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Kultur : Betulicher Opernabend von Staatskapelle aufgewertet

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Junger Kapellmeister leitet die Mecklenburgische Staatskapelle in der Neuinszenierung von Smetanas „Die verkaufte Braut“

„Die verkaufte Braut“. So schlimm der Gedanke auch sein mag, dass Menschen aus Geldgier verkauft werden: über dem Titel der Oper von Bedrich Smetana liegt vielmehr der Hauch des Komischen, die Vorstellung von Fröhlichkeit und Tanz. Im Großen Haus des Mecklenburgischen Staatstheaters erlebte die Oper am Freitagabend ihre Premiere in einer Inszenierung von Frank Bernd Gottschalk. Doch der Beifall für Gesang, Tanz und Fröhlichkeit schlug keine hohen Wellen.

Dabei strahlt schon der Bühnenvorhang Heiterkeit aus. Wie ein weißes Tischtuch mit bunt gewebten Streifen an der Kante hängt er herab. Er trägt ein Preisschild: 300 Gulden, dafür verkauft Hans seine Marie. Und die Streifen laufen auf dem Bühnenboden weiter und hängen als bunte Bänder bis in den Orchestergraben hinab. Dort spielt die Staatskapelle unter Leitung des jungen Kapellmeisters Gregor Rot das Streicherfugato am Beginn der Ouvertüre mit geschliffener Dynamik in brillantem Tempo. Welch eine Präzision im huschenden Getriebe, welch eine Leichtigkeit bei der Auflösung in den kompakten Orchestersatz! Danach ist man eingestimmt auf ein wirbelndes Fest, das ein tolles Hin und Her umgibt zwischen Wenzel, den die Marie heiraten soll, und Hans, den sie will.

Aber das bleibt aus. Auf der Bühne geht es nicht zu wie beim Erntefest in einem böhmischen Dorf um 1850, eher wie in Mecklenburg 150 Jahre später, wo die Jugend abgewandert ist, dorthin wo es Arbeit gibt. Nur mit Mühe füllt der in die Jahre gekommene Opernchor die ländliche Weite der Bühne: Es gab kein Geld für einen zusätzlichen Gastchor. Klanglich gleicht der Chor in der Einstudierung von Ulrich Barthel das dennoch gut aus, da bleibt kein Mangel!

Doch die Handlung zieht sich hin. Das Spiel wirkt in der öden grünen Tapete, mit der Bühnenbildner Lutz Kreisel das Landleben ausstattet, sehr betulich. Hühner füttern: Darum gehts ja nun wirklich nicht! Sonst wird eigentlich nur rumgesessen: links auf der Bank, rechts auf der Bank, in der Mitte vor dem Strohhaufen auf dem Boden. Da fand der Regisseur kaum Bildideen, die dörfliche Jugend und bräutliche Frische ausstrahlen. Sie können die Wirren um eine junge Liebe und ihre Gefährdungen durch kommerzielle Interessen Dritter nicht transportieren. Schon gar nicht die Tollheit, die Hans einfällt, um am Ende die 300 Gulden samt glücklicher Marie heimführen zu können.

Wäre da nicht Igor Storozhenko als Heiratsvermittler Kezal, der mit farbenreicher Stimme, Mimik und Gestik komödiantisch die Szene aufmischt, bliebe sie über weite Strecken blass. Lichtpunkte setzt allemal das Ballett in der Choreografie von Andreas Paesler. Und der Zirkus im 3. Akt mit Zirkusdirektor Christian Hees, Katrin Hübner als Tänzerin Esmeralda, den virtuosen Statisten und Kindern. Auch die Kostüme von Franziska Just bringen Farbe fürs Auge. Die Stimmen sind gut. Márta Kosztolányi als Marie mit kräftigem Sopran. In ihrem Gesicht glüht nicht Zornesröte darüber, dass Hans sie verrät, sondern bleicher Gram wie nach 20 Jahren missglückter Ehe mit ihm. Da nimmt man dem frischen Gestus von Stefan Heibach den jungen Hans eher ab. Eine schöne Studie des stotternden Wenzel liefert der Tenor Matthias Siddhartha Otto. Im Gedächtnis bleibt jedoch mehr ein rundum klangvoller, bisweilen opulenter Orchesterpart. Gegen ihn haben es die Solostimmen nicht leicht, der Chor aber kann standhalten.



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