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Aus der Tiefe des szenischen Raumes

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erstellt am 16.Jun.2011 | 03:30 Uhr

"Sagen sie ruhig Bühne." Sagt Lutz Kreisel. Dabei waren es doch immer ausdrücklich "Szenische Räume", für die der ehemalige Chefbühnenbildner des Staatstheaters bei den Schlossfestspielen verantwortlich zeichnete. Und das waren eine ganze Menge: "Nabucco", "Don Carlos", "Ein Maskenball", "Rigoletto", "Der Troubadour", "Die Macht des Schicksals"… Und nun hat Kreisel die amphitheatralische Freilichtbüne in eine bewaldete Hügellandschaft verwandelt, in der backsteinige Ruinen wie vom Kloster Eldena stehen und überhaupt: "Wir spielen mit romantischen Zeichen." Mit romantischen Ikonen, um genau zu sein, mit Caspar David Friedrich. Auf dem Bühnen-Vorhang sind kahle Bäume zu sehen wie von der Hand des romantischen Malers, im typisch fahlen Licht, der Mond im Hintergrund.

Eine richtige Bühne ist das hier, kein 60 Meter breiter Szenischer Raum, wie bisher immer auf dem Alten Garten. Etwas Guckkastenhaftes hat Kreisels Entwurf sogar - ein goldfarbener Rahmen fokussiert den Blick auf das Zentrum der Bühne. "Der Rahmen ist technisch notwendig", sagt Kreisel, aber er nehme auch das Motiv der Bilderrahmen auf, die den Schlossfestspielbesucher schon am Eingang zum Schlossgarten erwarten, "und er ist eine Art Zusammenfassung, ein Fixierinstrument für die Bühne". Technisch notwenig deshalb, weil der Rahmen nichts anderes ist als ein gigantischer Lautsprecher, was man ihm nicht ansieht, und Träger der Lichttechnik, was man ihm deutlich ansieht. Die Scheinwerferbatterien stören den Chef-Bühnenbildner aber gar nicht: "Theater braucht Licht, das darf jeder sehen." Viel mehr musste er mit den vier Masten kämpfen, die gewöhnlich das Zeltdach der Bühne tragen und nicht abbaubar sind. "Noch sieht man sie, aber abends und neu gestrichen werden sie kaum auffallen."

Je mehr sich die Dämmerung über den Schlossgarten legt, desto klarerer kann man sehen, wie die Dunkelheit die Konturen des Bühnenbildes verschwimmen lässt und schließlich alles wie eine organische Einheit wirkt, aus der die Scheinwerfer die jeweiligen Szenen herausleuchten werden. Auch an den Rändern wird sich das Geschehen abspielen, aber alles führe auf das Zentrum hin, sagt Kreisel: "Wie in der antiken Amphitheater-Arena."

In den rund 600 Quadratmetern Bühnenfläche - inklusive Raum für das Orchester - stecken 500 Quadratmeter Stoff, 400 Quadratmeter Kunstrasen, 350 laufende Meter Holzbalken und rund zwei Kilometer Stahlprofile - und ein Jahr Planung. "So lange braucht man", sagt Kreisel. Die ersten Gespräche für die "Freischütz"-Bühne führte er, während die Endproben für die Oper "Macht des Schicksals" durch den ebenfalls von ihm entworfenen Szenischen Raum gingen. Damit, wie Schlosserei, Maalsaal und Tischlerei sein Modell umgesetzt haben, sei er ausgesprochen zufrieden.

Hinter dem Vorhang mit dem fahlromantischen Wald leuchtet ein Feuerschein. "Da probiert einer gerade das Feuer zum Gießen der Freikugeln, obwohl er das noch gar nicht darf." Lutz Kreisel nennt den Vorhang die "Brechtgardine", und die sei eben nötig für die kurzen Umbaupausen, schließlich muss die Bühne von der Schützenfest-Szene in ein Försterhaus in die Wolfsschlucht umgebaut werden, insgesamt gibt es fünf Bilder. "Wir spielen eben Theater", sagt Kreisel.

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