heute geht es für die Musiker weiter nach Berlin. Dort geben sie am Sonnabend um 20 Uhr ihr Abschlusskonzert im Funkhaus. Nach der Sommerpause heißt es für die meisten Studenten wieder: Schulbank drücken.

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