Kauf : Brodkorb holt Herzogskunst heim

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Land zahlt 9,5 Mio. Euro an Familie zu Mecklenburg:  252 Kunstwerke für MV - zwei Bilder für Herzogin

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26. März 2014, 12:06 Uhr

Georg David Matthieu hat sie alle gemalt: den Herzog Friedrich, die Herzogin Charlotte Sophie, die Herzogin Sophie Friederike und die Prinzessin Amalie. Selbst der Kammerdiener Johann Völler musste vor 250 Jahren still stehen, als der Hofmaler des Herzogs von Mecklenburg-Schwerin im Schloss von Ludwigslust zu Pinsel und Palette griff. Matthieu gilt als bedeutender Maler des Rokkoko. 13 seiner Portraits könnten bald wieder in Ludwigslust die Wände schmücken. Mecklenburg-Vorpommern hat sie – wie wir gestern berichteten – der Herzogin zu Mecklenburg abgekauft, zusammen mit 239 Kunstwerken der „Sammlung Christian Ludwig“.

Zahlreiche weitere Gemälde sind darunter. Auch Kommoden mit Marmorplatten oder mit Furnier, Eckschränkchen, Ohrensessel, Stühle und Büsten aus dem berühmten Ludwigsluster Pappmachee finden sich auf der Ankaufsliste. Stand- und Tischuhren sammelten die Herzöge, weil sie für technischen Fortschritt und Weltaufgeschlossenheit standen. Kerzenständer, Faltfächer und drei Zierdolche wechseln ebenfalls den Besitzer. Und eine Querflöte.

Mit der Sammlung will das Land vor allem das Ludwigsluster Schloss ausstaffieren. „Herzogliches Leben“ will es den Besuchern nahe bringen. Nicht um es zu verherrlichen, sondern weil die Familie die Geschichte Mecklenburgs geprägt hat. Und weil es die Leute interessiert. Ohne die Kunstschätze wäre eine solche Ausstellung kaum möglich.

„Mit der nun erzielten Einigung wurde ein fairer Kompromiss erzielt. Kulturpolitisch besonders bedeutsam ist dabei die Tatsache, dass die Sammlung nahezu vollständig dem Land, seinen Bürgern sowie Besuchern erhalten bleibt. Das Land verfügt hiermit auf Dauer über einen Kulturschatz von nationalem Rang“, sagt Bildungsminister Matthias Brodkorb (SPD) und scheut sich nicht, einzelne Stücke der Sammlung als besonders wertvoll hervorzuheben. Obwohl die Matthieu-Portraits natürlich herausragen. Aber sie waren sowieso nur „im Paket“ mit manchem eher unbedeutenden Stück zu haben.

Mehr als zehn Jahre haben das Land und Donata zu Mecklenburg um die Sammlung mit den 260 Kunstgegenständen gerungen. Vor drei Jahren drohten die Verhandlungen zu scheitern. Ein Teil des bis dahin ausgehandelten Kaufpreises von 7,9 Millionen Euro sollte mit 300 Hektar Wald beglichen werden. Das erschien Teilen der SPD und der Linkspartei vor der Landtagswahl politisch nicht opportun zu sein. Der damalige politische Wirbel um die angeblichen „Ölschinken“ hat jedenfalls Raum geschaffen für neue Gespräche, die nicht so recht in Gang kommen wollten.

Nun allerdings haben offenbar beide Seiten mehr für sich herausgeschlagen, als 2011 vereinbart war. Das Land zahlt 9,5 Millionen Euro an die Familie zu Mecklenburg. Das sind 1,6 Millionen Euro mehr, als Brodkorbs Vorgänger Henry Tesch ausgehandelt hatte. Die Kulturstiftung der Länder und die Bundesbeauftragte für Kultur wollen 1,8 Millionen Euro davon übernehmen.

Dafür bekommt das Land 252 Kunstwerke. Sechs weitere überlässt Donata zu Mecklenburg dem Land als Dauerleihgabe. Darunter ist das Bild der aus Mecklenburg stammenden englischen Königin Charlotte. Das Werk wäre Millionen wert, wenn es der berühmte Maler Thomas Gainsborough selbst gemalt hätte. Seit zehn Jahren steht allerdings fest, dass es „nur“ eine Kopie aus seiner Werkstatt ist.

Mit nach Hause nimmt Donata nur zwei Bilder. Vor drei Jahren wollte sie 234 Bilder verkaufen und 26 behalten. Donata Herzogin zu Mecklenburg-von Solodkoff gestern gegenüber unserer Zeitung: „Ich bin zufrieden, dass die Sammlung in Mecklenburg-Vorpommern bleibt. Mit den wenigen zurückgehaltenen persönlichen Erinnerungsstücken kann die herzogliche Familie die historische Verbindung mit dem Land auch in Zukunft aufrecht erhalten. “

Mit zum Kauf gehört nun auch der Dachbodenfund aus dem Schloss in Ludwigslust. Über ihn wurde vor 2011 gar nicht verhandelt. 323 Positionen umfasst die Liste mit Kunstgegenständen, Möbeln, Porzellan...

Die „Sammlung Christian Ludwig“ ist nach dem Vater Donatas benannt, obwohl er diese Dinge nicht selbst gesammelt hat. Sie besteht vor allem aus Gegenständen, mit denen ihr Großvater Friedrich Franz IV. seit 1920 das Schloss in Ludwigslust einrichtete und ausschmückte; meist Dinge aus den anderen Schlössern, die die Familie nach ihrer Entmachtung 1918 dem Staat überlassen musste. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Sammlung beschlagnahmt und erst 1997 wieder der Familie zu Mecklenburg zugesprochen. Damals war sie deutlich größer. 260 Kunstwerke lieh die Familie dem Land, 152 behielt sie für sich, darunter auch vier Gemälde von Matthieu. Eines erzielte 1999 auf einer Versteigerung einen Preis von 162 000 Dollar.

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