Ähnlich, aber verschieden

Lisa Jürß: Landschaft mit roter Wolke   (2001) Öl auf Hartfaser
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Lisa Jürß: Landschaft mit roter Wolke (2001) Öl auf Hartfaser

Deutschlehrer, die Dramen schreiben, Dirigenten, welche Sinfonien entwerfen, Kunstwissenschaftler vor der Staffelei - das sind gewiss problematische Verknüpfungen. Doch sie können auch gelingen. Lisa Jürß war 1973 bis 2000 stellvertretende Direktorin des Staatlichen Museums Schwerin, Dr. Luise Hartmann 1988 bis 91 Direktorin der Kunsthalle Rostock. In Schwerin stellen sie jetzt gemeinsam Malereien der jüngsten Zeit aus - Bilder aus dem Umgang mit der Farbe, Bilder voller Kunstverstand.

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04. Juni 2008, 11:21 Uhr

Das heißt, da wurde nicht Gesehenes mühsam abgemalt, sondern in eine künstlerische Form gebracht. Wir sehen Landschaften und Stillleben, die in der Auffassung ähnlich, in der Ausführung verschieden sind.

Beide malen, was sie kennen. Lisa Jürß, die wieder in ihrer Heimatstadt Schwaan lebt, gibt sich in der Landschaft der unaufhörlichen Verwandlung von Natur in Kunst hin.

Ihre Bilder sind niemals aufgeregt. Die Kontraste und Spannungen sind aus dem Malerischen gewonnen, nicht aus Bildideen, nicht aus Konfrontationen von Bildgegenständen und auch nicht aus dem Zeichnerischen. Sie ergeben sich aus dem Wandel der Jahreszeiten ebenso wie im Gemüt der Malerin. Es ist die geliebte heimatliche Landschaft - um Schwaan herum und auch auf Rügen -, die Lisa Jürß immer aufs neue erkundet. Der graugrüne Himmel über einem Feldweg offenbart die herbe Schönheit Norddeutschlands, die Farbenspiele ohne Ende hervorbringt, von der Malerin oft auf wenige Töne konzentriert, in Bildserien variiert - wie in den drei Winterbildern - oder auch - wie im Gartenbild - farblich reich entfaltet.

Auch die Rostockerin Luise Hartmann malt, was sie um sich hat und was ihr seit langem vertraut ist. Aber anders als ihre Malfreundin nähert sie sich gern Gebautem, das sie allein durch seine Verschachtelungen anzieht. Architekturbilder möchte ich sie dennoch nicht nennen, denn sie leben aus dem Miteinander einer städtischen Umwelt, zu der an der Küste noch das Wasser gehört.

So ist "Segler im Stadthafen" ein durchaus charakteristischer Bildtitel. Sie scheut auch nicht bekannte Ansichten, Schwerins Schloss und Alter Garten ebenso wie Rostocker Kirchen, aber doch geheimnisvoll verfremdet, wie die Gasse am Greifswalder Dom, wo die Senkrechten bedrängend aufragen. Durch die Menschenleere kommt erst recht zum Ausdruck, was die Malerin faszinierte.

Die Malerei der beiden Frauen hat kräftige, gesunde Wurzeln. Sie kennen sich seit 1962, als sie an der Universität Greifswald begannen, Kunsterziehung für die Schule zu studieren. Wolfgang Frankenstein und Harald Hakenbeck waren gute Lehrer im Malen, Otto Niemeyer-Holstein und Otto Manigk die verehrten Farbmeister auf Usedom. Vor Schulklassen haben beide nicht gestanden; auf verschiedenen Wegen wurden sie Kunstwissenschaftlerinnen.

Luise Hartmann, die fünf Jahre in Kenia lebte, war Aspirantin an den Universitäten Greifswald, Rostock und Berlin, Lisa Jürß seit 1966 am Schweriner Museum. "Wenn man so viel mit guter Kunst umgeht, ist es eher ein Grund, nicht zu malen", sagt sie, "es kann aber auch anregend sein."

In den 90er-Jahren besannen sich beide, zunächst unabhängig voneinander, dann in manchen gemeinsamen Pleinairs, wieder auf ihre alte Liebe. Das hat auch nach dem Ende der Berufstätigkeit mit dem Eintritt in einen neuen Lebensabschnitt zu tun, mit Bewältigungen und innerem Ausgleich. Die Bilder beider sind leichter geworden,

Luise Hartmann hat sich auch dem alten Thema des Blumenstilllebens zugewandt; sie bekennt: "Malen ist für mich ein Bedürfnis, es ist wie ein Rausch, der alle Sinne betört."

Die Ausstellung in der Galerie Berger, Wismarsche Straße 158, ist bis 13. Juni, Mo bis Fr 10.30 bis 18, Sonnabend 10.30 bis 14 Uhr geöffnet.

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