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Theaterreform : Brodkorbs Reform mit Vieren

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Münchner Beraterfirma des Kultusministeriums legt Vorschlag für neue Theaterlandschaft im Osten vor / Anklam wird kommunal

svz.de von
erstellt am 17.Jun.2014 | 19:59 Uhr

Die Theaterreform im Osten des Landes nimmt Konturen an. Heute stellte das Münchner Beratungsunternehmen Metrum den Landtagsfraktionen und den betroffenen Theaterträgern seine Modelle vor.

Vielleicht gravierendster Einschnitt: Die Vorpommersche Landesbühne Anklam soll in kommunales Theater umgewandelt werden, eine Landesförderung entfiele damit. Allerdings soll die Vorpommersche Kulturakademie als Höhere Berufsfachschule für Theater und Schauspiel mit Ausbildungsstätten in Anklam, Zinnowitz und Barth profiliert und als solche auch aus Landesmitteln gefördert werden.

Metrum beschränkt seine Vorschläge – den im Fazit selbst verworfenen einer „Landesoper“ und den eines „Staatstheaters“ – daher auf die Theater- und Orchester GmbH (TOG) mit den Standorten Neustrelitz und Neubrandenburg und das Theater Vorpommern (TVP) mit den Standorten Stralsund und Greifswald. Beide gehen mit ganz unterschiedlichen Voraussetzungen an den Start: Das Theater Vorpommern steht sowohl bei der Förderung durch Landkreis und Kommunen als auch beim wirtschaftlichen Ergebnis deutlich besser da als die Theater- und Orchester GmbH. Ein Defizit aber droht beiden – Stralsund/Greifswald nur etwas später als Neubrandenburg/Neustrelitz. Diese Defizite sind aus Sicht der Gutachter nur durch eine Fusion beider Theater zu verhindern. Denn um bei tariflicher Bezahlung der Mitarbeiter zu einem ausgeglichenen Betriebsergebnis zu kommen, müsste die TOG bis zum Jahr 2020 rund 3,1 Millionen Euro einsparen, das TVP rund 2,7 Millionen Euro.

Unumgänglich ist aus Sicht von Metrum ein Abbau von 102 Stellen. Der größere Teil – 61 Stellen – wäre über Nicht-Nachbesetzung möglich, schließlich gehen bis zum Jahr 2020 an allen Standorten zusammen 79 Mitarbeiter in Rente, 18 Stellen müssten allerdings aus künstlerischen oder organisatorischen Gründen nachbesetzt werden. Der größte Aderlass steht den bislang zwei Orchestern bevor – durch Fusion der Klangkörper in Stralsund/Greifswald und Neubrandenburg und die Herabstufung auf ein B-Orchester wären 17 Stellen weniger nötig. In den Werkstätten, bei Masken- und Kostümbildnern sollen zwölf Stellen entfallen, im Leitungsbereich drei. Die Theater- und Orchester GmbH müsste zudem weniger Schauspieler und Chorsänger beschäftigen.

Parallel dazu sollen sich die einzelnen Standorte eines „Staatstheaters Vorpommern“ künftig als Produktionsstandorte für bestimmte Sparten spezialisieren. Metrum sieht dafür nach Expertengesprächen und Besichtigungen vor Ort sowie Analysen von Nachfrage, Gebäudesituation und Personalkapazität folgende Prioritäten: Stralsund wird gemeinsamer Produktionsstandort für alle Opernaufführungen. Dort werden auch 38 Musiker des geplanten gemeinsamen vorpommerschen B-Orchesters beheimatet bleiben.

Die anderen 60 Orchestermitglieder bleiben als Konzertorchester in Neubrandenburg. In der Viertorestadt sieht Metrum Konzerte auch als künftigen Produktionsschwerpunkt.

In Greifswald bleiben Schauspiel und Ballett angesiedelt. In Neustrelitz schließlich sollen Produktionen von Operetten bzw. Musicals konzentriert werden. Die Deutsche Tanzkompanie bleibt dort beheimatet, könnte aber stärker in die Opernproduktionen eines dann gemeinsamen Hauses eingebunden werden, um wiederum dem Greifswalder Ballett mehr Freiräume für Eigenproduktionen zu verschaffen. Zudem ist angedacht, den Bühnenbau für alle vorpommerschen Spielstätten in Neustrelitz zu konzentrieren.

Mit einem gemeinsamen Spielplan kann nach Überzeugung der Metrum-Gutachter dennoch das Programmangebot in allen Häusern aufrechterhalten werden. Ja: Während derzeit pro Jahr an allen Standorten zusammen rund 420 Vorstellungen gegeben werden, könnten es künftig mit einem gemeinsamen Spielplan sogar 450 Vorstellungen werden – bei, wie Metrum betont, einer gegenüber dem Ist-Zustand deutlich höheren Qualität der Produktionen und Aufführungen.

„Mit den Modellen haben wir eine substanzielle Grundlage für die weitere Diskussion“, sagte Kulturminister Mathias Brodkorb (SPD). Die Metrum-Vorschläge seien grundsätzlich schlüssig. „Ich gehe davon aus, dass sich die Träger der Theater und Orchester weiterhin konstruktiv am Diskussionsprozess beteiligen und es uns so gelingen kann, die Metrum-Vorschläge zu einem Konzept, das von allen getragenen wird, zu entwickeln.“

Das Konzept sei anspruchsvoll und mit Mehraufwendungen für die Theaterbeschäftigten verbunden, die mehr und weitere Wege auf sich nehmen müssten. Im Gegenzug, so der Minister, würden sie allerdings auch zehn Prozent mehr verdienen, denn eine seiner Prämissen sei die Rückkehr zu einem Flächentarifvertrag. Durch den Einstieg als Mitgesellschafter sei das Land außerdem dazu bereit, sich sowohl an den Kosten der Umstrukturierung als auch an anfallenden Investitionskosten zu beteiligen. Und schließlich winkte bei einer einvernehmlichen Lösung ab 2020 eine Dynamisierung der Landesförderung. „Damit sorgen wir langfristig für Stabilität der Theater“, so Brodkorb.

 

 

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