Störtebeker-Spiele : Bauleute erobern Ralswiek

Der Intendant der Störtebeker-Festspiele, Peter Hick
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Der Intendant der Störtebeker-Festspiele, Peter Hick

Bevor Störtebeker und Co. zum 22. Mal die Schwerter kreuzen, beherrschen Bagger und Bohrer die Bühne.

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11. März 2014, 08:00 Uhr

Mit kurzen Ansagen dirigiert Klaus Tiedtke die Hebebühne auf der Naturbühne Ralswiek. „Mehr nach links“, ruft er. Kollegen aus seinem Bauteam verkleiden eine knapp 100 Quadratmeter große Sperrholzwand mit grauen Kunststoffplatten. Sie sollen die Wand wie eine Festungsmauer aussehen lassen. Tiedtke überprüft aus 20 Meter Entfernung die Wirkung – und ist zufrieden. „Die Illusion soll für den Zuschauer perfekt sein“, sagt er.

Bei den Störtebeker-Spielen, die am 21. Juni mit dem Stück „Gottes Freund“ in ihre 22. Saison starten, sind derzeit die Bauleute, Kostümbildner und Requisiteure die Stars. Bevor Störtebeker und Co. auf der 60 Meter breiten Bühne am Jasmunder Bodden ihre Schwerter kreuzen, werden mehr als 240 Festmeter Holz verbaut, etliche Tonnen Farbe und Hunderte Meter Stoff verarbeitet.

Spätestens am 11. Mai, zu Probenbeginn, soll die Bühne fertig sein, sagt Tiedtke.

Die Störtebeker Festspiele sind ein privates Familienunternehmen. Als ein „gutes Diktat“ beschreibt Intendant Peter Hick seinen Führungsstil, der 1991 von den Karl-May-Festspielen in Bad Segeberg nach Rügen kam und dort ohne staatliche Zuschüsse die Festspiele begründete. „Ideen sind willkommen, werden aufgenommen und diskutiert“, sagt Hick. Entschieden werde dann aber in einem kleinen Gesprächskreis. Das macht aus seiner Sicht den langjährigen Erfolg der Festspiele aus.

Störtebeker ist ein Phänomen in Superlativen: Seit Jahren sind die Festspiele deutschlandweit führend bei den Besucherzahlen. Mehr als 340 000 Zuschauer verlebten im vergangenen Jahr einen lauen Sommerabend mit Kanonendonner, brennenden Häusern und Schiffen und wohltemperierten Romantik-Szenen.

„Die Festspiele stehen für Kontinuität“, versucht Peter Dehler, der Schweriner Schauspieldiektor und neue Regisseur, den Erfolg von „Störtebeker“ zu erklären. „Nie zu banal, nie zu modern. Ein Spagat zwischen guter Unterhaltung und klugen Worten.“ Das Publikum wolle Lippi (Wolfgang Lippert) sehen und „keine schrägen Experimente“.

Dehler soll die Störtebeker-Festspiele auf bewährtem Kurs führen. Mit Stuntkoordinator Ronny Paul besprach Dehler bereits neue Effekte, mit Intendant Hick arbeitete er am Buch. Den Text der diesjährigen Inszenierung habe er auf Band gesprochen, Musik und Kanonendonner draufgelegt. „Man muss die Geschichte in das richtige Maß bringen“, sagt Dehler, der bei den vergangenen Schlossfestspielen in Schwerin die Operette „Die Fledermaus“ als Open-Air inszeniert hatte.

Die Besetzungsliste steht– bis auf zwei Rollen. Zwei Darsteller, die die Rollen der dänischen Königin Margarete und eines Kaufmannssohnes übernehmen sollen, müssen noch zum Vorreiten kommen.

Körperliche Fitness sei Voraussetzung für ein Engagement bei den Festspielen, sagt der frühere Stuntman Hick. Bastian Semm und Andreas Euler bestanden im vergangenen Jahr ihre Feuerproben als Titelheld Störtebeker und Kompagnon Goedeke Michels. Beide sind seit Herbst für die Festspiel-saison 2014 gesetzt.

Rund fünf Millionen Euro kostet die diesjährige Störtebeker-Produktion mit immerhin 140 Darstellern und 30 Pferden, die vor den Kulissen der Feste Stockholm und des mittelalterlichen Wismars agieren.

Die Vorverkaufszahlen mit bislang 140 000 bestellten und verkauften Tickets lägen rund 23 Prozent über dem Vorjahr. „Das hat nichts zu bedeuten“, sagt Hick. „Die Toten werden nach der Schlacht gezählt.“


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