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Bildung MV : Ansturm auf Musikschulen

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Nachfrage nach Musikunterricht in MV wächst: Interessenten müssen sich auf lange Wartezeiten einstellen. Neuer Trend: Musik mit dem Tablet.

svz.de von
erstellt am 12.Sep.2016 | 05:00 Uhr

Die Musikschulen in Mecklenburg-Vorpommern erfreuen sich weiter großer Nachfrage, die Wartelisten sind lang. „Je nach Instrument kann es ein Jahr und länger dauern, bis ein Platz frei wird“, sagte Wolfgang Spitz, Direktor der Musikschule Stralsund, in einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur. Dort werden bis zu 1000 Schüler unterrichtet. Lange Wartezeiten gibt es auch an den Konservatorien in Schwerin und Rostock, wo über das Jahr hinweg rund 1500 beziehungsweise 1800 Schüler unterrichtet werden. Die Schulen merken auch, dass seit einigen Jahren die Geburtszahlen ansteigen - die musikalische Früherziehung erfreut sich zunehmender Beliebtheit.

Die Vorsitzende des Landesverbands der Musikschulen, Christiane Krüger aus Ueckermünde, geht davon aus, dass im neuen Schuljahr wieder rund 22.000 Schüler an den 18 öffentlichen Musikschulen unterrichtet werden. „Alle Schulen haben wieder die staatliche Anerkennung bekommen.“ Ein Dauerbrenner der meisten Schulen sei die geringe finanzielle Ausstattung, die sich in einem hohen Beschäftigungsanteil von Honorarkräften niederschlage, sagte Krüger. „Das macht die Arbeit unheimlich kompliziert.“ Keine allgemeinbildende Schule könne es sich leisten, mit einem Anteil von 50 oder 60 Prozent Honorarlehrern zu arbeiten. Das Problem der kommenden Jahre werde sein, dass viele hauptamtliche Lehrer in den Ruhestand gehen. „Aber junge Lehrer können nicht mit Honorarverträgen nach Mecklenburg-Vorpommern gelockt werden.“ Im Mittelpunkt des Unterrichts aller Schulen stehen die klassischen Musikinstrumente wie Klavier, Geige oder Gitarre, berichten die Musikschulen. Aber die Lehrer zeigen sich neuen Trends gegenüber aufgeschlossen, um junge Leute an die Musik heranzubringen, betonte Christina Lüdicke, Vizechefin des Schweriner Konservatoriums. Eine dieser Neuerung ist „iKONs - Musik machen mit dem iPad“. „Mit Hilfe verschiedener Apps kann komponiert, arrangiert, aber auch selbst auf dem Tablet gespielt werden“, sagte Lüdicke.

Der Vorteil: Musikalische Vorkenntnisse und Notenkenntnisse werden nicht vorausgesetzt, nur eigene Ideen. Auf diesem Weg, so hoffen die Lehrer in Schwerin oder auch in Rostock, wird der Weg zur Musik geebnet. Ob das funktioniert, kann in diesem Schuljahr überprüft werden. „Die Ergebnisse werden in einem eigenen Konzert der Konzertreihe KON-Takte präsentiert“, erläuterte Lüdicke.

Mit der Zusammenarbeit mit der Rockband Karat ist das Konservatorium Rostock in diesem Jahr einen völlig neuen und höchst erfolgreichen Weg gegangen, wie Direktor Edgar Sheridan-Braun sagte. Unter dem Motto „Karat meets Classic“ gab die Rockband gemeinsam mit dem Jugendsinfonieorchester des Konservatoriums und dem Freien Studentenorchester Rostock ein Cross-over-Konzert in der Stadthalle.

Eine zusätzliche und völlig andere Zielgruppe hat das Schweriner Konservatorium im Auge - die Senioren. Dabei gehen speziell ausgebildete Pädagogen in Altersheime und machen mit den Bewohnern Musik. Dort werden mit den Senioren, die teilweise auch unter Demenz leiden, alte Volkslieder gespielt und gesungen. „Die Pflege dieses Liederschatzes ist im Grunde auch Kulturpflege“, sagte Lüdicke.

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