Landtag : Brodkorb soll CDU Theaterpläne erklären

Collage: Denny Schröter
Collage: Denny Schröter

Landtag beschäftigt sich heute auf Antrag von Unions-Fraktionschef Vincent Kokert mit Entwicklungsperspektiven für die Theater im Land

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02. Juli 2014, 07:59 Uhr

Am vergangenen Mittwoch meldete sich der Fraktionschef der CDU im Landtag, Vincent Kokert, per Telefon bei seinem Amtskollegen der Linkspartei, Helmut Holter. Das kommt nicht jeden Tag vor. Kokert wollte Holter überreden, den Antrag der Links-Fraktion zur „aktuellen Situation der Theater und Orchester“ im Zusammenhang mit dem neuesten Theater-Gutachten von Kultusminister Mathias Brodkorb (SPD) für den Osten des Landes von der Tagesordnung der morgigen Landtagssitzung zu nehmen. Dafür bot der CDU-Politiker an, das Thema selbst für die heutige Aktuelle Stunde auf die Tagesordnung zu setzen.

Was zunächst wie ein Trick aussah, um die Linke nicht zum Zuge kommen zu lassen, ist genau das Gegenteil. Es geht nicht um die Linke, es geht um die SPD. Deren Fraktionschef Norbert Nieszery gefällt es nämlich keineswegs, wenn der Koalitionspartner CDU den Bildungsminister mit dem heiklen Thema Theater herausfordert. Kultusminister Brodkorb hat alle Hände voll zu tun, um die Diskussion zur Theaterlandschaft in Zügeln zu halten. „Der Koalitionspartner täte besser daran, sich hinter die Reform zu stellen“, grummelt es in der SPD-Fraktion. Kokert sagte indes unserer Redaktion selbstbewusst: „Ich lege großen Wert darauf, dass die Fraktionen in der Themenwahl frei sind.“

Der CDU-Fraktionschef steht unter Druck. Die Kommunalpolitiker in Vorpommern – im Kernwahlgebiet der CDU – sind mit dem Fusionskonzept aus dem SPD-geführten Kultusministerium ganz und gar nicht zufrieden. Brodkorb will an jedem der vier großen Theaterstandorte in Greifswald/Stralsund und Neubrandenburg/Neustrelitz Sparten streichen. In einem großen „Staatstheater Vorpommern“ soll an jedem Spielort nur eine Sparte erhalten bleiben. Neustrelitz verliert das Schauspiel, Stralsund die Philharmonie, Anklam fällt ganz aus der Förderung. 100 Arbeitsplätze gehen verloren. Dafür locken Brodkorbs Münchner Berater der Firma Metrum mit Einsparungen in Millionenhöhe.

Sahen die Kommunalpolitiker das Papier zunächst als „geeignete Grundlage für die weitere Diskussion“, so rücken sie jetzt davon ab. Stralsunds OB, Alexander Badrow, sagte vor der Bürgerschaft: „Die Entscheidungen werden am Ende hier gefällt.“ An der Seenplatte spricht man vom „Tod der Theater- und Orchester GmbH Neubrandenburg/ Neustrelitz“.

Kokerts Problem: Ob Badrow, Neubrandenburgs OB Paul Krüger, Greifswalds OB Arthur König oder die Landräte Ralph Drescher und Heiko Kärger – alle wichtigen Kommunalpolitiker sind seine CDU-Parteifreunde. Er musste ihnen versprechen, die Brodkorbsche Reform „kann nur gemeinsam mit den Kommunalpolitikern umgesetzt werden“. Heute will Kokert selbst im Landtag reden. „Die Reform muss ausgewogen sein und darf nicht zu Lasten eines Landesteils gehen“, wird er fordern.

Brodkorbs Problem: Was die Diskussion im Osten viel schwieriger macht als die Reform im Westen des Landes, ist die Vielzahl der Träger – drei Landkreise und vier Städte wollen mitreden. Insider sprechen zudem von einer „durch und durch vergifteten Atmosphäre“. Im Frühjahr wurde nach dem Rücktritt des Neustrelitzer Intendanten Wilhelm Denné Schwerins Generalintendant Joachim Kümmritz als Teilzeit-Theaterchef nach Neustrelitz geholt. Seit Wochen gibt es ein peinliches Hickhack um die Verlängerung des Vertrages von Neubrandenburgs Chefdirigenten Stefan Malzew. Gestern wurde bekannt, dass Stralsunds Intendant Dirk Löschner 2015 vorfristig gekündigt wird.

Doch auch im Westen des Landes stockt Brodkorbs Reform. Das Metrum-Konzept stellte eine Landesträgerschaft für ein neues, aus den Schweriner und Parchimer Bühnen gebildetes „Staatstheater Mecklenburg“ für das Jahr 2016 in Aussicht. Sofort- und Umstrukturierungshilfen in Millionenhöhe fließen, ein Stellenabbau und Gehaltskürzungen bei Orchester und Chor sind vereinbart. Aber von einer gemeinsamen Intendanz zwischen Schwerin und Parchim spricht niemand mehr.

Rostock ist aus dem Prozess längst ausgestiegen, will sein eigenes Vier-Sparten-Haus erhalten. Brodkorb droht mit einer drastischen Kürzung der Landesmittel. Seit 20 Jahren bringt die Rostocker Kommunalpolitik keinen Theaterneubau zustande. Auch hier findet ein Intendantenwechsel statt. Der Schauspieler und Regisseur Sewan Latchinian vom Theater Senftenberg soll es ab August richten. Der schaffte als Erstes den Posten des Generalmusikdirektors ab. Weitere Personalquerelen zeichnen sich ab. Im Interview von Deutschlandradio Kultur mit Latchinian gestern Morgen war von einem „Minenfeld“ die Rede – Zukunft offen.

Für den Theaterpolitiker der Linksfraktion im Landtag, Torsten Koplin, ist die Theaterpolitik im Land „kulturlos“. Die Linke will auf einen zusätzlichen Tagesordnungspunkt zu den Theatern nicht verzichten. Und CDU-Fraktionschef Kokert hat sich zwischen beide Lager manövriert.


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