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Auf den Spuren von Gundi Gundermann

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erstellt am 16.Apr.2013 | 10:31 Uhr

Schwerin | Als musikalischen Höhepunkt des kommenden Filmkunstfests MV wird die Randgruppencombo am 1. Mai ein exklusives Konzertprogramm mit Liedern des unvergessenen Gundi Gundermanns spielen. Auf die Idee zu diesem Auftritt kam der Berliner Musikmanager und Verleger Dr. Klaus Koch aus gutem Grund. Gundermann und seine Band "Seilschaft" hatten bereits im Jahr 1995 anlässlich des fünften Filmkunstfestes ein bejubeltes Konzert in Schwerin gegeben. Damals war Gundermann am Zenit seines künstlerischen Schaffens. Keiner war in seinen Texten so nah dran an den Hoffnungen und Ängsten seiner Hörer. Keiner widersetzte sich so trotzig dem Zeitgeist. Als der Sänger Anfang 1995 vom Boulevard als IM enttarnt wurde, sah der "Zeit"-Kommentator Steve Koerner bereits das Ende von Gundermanns Karriere nahen. Das Gegenteil war der Fall.

Der Musiker zeigte öffentlich in ausverkauften Konzertsälen seine Scham, nicht von sich aus und nicht eher über die Rolle als Spitzel gesprochen zu haben. Aber er ging dabei in die Offensive: "Ich sehe mich nicht als Opfer und auch nicht als Täter. Ich habe mich mit der DDR eingelassen, mit wem sonst? Und ich habe ausgeteilt und eingesteckt. Und ich habe gelernt. Deswegen bin ich auf der Welt." Mit seinem Lied "Sieglinde" setzte sich Gundermann später musikalisch mit diesem Teil seiner Vergangenheit auseinander. Im Westen Deutschlands zu seinen Lebzeiten kaum wahrgenommen, galt Gundermann im Osten weithin als "Dylan der Tagebaue" oder "Springsteen des Ostens". Viele nannten den Sänger und Songschreiber auch voller Respekt "den singenden Baggerfahrer aus Hoyerswerda". Dabei kam er gar nicht aus Hoyerswerda. Geboren wurde Gerhard Gundermann im Jahr 1955 in Weimar. Aber mit elf Jahren zog er mit seiner Mutter in die Industriestadt in der Lausitz. In dieser Landschaft mit riesigen Tagebauen, deren Braunkohle im VEB Gaskombinat "Schwarze Pumpe" verarbeitet wurde, damals ein Großbetrieb mit über 15 000 Beschäftigten, hat er 23 Jahre als Baggerfahrer gearbeitet. Hier hat er auch seine Songs geschrieben. Und in Hoyerswerda ist er am 21. Juni 1998 dann auch mit nur 43 Jahren im Schlaf gestorben. Seinen frühen Tod muss Gundermann geahnt haben. Im 1993 erschienenen Album "Der siebte Samurai" sang er:

einmal bleiben morgens

meine schuhe leer

einmal hilft mir auch dein

fliedertee nicht mehr

einmal fall ich in den

schwarzen trichter rein

einmal lass ich dich allein…

Seit seinem frühen Tod kümmert sich das Berliner Independent-Label Buschfunk um das musikalische Erbe des Liedermachers. Mit "Krams - Das letzte Konzert", "Live im Tränenpalast" und "Gundermann Werkstücke I bis III" wurden umfangreiche Aufnahmen aus Gundermanns Nachlass einem breiten Publikum zugänglich gemacht, das mittlerweile auch im Westen Deutschlands zuhört. Der westdeutsche Musiker und Theatermacher Heiner Kondschak hörte eher zufällig Gundermann in seinem Autoradio und stellte da raufhin spontan eine Band zusammen, die das umfangreiche Song-Werk auf der Bühne am Leben hält.

"Etwas Besseres hat uns nicht passieren können. Denn Gundermanns Lieder gehören einfach auf die Bühne. Dort entfalten sie die größte Wirkung", sagt Dr. Klaus Koch. Dabei war der Label-Inhaber am Anfang sehr skeptisch, ob die westdeutsche Gruppe den Spirit des Ossis Gundermann überhaupt einfangen könne. Auch Bandleader Heiner Kondschak hatte beim Start der Randgruppencombo vor rund zehn Jahren eher gemischte Gefühle: "Am Anfang war uns schon bewusst, dass wir bei vielen Fans eher auf Vorurteile als auf spontane Gegenliebe stoßen könnten. Erst als mir nach einem Konzert eine Frau den Inhalt ihrer Tasche voller Eier zeigte und sagte: ,Eigentlich wollte ich ihnen die Eier heute an den Kopf werfen. Aber nun habe ich es nicht getan. Denn sie haben mich überzeugt..., da wusste ich - das Eis ist gebrochen."

In der Tat haben sich die Musiker der Randgruppencombo mit ihren rund 40 auf der Bühne zum Einsatz kommenden Ins trumenten mittlerweile einen fast legendären Ruf erspielt. Achtzehn Jahre nach Gundermanns Festival-Auftritt in Schwerin werden sie nun ihre Mecklenburg-Premiere im großen Saal des Festivalkinos Capitol feiern. Nicht nur alte Gundermann-Fans dürften sich darüber freuen.

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