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Brodkorb sieht Hochschul-Reformen als Vorbild : Bei Theatern kürzen wie bei den Unis

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Die Theaterlandschaft in MV steht vor tiefgreifenden Veränderungen. Bei der Theaterreform in Mecklenburg-Vorpommern will sich Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) am Hochschulpakt von 2006 orientieren.

Schwerin | Die Theaterlandschaft in Mecklenburg-Vorpommern steht vor tiefgreifenden Veränderungen. Noch ist unklar, wie sie nach der angekündigten Rosskur aussehen wird. Bei der anstehenden Theaterreform in Mecklenburg-Vorpommern will sich Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) am Hochschulpakt von 2006 orientieren. "An den Universitäten und Hochschulen fällt bis 2017 fast jede fünfte Stelle weg", sagte Brodkorb in einem Gespräch mit den Nachrichtenagentur dpa. Die zuvor existierende Struktur sei - wie bei den Theatern auch - nicht dauerhaft finanzierbar gewesen. Im Unterschied zu den Hochschulen lägen die Landesausgaben für Theater je Einwohner heute etwa doppelt so hoch wie in Bayern. Im Zuge des Hochschulpakts wurden Fächerdoppelungen abgebaut und weniger gefragte Bereiche zu Gunsten stärkerer Spezialgebiete aufgegeben. So ist die Lehrerausbildung heute weitgehend in Rostock konzentriert, das allgemeine Jurastudium an der Uni Greifswald. Welche Strukturen bereinigt werden, hätten die Universitäten und Hochschulen selbst entschieden, sagte Brodkorb. Ähnliches schwebe ihm für die Theater vor. "Wenn man dem Land die Entscheidung überließe, wo gespart wird, wäre das sicher nicht im Sinne der Bühnen und Kommunen." Ziel für die Theater müsse es sein, langfristig tragbare Strukturen zu schaffen und ein langfristiges Finanzierungskonzept von Land und Kommunen auf die Beine zu stellen. "Wenn die Kommunen zu einer konsequenten Reform bereit sind, bin ich bereit zu Gesprächen über einen langfristigen Theaterpakt", versprach der Minister.

Das Land finanziert an den Hochschulen langfristig 29 000 Studienplätze, wie Brodkorb weiter sagte. "Diese Zusage haben wir im Gegenzug zum Abbau der Stellen an den Hochschulen gegeben." Derzeit stellt der Bund zusätzliche Mittel in Millionenhöhe bereit, damit weitere Plätze für Bewerber aus den alten Bundesländern vorgehalten werden. Aktuell sind an den Hochschulen im Nordosten gut 40 000 Studenten eingeschrieben. So viele waren es noch nie.

Gegen den Hochschulpakt hatte es massive Proteste von Hochschulleitungen und Studenten gegeben, inzwischen ist es aber um das Thema ruhig geworden. "Jetzt haben wir an den Hochschulen eine einigermaßen vernünftige Struktur, die auch ausfinanziert ist", sagte Brodkorb.

Der Minister versicherte, es gebe keine vorgefertigte Meinung im Bildungsministerium, wie die künftige Theaterlandschaft in Mecklenburg-Vorpommern aussehen soll. "Auch nicht die, dass es nur noch zwei Orchester geben soll. Auszuschließen ist dies derzeit aber auch nicht", sagte er. Der entsprechende Vorschlag sei eine Schlussfolgerung des Landesrechnungshofes aus einem Gutachten gewesen, dass die Prüfbehörde in Auftrag gegeben hatte.

"Man muss jetzt abwarten, was die Gespräche des Staatssekretärs Sebastian Schröder mit den Theatern und den zuständigen Kommunen ergeben und welche Vorschläge von den Kommunen und Theatern kommen." Der Aufsichtsrat des Mecklenburgischen Staatstheaters hat bereits vorgeschlagen, die niederdeutsche Fritz-Reuter-Bühne zu schließen, die Staatskapelle zu verkleinern und Gehälter zu kürzen.

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erstellt am 27.Dez.2011 | 07:19 Uhr

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