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Norddeutsches Krippenmuseum in Güstrow : Bilder voller Hoffnung

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Das Norddeutsche Krippenmuseum in Güstrow erzählt alle Weihnachtsgeschichten rund um den Globus. Sie ist eine bildliche Darstellung von Szenen aus dem Leben Jesu. Heidemarie Wellmann ist davon fasziniert.

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erstellt am 24.Dez.2012 | 10:31 Uhr

"…und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge." So berichtet das Lukas-Evangelium von der Geburt Jesu. Das provisorische Babybett im Stall steht wie kein anderes Bild für die Weihnachtsgeschichte und eine Krippe im wörtlichen Sinne ist nicht nur ein Futtertrog.

Sie ist auch eine bildliche Darstellung von Szenen aus dem Leben Jesu. "Die Weihnachtsgeschichte ist eine der schönsten Geschichten. Es geht zu Herzen, dass Gott sich in einem Kind zeigt und die Freude der Menschen darüber wird in den Krippen sichtbar", beschreibt Heidemarie Wellmann vom Norddeutschen Krippenmuseum in Güstrow die Faszination dieser Darstellungen. Eine Faszination, die hier, im einzigen Krippenmuseum des Nordens, von Künstlern aus der ganzen Welt genährt wird. Da gibt es die Krippe aus venezianischem Muranoglas und die aus sprödem Eisenholz aus Zaire. In der chilenischen Tonkrippe schlummert das Kind in einer indianischen Rückentrage, während in der Darstellung aus Paraguay Wasserschweine die Rolle der Schafe übernommen haben. Muscheln, Bernstein und Bananenblätter, Seide und Messing, ja sogar Mülltüten und Plastikchips sind die Materialien der Künstler, die die Weihnachtsgeschichte vor dem Hintergrund heimischer Traditionen bebildern - mit einer Reisweinflasche als Opfergabe aus Korea, "kleinen Heiligen" aus der Provence und den drei heiligen Königen als Leuchtfiguren zum Anknipsen aus den USA.

Die Sammlung des Museums fußt auf der Stiftung von Mechthild Ringguth, die Weihnachtskrippen aus rund 70 Ländern zusammengetragen hat. Die gläubige Christin bereiste selbst die meisten dieser Länder rund um den Globus. Und inmitten von Namen wie Äthiopien, Burkina Faso und Indien, Spanien, Dänemark und Italien kam irgendwann Mecklenburg ins Spiel. "Mechthild Ringguth war bereits über 80 und im Bewusstsein der Endlichkeit des Lebens suchte sie nach einem Ort, um ihre Kinder zu Bett zu bringen", erzählt Heidemarie Wellmann. Die Güstrower wiederum suchten nach einer neuen Bestimmung für die Heilig-Geist-Kirche.

Gebäude mit 700-jähriger Geschichte

Das zu den ältesten Gebäuden der Stadt zählende Hospital im Stil gotischer Backsteinarchitektur entstand zu Beginn des 14. Jahrhunderts und ist ein bedeutendes mittelalterliches Baudenkmal Mecklenburgs. Hier wurde 1525 der erste lutherische Gottesdienst Güstrows gefeiert und hier sind noch heute viele Fragmente einer 700-jährigen Geschichte erhalten. Sie machen aus der sanierten Kirche einen inspirierenden Ort, der für die Krippen und die darin ausgedrückte tiefe Frömmigkeit einfacher Menschen wie geschaffen ist.

Rund 600 Krippen gehören heute zum Fundus des Museums. Nicht alle sind ständig zu sehen. Jedes Jahr zum 1. Advent, wenn das neue Kirchenjahr beginnt, wird neu dekoriert. In diesem Jahr gibt es erstmals eine zentrale Thematik, angeregt von einer Plastik des Bildhauers Ernst Barlach. "Ruhe auf der Flucht II" entstand 1924 in Barlachs Güstrower Atelier am Inselsee und ist als Leihgabe der Ernst-Barlach-Stiftung im Krippenmuseum zu sehen. Maria, das Kind im Arm, lehnt sich an Josef, der schützend den Mantel über beide breitet. "Flucht und Vertreibung sind heute ein genau so aktuelles Thema wie vor 2000 Jahren", sagt Heidemarie Wellmann. "Viele Menschen sind durch eigene Erfahrungen oder die Fluchterfahrungen von Eltern und Großeltern geprägt, die wissen, was es bedeutet, ins Ungewisse aufbrechen zu müssen." Für die neue Ausstellung wurden deshalb mehrere Krippen ausgewählt, die Maria und Josef, das bekannteste Flüchtlingspaar der Welt, auf dem Weg nach Ägypten zeigen. Heidemarie Wellmann ist besonders eine Krippe aus Syrien ans Herz gewachsen, auch deshalb, weil die Menschen dort gerade so viel Leid erfahren.

Die Krippen sind Darstellungen voller Hoffnung, fest in der Volkskunst verwurzelt. Es war Franz von Assisi, der 1223 neben einer Futterkrippe mit einem lebendigen Ochsen und einem Esel predigte, um auch "die des Lesens nicht Mächtigen" in die Weihnachtsgeschichte mitzunehmen. In den folgenden Jahrhunderten fanden sich figürliche Darstellungen zunehmend in Kirchen, bevor sich mit Beginn der Industrialisierung im 18. und 19. Jahrhundert auch einfache Menschen Krippen leisten konnten.

Das Volk liebte seine Krippen und ließ sich selbst von Verboten nicht beirren. So untersagte Kaiser Joseph II., Sohn Maria Theresias, das Aufstellen von Krippen wegen der "Beifügung von Personen, die nicht in der Bibel vorkommen". Aber eben diese Figuren sind es, die Krippen auch zu einem Spiegel des Alltags machen. Ein Alltag, der mit einer "Entdeckungsreise" durch das Museum lebendig wird. Mit auf den Weg gibt es die Begeisterung anderer Besucher: "Wunderschön, neu, herzerwärmend", lauten Kommentare im Gästebuch. Ein Jahr lang, bis zum 1. Advent 2013, wird die aktuelle Ausstellung nun zu sehen sein.

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