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Ausstellung des Anstoßes

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Hat die Landeshauptstadt wieder einen Ausstellungs-Aufreger? Mit „Erzwungene Wege – Flucht und Vertreibung im Europa des 20. Jahrhunderts“ ist seit gestern ein politsch hoch umstrittenes Projekt zu Gast. „Wir wollen mit der Ausstellung die Vertreibungsopfer der Vergessenheit entreißen“, sagte Sibylle Dreher, Präsidentin des Frauenverbandes im Bund der Vertriebenen (BdV) gestern bei der Ertöffnung im Schleswig-Holstein-Haus Schwerin. Es gehe nicht nur um die deutschen Opfer, „diese Ausstellung widmet sich der Aufgabe, den Blick auf die vielfältigen Vertreibungen in Europa und seinen Grenzgebieten im 20. Jahrhundert zu werfen“.

Neu ist die Schau nicht. Ihre Premiere hatte sie bereits 2006 in Berlin, unter großem Medienrummel. Hintergrund: Hinter „Erzwungene Wege“ steht der Bund der Vertriebenen (BdV) mit seiner Stiftung „Zentrum gegen Vertreibungen“ und die Schau war von BdV-Chefin Erika Steinbach, die gestern verhindert war, als Kernstück einer künftigen Dauerausstellung in Berlin gedacht. Vor allem polnische Politiker und Medien hatten damals die Schau kritisiert, die wegen des großen Erfolges in eine Wanderausstellung umgearbeitet wurde.

Kuratorin Dr. Katharina Klotz betonte, dass man das Thema Vertreibung bewusst im gesamteuropäischen Zusammenhang darstelle und dabei auch Völker beleuchte, die heute kaum noch Beachtung fänden. „Wir benennen ausdrücklich den Genozid an den Armeniern in der Türkei. Oder denken Sie an das Schicksal der finnischen Karelier – das finden Sie in keinem Lehrplan“, so Dr. Klotz. Die Verfolgung der Juden in Deutschland habe man bewusst nur bis zum Beginn der Vernichtung dargestellt. „Der Holocaust wird an anderen Gedenkstätten dargestellt.“

Eine Entscheidung, die Schwerins Kulturdezernent Hermann Junghans richtig findet: „Jede Ausstellung muss sich beschränken.“ Dass gerade die Einordnung der Judenverfolgung in eine Reihe mit der Vertreibung der Deutschen oder der Griechen aus der Türkei dazu führen könne, dass Ausstellungsbesucher das als Relativierung oder Vergleichbarkeit wahrnehmen, weist Junghans zurück: „Wichtig ist, dass es nicht irreführend ist. Vergleichbarkeit heißt ja nicht Gleichsetzung.“

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erstellt am 02.Sep.2010 | 08:41 Uhr

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