Festspiele MV : Anne-Sophie mit Mutter’s Virtuosi

Anne-Sophie Mutter bei ihrer Interpretation von Vivaldis Jahreszeiten in einer einmaligen Aufführung
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Anne-Sophie Mutter bei ihrer Interpretation von Vivaldis Jahreszeiten in einer einmaligen Aufführung

Grandioses Konzert eines Weltstars auf dem Landgestüt Redefin / Großer Publikumszulauf für Festspiele Mecklenburg-Vorpommern

svz.de von
06. September 2015, 21:00 Uhr

Sommerlich wollte es am Samstag beim dritten und letzten Konzert der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern in diesem Sommer auf dem Landgestüt Redefin nicht mehr werden. Regen verzögerte den Beginn des beliebten Picknicks auf dem Hof des Gestüts um fast zwei Stunden. Dann lichteten sich die Wolken, und die Gäste kamen mit Picknick-körben und Klappstühlen.

Doch der richtige Ansturm des Publikums traf erst am frühen Abend zum Konzert ein. Knapp 3000 Zuhörer kamen, um Anne-Sophie Mutter zu hören, die sich mit eigenem Orchester angesagt hatte: mit Mutter’s Virtuosi. Dieses Solisten-Ensemble besteht aus Stipendiaten der Anne-Sophie Mutter Stiftung. Sie unterrichtet die jungen Virtuosen selbst oder unterstützt sie bei der Suche eines geeigneten Lehrers. Seit 2011 bildet Anne-Sophie Mutter aus den Stipendiaten ein Ensemble, mit dem sie seither in Europa, Asien und Nordamerika konzertierte.

Zuerst standen auf der großen Bühne in der Reithalle nur zwei Pulte und ein Stuhl. Die Solistin hatte zum Beginn des Programms ein Auftragswerk an Krzysztof Penderecki mitgebracht, das Duo concertante per violino e contrabasso. Für den Anfang fiel es den Hörern nicht leicht, sich in die Tonsprache des polnischen Komponisten hineinzuhören. Ehe das recht gelang, war das Stück vorüber.

Im vergangenen Jahr war das Nonett für zwei Streichquartette und Kontrabass von André Previn entstanden, ebenfalls ein Auftragswerk von Anne-Sophie Mutter. Mit ihren Virtuosi hat sie es Ende August in Edinburgh uraufgeführt. Das etwa halbstündige Werk gab dem Publikum genügend Zeit, sich mit Gestik und Sprache Previns anzufreunden.

Mit Bachs Doppelkonzert d-Moll für zwei Violinen und Streicher erreichte Anne-Sophie Mutter schließlich auch die letzten Hörer in der Halle. Als Solistin des 1. Violinparts überließ sie den zweiten in jedem der drei Sätze jeweils einem anderen jungen Spieler: der Französin Fanny Clamagirand den ersten, der Polin Agata Szymczewska den zweiten und den Finalsatz dem chinesischen Geiger Wei Lu. Stürmischen Applaus erntete das Ensemble für eine großartige Bach-Aufführung. Die Ecksätze in vehementen Tempi, die Themen kraftvoll akzentuiert, überhaupt die musikalische Gestik voller Lebendigkeit, und den langsamen Mittelsatz dagegen in einer überirdisch schwebenden Zartheit.

Zum Höhepunkt des Programms jedoch gerieten Antonio Vivaldis Violinkonzerte „Le quattro stagioni“ – Die vier Jahreszeiten. Das war eine Barockaufführung erster Klasse! Voller Lebendigkeit in der musikalischen Gestaltung, für die Reithalle mit unfassbaren dynamischen Kontrasten, und eine faszinierende Bildhaftigkeit der mit Überschriften versehenen Sätze, die das rein Musikalische jedoch nie verließ. Und bei aller Vitalität des Musizierens und der Freude, die dabei mitwirkte, waltete eine unglaubliche Präzision im Miteinander, aus der heraus überraschend spontan wirkende Ausbrüche aus Maß und Regel den Ablauf zuweilen unterbrachen, wie wenn der Blick auf einem Gemälde sich für Augenblicke an einem winzigen Detail festhakt. Fabelhaft!

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