Landestheater Parchim : Advent auf „Parchimnesisch “

Wiebke Rohloff (vorn) erzählt vom Weihnachtsstress in ihrer Heimatstadt Hof.
Wiebke Rohloff (vorn) erzählt vom Weihnachtsstress in ihrer Heimatstadt Hof.

Die Ensemblemitglieder des Landestheaters unterhalten mit vorweihnachtlichen Geschichten und Liedern aus ihren Heimatregionen

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01. Dezember 2014, 11:45 Uhr

Sie ist klein, grün – und am festlich geschmückten Weihnachtsbaum nur schwer zu entdecken. Das Kind, das sie am Heiligabend als erstes aufspürt, wird deshalb auch besonders belohnt: Es bekommt ein extra Geschenk und darf auch die übrigen Päckchen zuerst auspacken. Und: Dem Finder der Weihnachtsgurke ist bis zum nächsten Fest besonderes Glück beschieden.

Sie kennen diesen Brauch nicht? Den Zuschauern der „Adventsgeschichten“, die am Sonnabend im Parchimer Landestheater ihre Premiere feierten, erging es ebenso. Und doch gibt es in den USA ein Zertifikat, das aussagt, dieser Brauch stamme aus Deutschland. Wer sucht, der findet die kleine grüne Glasgurke mittlerweile tatsächlich im Weihnachtssortiment hiesiger Supermärkte. Denn produziert wird sie unter anderem im oberfränkischen Kronach.

Bereits zum zehnten Mal stimmt das Ensemble des Parchimer Landestheaters sein Publikum mit Geschichten rund ums Fest auf Weihnachten ein. Die Idee, die Regisseurin Katja Mickan diesmal umsetzt, ist ebenso einfach wie verblüffend: Jedes Ensemblemitglied bringt weihnachtliche Lieder und Geschichten aus seiner Heimat ins Programm ein. Denn was man in „normalen“ Vorstellungen kaum ahnt: Die Schauspieler kommen nicht nur aus den verschiedensten Bundesländern – sie beherrschen auch deren Dialekte bühnenreif.

So erzählt die Bayerin Marlene Eiberger, dass die Weihnachtsgurke auf ihren gebürtigen Landsmann John Lower zurückgeht. Der kämpfte im amerikanischen Bürgerkrieg und geriet dort schwer verwundet in Gefangenschaft. Sein letzter Wunsch war – eine Gewürzgurke. Lower überlebte und hängte angeblich seitdem alljährlich eine Gurke an seinen Weihnachtsbaum.

Carolin Bauer, die aus dem Vogtland stammt, weiß hingegen, dass in ihrer Heimat einst gleich der ganze Weihnachtsbaum aufgehängt wurde – aus Platzgründen kam er unter die Decke. Auch wenn Kollegin Anne Ebel später gesteht, nur Bahnhof zu verstehen, wenn Caro mit der Familie daheim telefoniert – bei ihrer Mundart kann das Publikum noch mithalten. Schwieriger wird es, wenn Martin Klinkenberg im heimischen Dialekt erklärt, warum das Christkind die Aachener Printen so sehr liebt. Auch Fränkisch, Schwäbisch und Pfälzisch wird im Laufe des unterhaltsamen Abends schwadroniert – wo nötig mit Übersetzung und immer mit einem Augenzwinkern. Man merkt den acht jungen Schauspielern an, dass sie mit Herzblut dabei sind. Und nicht nur ihnen: Selbst Jan-Eric Meier, der zurzeit sein Freiwilliges Soziales Jahr im Theater absolviert und eigentlich das Lichtpult bedient, wagt sich mit einem Weihnachtsgedicht auf „Parchimnesisch “ auf die Bühne – und wird mit reichlich Applaus belohnt. Den gibt es auch für die A-capella-Gesangseinlagen des Ensembles, das sich hinter einem „echten“ Chor nicht verstecken muss.

Für die einzigen Missklänge sorgt am Premierenabend das Publikum. Auch wenn der Rahmen der Theatergaststätte vielleicht dazu verführt: Für versuchte Getränkebestellungen und Handytelefonate mitten im Programm sollte der Weihnachtsmann die Rute zücken.

Für die Vorstellungen in den kommenden Wochen gibt es noch Restkarten. Kartentelefon: 03871 62910

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