Festspiele MV : Beseelt von Beethoven

Rudolf Buchbinder gilt als einer der weltweit renommiertesten Beethoven-Interpreten.
Rudolf Buchbinder gilt als einer der weltweit renommiertesten Beethoven-Interpreten.

Pianist Rudolf Buchbinder gibt Konzert in der Reithalle des Landgestüts Redefin

svz.de von
03. Juli 2014, 18:30 Uhr

Die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern bringen seit über zwei Jahrzehnten Musiker von Weltgeltung in den Nordosten. Zum Auftakt der diesjährigen Festspielzeit waren erstmals die Berliner Philharmoniker zu Gast und wurden vom Publikum im Landgestüt Redefin begeistert gefeiert. In der Reithalle gastiert nun an diesem Samstag (18 Uhr) der österreichische Pianist Rudolf Buchbinder. Er gilt als einer der weltweit renommiertesten Beethoven-Interpreten. Er war bereits im vorigen Sommer in der Festspielscheune von Ulrichshusen aufgetreten und hatte Bravo-Rufe geerntet. Frank Pfaff sprach mit dem 67-Jährigen über seine besondere Beziehung zu Beethoven und zur Nervosität eines Künstlers.

Das Werk Beethovens nimmt in Ihrem reichen künstlerischen Schaffen einen besonders großen Raum ein. Woher rührt diese Vorliebe?

Buchbinder: Mein Repertoire reicht von Bach bis zu zeitgenössischer Musik. Aber, das ist richtig, Beethoven ist schon ein zentraler Punkt, nicht nur in meinem Schaffen, auch in meinem Leben. Vielleicht rührt das ja von meiner ersten, frühen Begegnung her. Bei uns zu Hause hing eine Totenmaske Beethovens, von der für mich als Kind eine Faszination ausging, die sich dann auch auf seine Musik übertragen hat. In einem Buch, das in Kürze erscheinen wird, habe ich meine Erfahrungen niedergeschrieben. Es ist kein reines Fachbuch. Davon gibt es schon genug. Es ist mir wichtig, Beethoven auch jenen Menschen näher zu bringen, die nicht so viel mit Musik zu tun haben

In fast 50 Städten weltweit haben Sie in Zyklen alle 32 Klaviersonaten Beethovens gespielt. In Kürze gastieren sie damit bei den Salzburger Festspielen. Wenn man auf den großen Bühnen der Welt zu Hause ist, welchen Stellenwert hat dann eine Reithalle?

Die besonderen Spielstätten der Festspiele in Mecklenburg-Vorpommern machen ja den Reiz dieses Festivals aus. Aber es ist auch nicht die Größe des Festivals, der Bühne oder der Stadt, die den Wert bestimmen. Das Einzige, was zählt, ist die Qualität. Es ist fantastisch, was da in Mecklenburg-Vorpommern aufgebaut wurde. Große Orchester kommen und erstklassige Solisten. Das Festival ist enorm wichtig für das ganze Kulturleben in der Region. Und weil die Konzerte an so vielen verschiedenen Orten stattfinden, die nicht zu den üblichen Spielstätten zählen, gewinnt man auch neues Publikum.

Unter den Zuhörern sind aber auch in Mecklenburg-Vorpommern eher wenig junge Menschen.

Wir haben in Europa ein großartiges Kulturgut, um das uns die ganze Welt beneidet. Wir aber sind uns dessen zu wenig bewusst. Wir verabsäumen die Aufbauarbeit und bringen junge Menschen zu wenig zur klassischen Musik. Die mediale Entwicklung in den letzten Jahren war gewaltig, das Musikangebot in allen Richtungen ist enorm und jederzeit im Internet abrufbar. Das Live-Erlebnis ist aber unvergleichlich und kann auch den Zugang zur Klassik öffnen. Es ist für mich selbstverständlich, dass Schulklassen meine Proben besuchen können. Und wenn sie auch ein paar Witze machen, das stört mich nicht. Wenn am Ende nur bei ein paar wenigen Schülern Interesse geweckt ist, hat es sich schon gelohnt.

Sie haben mehr als 100 Tonträger eingespielt, viele Aufnahmen sind hoch dekoriert. Zuletzt waren es in der Regel Live-Mitschnitte.

Ich gehe seit vielen Jahren nicht mehr ins Studio. Aus drei Gründen: Es gibt dort keine Spontanität. Es gibt keine Emotionen. Und vor allem, es gibt keine Nervosität. Das sind drei wichtige Komponenten, die nur auf der Bühne stattfinden. Im Studio kann ich das Stück zehnmal spielen, irgendwann wird es schon funktionieren. Und das ist vollkommen falsch.

Bei all Ihrem Können und Ihrer Erfahrung, Sie sind noch nervös?

Ich werde nervöser, je älter ich werde. Man legt die Latte für sich immer höher. Die eigenen Erwartungen zu erfüllen, das ist das allerschwerste für mich.

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