Als wäre es die Carnegie Hall

<fettakgl>Daniel Hope ist Künstlerischer Direktor</fettakgl> der Festspiele - und hat die die Zusammenarbeit mit den Nachwuchs-Musikern aus den USA verstärkt. Am Donnerstag begeisterte das Konzert des Carnegie-Hall-Projektes das Publikum in Schwerin. <foto>Reinhard Klawitter</foto>
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Daniel Hope ist Künstlerischer Direktor der Festspiele - und hat die die Zusammenarbeit mit den Nachwuchs-Musikern aus den USA verstärkt. Am Donnerstag begeisterte das Konzert des Carnegie-Hall-Projektes das Publikum in Schwerin. Reinhard Klawitter

svz.de von
15. Juni 2012, 07:31 Uhr

Schwerin | Im Programm-Magazin der Festspiele MV zeigt sind das Grand Hotel Heiligendamm und das Programm des Carnegie-Hall-Projektes miteinander verflochten: Im Hotel hatten die jungen Künstler des Carnegie Hall Ensemble ACJW aus New York für eine Woche ihr Domizil samt Probenräumen, um gemeinsam mit einheimischen Musikern arbeiten zu können. Eines der Konzertprogramme stellte verfemte Musik vor. Das hat auch das Konzert am Donnerstagabend in der Schelfkirche Schwerin beeinflusst, wie der Künstlerische Direktor Daniel Hope erklärte: Bartók musste in die USA emigrieren, Messiaen schrieb sein "Quatuor pour la fin du temps" in deutscher Kriegsgefangenschaft, und selbst Robert Schumann wurde von den Nazis als "Arier" vereinnahmt und "dem Juden" Mendelssohn entgegengestellt.

Doch diese konzeptionelle Überlegung verblasste völlig vor der Interpretation der Werke - so sehr fesselte die Musizierweise der amerikanischen Musiker. Die Agilität des Trios für Oboe, Fagott und Klavier von Francis Poulenc und des Septetts für Bläser, Viola und Cello von Alexandre Tansman bekam eine so brillante Heiterkeit, auch einen Hauch französischer Komödie, dass sie einem schier den Atem nahm.

Perfektion hat hier nichts mit Kälte zu tun

Zunächst faszinierte die umwerfende Leichtigkeit des instrumentalen Spiels, die keine technischen Probleme zu kennen scheint und Virtuosität nicht als Schwierigkeit, sondern vielmehr als höchste Spiellust vorstellt. Selbst die scharfen Anschlagskontraste der Pianistin Elizabeth Joy Roe, die sich zwischen übermütig gehämmertem Forte und dezent sich integrierendem Piano bewegten, förderten den Eindruck der Leichtigkeit. Die aber funktionierte nur mit absolut präzisen Abläufen. Keine auffällige Bewegung, nicht einmal ein spürbarer gemeinsamer Atem vorab, und doch lief alles mit verblüffender Perfektion. Die Klarinettistin Romie de Guise-Langlois und der Geiger Daniel Hope demonstrierten gemeinsam mit der Pianistin an den "Kontrasten" von Béla Bartók, dass Perfektion nichts mit emotionaler Kühle zu tun hat. Denn sie trieben ihr spielerisches Engagement bis zum Äußersten: an Kraft, an Klangkontrast, an Sensibilität und auch an Geschwindigkeit. Und erzielten so ein Äußerstes an Ausdrucksintensität.

Ganz anders wirkte der 5. Satz Louange à léternité de Jésus aus Olivier Messiaens "Quartett für das Ende der Zeiten". Da entwickelte die Cellistin Julia MacLaine zusammen mit dem Pianisten Jeffrey Kahane ein Raffinement der Feinheiten. Welch ein Unterschied, ob der Celloton seinen Klang nach dem Akkordschlag des Klaviers aufblühen lässt oder ob er schon da ist, wenn das Klavier dazutrittt! Und welch ein Zauber, wenn beide gemeinsam gehen und den Farbklang in schillernde Bewegung versetzen! Da lag alle Konzentration auf der Virtuosität des Details und der subtilen Sprache. Die Zuhörer waren ergriffen und antworteten spontan mit Jubel und Bravorufen.

In Schumanns Klavierquartett Es-Dur bewiesen die Amerikaner, dass sie auch den romantischen Wehmutston mit einem wollüstigen Klang wiedergeben können. Wo die Geister im Scherzo wieder von verblüffend uhrwerkhaftem Spiel gerufen wurden, wechselten im Finale das Schwelgen im Klang und rasant ineinander verzahnte Läufe miteinander. Da hatte der Zauber des Spiels die Erinnerung an die Verfemten schon ganz überdeckt.

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