Schweriner Hauptdarsteller : ARD-Posse: Lachen über die Grenze

Schauspieler Thorsten Merten als Soldat der NVA-Grenztruppen Ralle Pietzsch
Schauspieler Thorsten Merten als Soldat der NVA-Grenztruppen Ralle Pietzsch

ARD-Posse über Ossis, Wessis und die Absurditäten der deutschen Teilung. Früherer Schweriner Schauspieler Thorsten Merten in der Hauptrolle

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03. September 2015, 12:00 Uhr

„Ich mache mir ernsthaft Sorgen, dass niemand mehr diese Grenze ernst nimmt“, klagt der DDR-Grenzpolizist Major Neubert (Olaf Burmeister) zu Beginn. „Wir brauchen mehr Ernst.“ Die neue ARD-Serie „Sedwitz“, die heute  im Ersten startet, kann ihm diesen Wunsch nicht erfüllen. Die Mini-Serie zeigt in guter Tradition von Ostalgie-Krachern wie „Goodbye Lenin“ die lustige Seite der DDR.

„Sedwitz“ ist ein fiktives Dorf an der fränkisch-thüringischen Grenze und hat „26 Einwohner West“ und „23 Einwohner Ost“. Sedwitz ist ein geteiltes Dorf im Jahr 1988. Und dort verrichtet Ralf „Ralle“ Pietzsch (Thorsten Merten) Tag ein, Tag aus seinen Dienst an der innerdeutschen Grenze – den bundesrepublikanischen Klassenfeind immer im Blick, auch wenn der im verdächtig rhythmisch wackelnden Polizeibulli anderen Dingen nachgeht als seiner Wachsamkeitspflicht.

Das Urteil von Ralles Vorgesetzem Major Neubert über den West-Grenzer „Hubsi“ (Stefan Zinner): „Was für ein pflichtvergessenes, moralisch verkommenes Subjekt.“ Im Ernstfall gehe von so jemandem doch keine Gefahr aus. „Noch bevor der seine Hosen hoch hat, wären unsere Truppen schon in Regensburg.“

Am gleichen Tag nimmt das Leben von Grenzoffizier Ralle eine unerwartete Wendung. Denn Veteran Atze Stahlmann (Hansjürgen Hürrig) vertraut ihm im Sterben den Schlüssel zu einem Geheimgang an, der direkt aus einem Trafo-Häuschen in den Westen führt. Die Gelegenheit für Ralle, seinem Sohn Ole zum Geburtstag den heiß ersehnten Zauberwürfel zu besorgen, an den ohne West-Verwandtschaft leider kein Rankommen ist. Der Sohn soll das beliebte 80er-Jahre-Spielzeug als Trostpflaster bekommen, denn für die Familie von Ralle ist das Leben in der zwischendeutschen Sperrzone kein Zuckerschlecken. Bei seinem ersten Ausflug in die BRD ist es ausgerechnet West-Grenzer Hubsi, der ihn als Anhalter mitnimmt.

„Wir machen die Mauer im Jahre 1988 einen Spalt auf, sodass nur wenige durchschlüpfen können, damit wir besser sehen können, was die Mauer für den Normalbürger war“, sagte Autor Stefan Schwarz. „Die Grenze war ja nicht nur tödlich, sie war über die Länge ihrer Existenz auch lächerlich. Ihre Errichtung war ein Eingeständnis der Ohnmacht, des verloren gegangenen und weiter verloren gehenden Systemwettstreits. Und darum sollte man auch über sie lachen.“ Sechs halbstündige Folgen der Serie strahlt die ARD jeweils leider erst am späten Donnerstagabend aus. Wem das zu spät ist: Montags vorher sind die Folgen schon online zu sehen.

 
 

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